Die USA werden die Verantwortung für Südosteuropa keinesfalls der EU allein überlassen
(SZ vom 25. Juli 2001) - Wenn es einmal wieder an der Zeit ist für transatlantische Solidarität, dann treffen sich die Europäer und die Amerikaner auf dem Balkan. "Gemeinsam rein, gemeinsam raus", lautet das nun auch wieder von US-Präsident George W. Bush bei seinem Besuch im Kosovo benutzte Schlagwort, das alle Gemüter beruhigt.
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Unterhalb dieses betonierten Bekenntnisses zur Waffenbrüderschaft verlaufen jedoch beunruhigende Bruchlinien. Denn die USA stehen seit Beginn der Friedenseinsätze in Bosnien und im Kosovo im Pauschalverdacht, ihre Truppen aus der Krisenregion zurückziehen zu wollen.
Dieser Verdacht wird genährt durch widersprüchliche Äußerungen und isolationistische Strömungen in Washington. Die Stabilisierung des Balkans ist somit einer amerikanischen Schaukelpolitik ausgesetzt.
Es ist schwer, die USA einzubinden - und noch schwerer ist es, sie auszugrenzen.
Die Europäer stellt das zunehmend vor Probleme. Denn sie glauben, sich einstellen zu müssen auf einen Rückzug der Amerikaner auf Raten. Wenn, wie nun in Mazedonien, neue Balkan-Konflikte die internationale Aufmerksamkeit beanspruchen, wird auf beiden Seiten des Atlantiks stereotyp auf die vorrangige Verantwortung der Europäischen Union für ihren krisengeschüttelten Hinterhof verwiesen.
So etwas mag die Europäer in früheren Zeiten noch in panische Wallung versetzt haben. Heute aber passt es prächtig - sowohl zum Anspruch der EU, als politischer und bald auch militärischer Krisenmanager Verantwortung zu übernehmen, als auch zur verbreiteten Rückzugs-Romantik in Washington. Es passt allerdings nicht zur Realität.
Denn sobald die Europäer die Dinge in die Hand nehmen, mischen sich die Amerikaner doch wieder mächtig ein. So geschehen in Mazedonien, als die EU mit dem früheren französischen Verteidigungsminister François Léotard einen Vermittler für den Konflikt zwischen den slawischen und albanischen Mazedoniern entsandte und binnen Stunden der amerikanische Unterhändler James Pardew an seiner Seite auftauchte.
Seitdem ziehen der schlanke Franzose und der gewichtige Amerikaner wie Pat und Paterchon durch Skopje - sich gegenseitig unterstützend, aber gewiss auch kontrollierend.
Wer nach weiteren Belegen für ein ungebrochenes Interesse der Amerikaner am Balkan sucht, kommt auch an Camp Bondsteel im Kosovo nicht vorbei, wo Bush am Dienstag seine Soldaten besuchte.
Verglichen mit den Feldlagern der anderen KFOR-Kontingente ist das US-Hauptquartier eine Festung, deren Ausmaße auch die europäischen Beobachter in Staunen versetzt. "Die US-Airbase in Frankfurt ist ein Schiss dagegen", meinte zugespitzt ein westlicher Diplomat.
Tatsache ist jedenfalls, dass das bislang schätzungsweise 350 Millionen Dollar teure Militärcamp derzeit noch erweitert wird.
Nach Rückzug sieht das nicht aus, eher nach Installierung eines festen Stützpunktes in strategisch günstiger Lage. Die USA sind präsent auf dem Balkan, sie haben mit ihrer Militärkraft die Basis geschaffen für die Friedenseinsätze, und sie werden, daran besteht kein Zweifel, auch dort bleiben.
Ein Rückzug ist allenfalls aus der gemeinsamen Politik mit den Europäern zu erkennen. Allzu häufig spielen die Amerikaner ihr eigenes Spiel, und allzu oft verurteilt das die Europäer zur Tatenlosigkeit.
So hatten sie zu akzeptieren, dass Washington eine special relationship zu den Führern der Albaner-Miliz UCK pflegte und dadurch den Verdacht aufkommen ließ, ein Groß-Albanien zu fördern. Mittlerweile haben sich die USA zwar von den Radikalen abgewendet. Die Reputation des Westens insgesamt als neutraler Vermittler aber hat Schaden genommen.
Die Balkan-Einsätze leiden daher an einem doppelten Dilemma: Die Europäer können die Aufgabe dem eigenen Anspruch zum Trotz nicht alleine stemmen. Und die Amerikaner mischen sich den eigenen Aussagen zum Trotz immer wieder viel zu unkoordiniert ein.
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