Hass, gezielte Gewalt und eine erschreckende Bilanz: 2009 gab es weltweit die meisten antisemitischen Vorfälle seit dem Zweiten Weltkrieg. Ein Grund: der Gaza-Krieg.
Es war ein bitterer Krieg mit einem bösen Echo. Als Israels Armee zu Beginn des vergangenen Jahres mit aller Feuerkraft im Gaza-Streifen kämpfte, da formierte sich weltweit eine Protestbewegung. Um Frieden ging es den einen, doch manchen auch um anderes. Sie trugen Plakate, auf denen Israels Präsident Schimon Peres als "Schimon Hitler" verunglimpft oder der Davidstern mit dem Hakenkreuz gleichgesetzt wurde.
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Ein brennender Davidstern von der israelischen Botschaft in Ankara: Im Gefolge des Kriegsprotestes schwappte eine schmutzige Welle von Antisemitismus durch die Welt. (© Foto: dpa)
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Im Gefolge des Kriegsprotestes schwappte eine schmutzige Welle von Antisemitismus durch die westliche Welt. Abzulesen ist das auch am Jahresbericht, den nun die Jewish Agency in Jerusalem vorlegt hat.
2009, so heißt es darin, gab es mehr antisemitische Vorfälle als jemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. In Europa wurden allein in den ersten drei Monaten rund um den Gaza-Krieg mehr Fälle gezählt als im ganzen Jahr zuvor.
Es geht um Schmierereien, verbale Beleidigungen und tätliche Angriffe, die in dem Bericht ebenso wie in einer Statistik des Antisemitismus-Forschungszentrums an der Universität Tel Aviv aufgelistet werden.
Aus Hass auf Juden ereigneten sich in den USA zwei Morde - an einem Wachmann vor dem Holocaust Memorial in Washington und an einem Studenten in Connecticut.
Gezielte Gewalt gegen Juden gab es aber auch in der Moskauer U-Bahn, dazu Brandstiftungen, Verwüstungen und Graffiti an jüdischen Einrichtungen weltweit.
In Deutschland hing ein blutiger Schweinskopf am Eingang zum jüdischen Friedhof in Gotha. In Ungarn und der Ukraine war Antisemitismus auch eine Wahlkampf-Waffe.
Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen verglich der sudanesische Delegierte die Klimaziele mit dem Holocaust, und in der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf wurden in einem Interview die Juden für die Vogelgrippe verantwortlich gemacht.
So bedrückend das ist - Ähnliches hat es auch in der Vergangenheit gegeben. Doch Natan Scharansky, der Vorsitzende der Jewish Agency, befürchtet neben der Quantität eine neue Qualität der Vorfälle. Er spricht von einem "neuen Antisemitismus, der zügellos die Idee eines jüdischen Staates attackiert".
Premierminister Benjamin Netanjahu hat das sogleich aufgenommen. Der Antisemitismus, sagt er, habe sich "vermischt mit dem Ziel, dem jüdischen Staat das Recht auf Selbstverteidigung zu verweigern" - und damit schließt sich auch aus Sicht der Regierung der Kreis zum Gaza-Krieg, genau genommen zum Goldstone-Report.
Denn dieser im Auftrag der UN erstellte Bericht wirft Israel Kriegsverbrechen vor und hat das Land diplomatisch arg in die Defensive gebracht - obwohl die Regierung darauf beharrt, dass sie sich nur gegen den Terror der Hamas zur Wehr gesetzt habe. Netanjahu macht den Bericht nun mitverantwortlich für den weltweit zunehmenden Antisemitismus.
Und auf dieser Linie will die Regierung offenbar zum internationalen Holocaust-Gedenktag an diesem Mittwoch, an dem Präsident Peres im Deutschen Bundestag spricht und Premier Netanjahu das frühere Vernichtungslager Auschwitz besucht, gegen den anklagenden UN-Bericht in die Offensive gehen.
"Die Verbindung zwischen dem Goldstone-Report und dem internationalen Holocaust-Gedenktag ist keine leichte Sache", sagte Informationsminister Juli Edelstein dem israelischen Internetdienst Ynet, "aber wir müssen die Lektionen lernen aus dem, was geschehen ist." Der südafrikanische Richter Richard Goldstone allerdings, der nun des Antisemitismus geziehen wird, ist selbst Jude.
