Demos gegen Gleichberechtigung sexueller Minderheiten Es wird emotional in Stuttgart

Gegner des grün-roten Bildungsplans demonstrieren in Stuttgart.

(Foto: dpa)
  • In Stuttgart sind erneut Tausende Menschen gegen die Politik der grün-roten Landesregierung zur Gleichstellung sexueller Minderheiten auf die Straße gegangen.
  • CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf äußerte Verständnis für die hauptsächlich konservativ-christlichen Demonstranten.
  • Ministerpräsident Kretschmann hat in der Vergangenheit versucht, mit den Unzufriedenen aus dem evangelikalen und pietistischen Lager ins Gespräch zu kommen - bislang mit mäßigem Erfolg.
Von Josef Kelnberger, Stuttgart

Guido Wolf, Spitzenkandidat der baden-württembergischen CDU, ist nicht mitmarschiert. Sein Platz sei im Parlament, nicht auf der Straße, sagte Wolf. Aber Verständnis hat er geäußert für die Tausenden Menschen, die am Sonntag in Stuttgart gegen die Gesellschaftspolitik der grün-roten Regierung demonstrierten: gegen eine angebliche sexuelle "Umerziehung" des Landes. Diese Leute fühlten sich ausgegrenzt, sagte Wolf, "die fühlen sich nicht wertgeschätzt".

Welche Position Wolf selbst vertritt in den Fragen sexueller Vielfalt, ist schwer auszumachen. "Für mich ist die Schöpfung darauf ausgerichtet, dass Mann und Frau sich zusammentun, um Kinder auf die Welt zu bringen", erklärte er in einem Interview. Seine politischen Konsequenzen hält er vage. Respekt für Homosexuelle hat er bekundet, sich aber gegen das Adoptionsrecht ausgesprochen. Ansonsten lautet seine Grundhaltung, man solle es nicht übertreiben mit Vielfalt und Buntheit. Die Demonstrierenden vom Schlossplatz, vorwiegend konservative Christen, sind neun Monate vor der Wahl aus seiner Sicht vor allem: nützlich.

Ein überaus emotionales Thema

Es war die fünfte "Demo für alle". Am Anfang stand die Empörung über das Vorhaben der Regierung, die Akzeptanz sexueller Vielfalt im neuen Bildungsplan zu verankern. Und es ging immer mal wieder hoch her in der Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten. Am Sonntag kam es offenbar nur zu kleineren Zwischenfällen, aber die Veranstaltung war politisch brisant wie nie zuvor.

Die Landesregierung stand zuletzt an vorderster Front, als es darum ging, die "Ehe für alle" auf den Weg zu bringen. Sie hat gerade einen "Aktionsplan" für die Akzeptanz von sexueller Vielfalt in Berufswelt und Schule vorgestellt und arbeitet weiterhin daran, dieses Thema in abgeschwächter Form im Bildungsplan zu verankern. Darauf gründet die Opposition ihre Kritik, Grün-Rot vernachlässige auf Kosten von Minderheiten die Mitte der Gesellschaft. Ein überaus emotionales Thema.