Studie zu syrischem Bürgerkrieg Hunderte Europäer kämpfen gegen Assad

Sie sind meist jung, muslimisch - und wollen das Regime von Baschar al-Assad stürzen. Tausende Muslime aus der ganzen Welt sind nach Syrien gereist, um dort im Bürgerkrieg zu kämpfen. Auch Deutsche sollen vor Ort sein.

Der Bürgerkrieg in Syrien zieht zahlreiche Kämpfer aus dem Ausland an. Das zeigt eine Studie des King's College in London, für die über ein Jahr mehr als zweihundert Internetseiten von Dschihadisten und mehr als hundert Nachrichtenseiten in der arabischen Welt und im Westen analysiert wurden.

US-Terrorexperte Aaron Zelin, einer der Autoren der Studie des "International Centre for the Study of Radicalisation" (ICSR), kommt zu dem Ergebnis, dass bisher bis zu 600 Kämpfer aus 14 Ländern an dem Konflikt beteiligt waren - darunter Menschen aus Großbritannien, Österreich, Spanien, aus den Benelux-Staaten und aus Deutschland. Bis zu 440 dieser Kämpfer könnten derzeit noch in Syrien sein. Die übrigen sind entweder gestorben oder wieder ausgereist.

Die Europäer machen damit fast zehn Prozent der ausländischen Kämpfer in Syrien aus. Zwischen 2000 und 5000 sollen in den Bürgerkrieg involviert sein. Sie kämpfen für die islamistische Al-Nusra-Front, für die eher säkulare Freie Syrische Armee (FSA) oder auch in lokal orientierten Gruppen. Laut Schätzungen kämpfen derzeit 5000 bis 10.000 Syrer bei al-Nusra und bis zu 100.000 in der FSA.

Nicht alle Kämpfer sind Dschihadisten

Bei den Herkunftsländern gibt es klare Schwerpunkte: Allein aus den Niederlanden könnten bis zu 105 Kämpfer stammen, aus Großbritannien zwischen 28 und 134, aus Belgien zwischen 14 und 85, aus Frankreich zwischen 30 und 92. Für Deutschland ermittelt die Studie eine Gesamtzahl von drei bis 40 Kämpfern, die zu verschiedenen Zeitpunkten des Konflikts in Syrien gewesen sein sollen. Aktuell sollen es einer bis 37 Kämpfer sein.

Die Studie betont, dass nicht alle der erfassten Kämpfer Dschihadisten seien: Als am häufigsten genannte Motive für den Kampfeinsatz listet sie aufrüttelnde Bilder aus dem Bürgerkrieg und Berichte über Gewalttaten des Regimes auf. Außerdem spiele das Gefühl eine Rolle, dass die internationale Gemeinschaft dem Konflikt nicht genügend Aufmerksamkeit schenke.

Die Wissenschaftler haben analysiert, wann auf islamistischen Seiten und auf Nachrichtenseiten Kämpfer namentlich genannt wurden. Auch flossen in die Erhebung ein, wenn Islamisten im Internet gefallene Kämpfer als Märtyrer feierten. Daraus erschließt sich laut Studienleiter Peter Neumann auch der große Spielraum bei den einzelnen Zahlen, da es sich nicht um eine vollständige Erhebung sondern nur um Näherungswerte handeln könne.

Konflikt mobilisiert weltweit Muslime

Die Studie zeigt außerdem, wie groß die Mobilisierung in der muslimischen Welt in dem Konflikt ist. "Der Prozentanteil ausländischer Kämpfer ist zwar nicht sehr hoch", sagte Neumann dem Guardian, "die absoluten Zahlen sind jedoch sogar höher als beim Konflikt im Irak." Die Auseinandersetzungen im Irak hätten sich jedoch über Jahre erstreckt. Was dort zwei bis drei Jahre gedauert habe, hätte sich in Syrien in viel kürzerer Zeit vollzogen.

So kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass "das Ausmaß, in dem der syrische Konflikt Muslime weltweit mobilisiert hat, signifikant ist, und mit den Konflikten im Irak in den nuller, in Bosnien in den neunziger und Afghanistan in den achtziger Jahren verglichen werden kann".

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