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(SZ vom 26.01.2010/bica)
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Darauf können wir uns tatsächlich einigen.
leisten auch die Medien mit ihrer vorurteilenden meinungsbildenden Berichterstattung einen Beitrag zu diesem neuen und dennoch ebenso hässlichen Antisemitismus.
In der Printausgabe vom Wochenende schreibt der selbe Münch, der hier den schmutzigen Antisemitismus bedauert, über Israels Torpedierung der Friedensbemühungen Mitchells, da Netanjahu von einer "Bedrohung" durch die Palästinenser zu sprechen wagte. Ein weiterer Stein in der Mauer der anti-israelischen Ressentiments: Israel behindert den Friedensprozess.
Dass auf der palästinensischen Seite Verhandlungspartner stehen, die fortwährend vom Kampf gegen Israel sprechen, dessen Existenzrecht bestreiten, auf einen judenfreien Staat pochen (während 20% der israelischen Bürger arabischer Herkunft sind!) übersieht Münch geflissentlich.
Wo mag Netanjahu nur eine Bedrohung erkennen? Möglicher Weise in der Agressivität einer Hamas, in der steten Propaganda des ehrenvollen Märtyrertodes qua Bombenattentat - selbst im palästinensischen Kinderfernsehen. Vielleicht auch nur durch die Erfahrung zweier Rückzüge - aus dem Gazastreifen und dem Südlibanon, deren unmittelbare Folge Raketenangriffe auf Israel waren. All das mag Münch irgendwie ausgeblendet zu habe, als er den Lesern der SZ suggerieren wollte, es seien wieder einmal die bösen Israelis, die den armen friedliebenden Palästinensern den wohlverdienten Staat nicht zugestehen wollen ...
So kommt es, dass die öffentliche Meinung allein von Israel Entgegenkommen erwartet, während die klerikalfaschistische Hamas mit ihrem innerpalästinensischen blutigen Unterdrückungsregime und unverhohlenem Hass auf Juden und Israelis irgendwo zwischen Folkloregruppe und heldenhaften Widerständlern wahrgenommen wird. Und so kommt es, dass Linke mit Neonazis und Islamisten in einer Reihe gegen den Judenstaat und Judenfreunde auftreten (wie kürzlich in Hamburg). Und plötzlich ortet Münch erschrocken Antisemitismus ...
manesse: "Araber und insbesondere Palästinenser, die der isarelischen Nation die Existenz absprechen; und sich damit selbst - wie Sie zu sagen belieben - "mehr Existenzrecht" zusprechen als den Israelis"
Einigen wir uns darauf, dass beide dasselbe Recht haben, in dieser Gegend zu leben, in der ja beider Wurzeln liegen, gleichzeitig, nebeneinander und möglichst friedlich.
dww
Lieber Khaldoun69,
die gemeinsame Geschichte von Juden, Muslimen und Christen in den arabischen Ländern ist eine komplexe Materie und es ist bedauerlich, dass am Ende kein gleichberechtigtes Zusammenleben stand, sondern die Flucht der jüdischen Minderheiten.
Sie machen es sich, wie so viele arabische Muslime, zu einfach, wenn Sie das Scheitern des Zusammenlebens, wie alles, was in der arabischen Welt schief läuft, allein auf die "Zionisten" schieben. Die haben zwar nach der Shoah massiv um die Juden der islamischen Welt geworben, aber ohne die zahllosen Judenpogrome (z.B. 1945 in Tripolis) und die unaufhörlichen Demütigungen der islamischen Mehrheitsbevölkerung wären nur wenige gegangen. Hätten nur wenige die Gräber ihrer Heiligen und ihrer Vorfahren verlassen.
So wie Sie in palästinensischen Flüchtlingslagern Menschen finden, die immer noch den Schlüssel zu ihrem Haus in Jaffa bei sich tragen, so finden Sie auch in Israel Menschen, die ihre alte Heimat im Jemen oder in Syrien nicht vergessen können, aus der die Gewalt sie vertrieben hat.
Araber und insbesondere Palästinenser, die der isarelischen Nation die Existenz absprechen; und sich damit selbst - wie Sie zu sagen belieben - "mehr Existenzrecht" zusprechen als den Israelis. Es zeigt sich ja gerade in dieser Überheblichkeit der Antisemitismus unserer Zeit.
Paging