Studie Jeder siebte Schüler ist sehr ausländerfeindlich

Alarmierender Befund des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen: Eine Befragung von 53.000 Jugendlichen zeigt, wie ausgeprägt neonazistische Tendenzen und Fremdenhass unter deutschen Teenagern sind. Vor allem Hauptschulen sind betroffen.

Alarmierender Befund des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen: Rund jeder siebte Jugendliche in Deutschland hat eine massive Abneigung gegen Fremde. 14,4 Prozent aller befragten Jugendlichen seien als "sehr ausländerfeindlich" einzustufen, berichten Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts.

Vier junge Frauen vor einer Schautafel der Ausstellung 'Verfassungsschutz gegen Rechtsextremismus" in der Celler CD-Kaserne.

(Foto: Foto: dpa)

Der CDU-Politiker und der Wissenschaftler stellten in Berlin erste Ergebnisse des Forschungsprojekts "Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt" vor.

Demnach gaben 4,9 Prozent der befragten Jungen an, Mitglied einer rechtsextremen Gruppe oder Kameradschaft zu sein. Bei den Mädchen waren es 2,6 Prozent.

Minister Schäuble zeigte sich "erschrocken" über die hohe Zahl der starken Bindungen an rechte Gruppierungen. Hier müssten die Bemühungen weiter intensiviert werden.

Rechtsextreme Einstellungen seien vor allem bei Jungen anzutreffen, sagte Pfeiffer. Sie verteilten sich zudem regional sehr unterschiedlich. "Das muss uns aufrütteln, dass ein hoher Anteil der Jungen in West- und Ostdeutschland ins Fahrwasser der Rechten geraten ist." Am ausgeprägtesten seien Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus an Hauptschulen.

Die Jugendgewalt ist der Erhebung zufolge in den vergangenen zehn Jahren bundesweit überwiegend leicht gesunken oder zumindest konstant geblieben.

53.000 Schüler befragt

Schäuble, dessen Ministerium die Studie in Auftrag gab, sagte zu den Ergebnissen, sie gäben "eine Menge Anstöße zum Handeln, aber auch das Gefühl, dass es sich lohnt zu handeln". Die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität könne nun weiter verstärkt werden.

Für die Studie wurden in den Jahren 2007 und 2008 in 61 Landkreisen und kreisfreien Städten fast 45.000 durchschnittlich 15 Jahre alte Schüler befragt. Zusätzlich wurden 8000 Viertklässler befragt. Der Abschlussbericht soll in der zweiten Hälfte dieses Jahres vorgelegt werden.

Die Erhebung ergab laut Pfeiffer, dass 4,8 Prozent der befragten Jugendlichen schon einmal Opfer von schwerer Gewalt wurden; 1,6 Prozent der Befragten gab demnach an, in Schulen Opfer eines schweren Überfalls oder ähnlichem geworden zu sein.

Die nach dem Amoklauf in Winnenden diskutierte Gefahr von Killerspielen sei ein Faktor, "aber nicht der entscheidende", so Pfeiffer. Erst, wenn andere Faktoren, etwa Gewalt in der Familie oder delinquente Freunde, hinzukämen, wirke sich die Nutzung von Ego-Shootern auf das Verhalten aus.

Im Vergleich zu früheren Schülerbefragungen aus dem Jahr 1998 seien die Ergebnisse in den meisten Gebieten rückläufig oder stabil, sagte Pfeiffer.