Der Leiter des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Efraim Zuroff, über das schwierige Aufspüren von NS-Kriegsverbrechern und den Gesundheitszustand des legendären Nazi-Jägers Simon Wiesenthal.
sueddeutsche.de: Wer sind die größten Verbrecher, die noch leben?
Der Chef-Nazijäger des Simon Wiesenthal Centers, Efraim Zuroff, mit einem Foto des KZ-Arztes Aribert Heim (© Foto: dpa)
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Efraim Zuroff: Alois Brunner ist der wichtigste.
sueddeutsche.de: Die rechte Hand Adolf Eichmanns, der sich nach dem Krieg jahrelang unbehelligt im Ruhrgebiet aufhielt?
Zuroff: Ja. Der KZ-Arzt Aribert Heim ist ein anderer wichtiger Fall. Aber es gibt noch andere, die während des Zweiten Weltkrieges Verbrechen begangen haben.
sueddeutsche.de: Zur Zeit läuft die Operation Last Chance, mit der sie in vor allem Osteuropa NS-Verbrecher aufspüren wollen. Sind sie mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden?
Zuroff: Nein, ich bin offen gestanden sehr unzufrieden und sehr frustriert. Wir haben zu wenig getan. Aber das ist kaum überraschend im Licht der sehr schwierigen Umstände, denen wir uns in diesen Ländern gegenüber sehen.
Gerade in postkommunistischen Ländern versuchen Regierungen, davon zu überzeugen, dass kommunistische Verbrechen schlimmer oder zumindest genauso schlimm wie die Verbrechen der Nazis sind.
Die Regierungen dort wollen der Tatsache nicht ins Auge blicken, dass ihre eigenen Völker viele dieser Verbrechen begangen haben.
In Deutschland weiß jeder, wer den Holocaust begangen hat. Es gibt kein Leugnen, außer an den Rändern, bei der wahnsinnigen extremen Rechten.
Aber in anderen Ländern, vor allem in post-kommunistischen, muss man sicherstellen, dass sie die Wahrheit über den Holocaust erzählen.
sueddeutsche.de: Welche Länder meinen Sie damit?
Zuroff: Es trifft besonders auf die baltischen Staaten zu, aber auch auf Länder wie Polen, wo die Menschen von den Nazis nicht in die Ausführung der Endlösung eingebunden wurden, aber einzelne Polen aktiv an der Ermordung von Juden teilgenommen haben.
sueddeutsche.de: Und wie sind die Ergebnisse in Deutschland, wo Sie die Aktion im Januar diesen Jahres gestartet haben?
Zuroff: Bis jetzt haben wir etwa 30 Namen von deutschen Verdächtigen erhalten. Wir untersuchen diese Namen und suchen nach Wegen, noch mehr Informationen zu erhalten.
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