Studie: Familienmonitor 2010 Kind trotz Krise

Die Deutschen haben Lust auf Familie - laut einer Studie von Familienministerin Kristina Schröder: Eltern ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie demnach wichtiger als Steuersenkungen. Die Frage nach Geld und dem richtigen Partner treibt nach wie vor viele um.

Von Stefan Braun

Bei den Deutschen wächst der Wunsch nach Kindern. Laut einer vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Studie des Instituts Allensbach äußerten noch vor zwei Jahren nur 43 Prozent der Kinderlosen das Bedürfnis, eine Familie zu gründen. In diesem Jahr sind es bereits 52 Prozent - trotz Wirtschaftskrise und wachsender Sorgen um die eigene Zukunft.

An Gewicht verlieren zugleich die Bedingungen, die Paare erfüllt sehen wollen, bevor sie sich für Kinder entscheiden. Nach wie vor fragen sich viele zwar, ob sie sich Kinder zutrauen sollen, ob sie genügend Geld haben und der Partner auch wirklich der richtige Partner ist, aber die Bedeutung dieser Fragen nimmt ab. "Im Moment wächst der Mut zum Kind", sagte Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstag in Berlin.

Laut dem sogenannten Familienmonitoring, das zum dritten Mal für das Familienministerium erstellt wurde, bleibt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zentrales Thema für alle Eltern. Es rangiert nach wie vor an der Spitze aller Forderungen, die Familien an die Politik, aber auch an die Unternehmen stellen - und werden bei weitem wichtiger erachtet als beispielsweise Steuersenkungen. Gut zwei Drittel beklagen, dass es um diese Vereinbarkeit nach wie vor nicht gut bestellt ist.

Dabei erwarten sie sich mehr Unterstützung gleichermaßen vom Staat wie von der Wirtschaft und dem eigenen Arbeitgeber. Mehr als neunzig Prozent aller Befragten erklärten, dies sei ihnen besonders wichtig. Vor allem Mütter wünschen sich, dass Kindergärten und Schulen ihre Stundenpläne an die Arbeitszeiten anpassen und mehr Ganztagesbetreuung anbieten.

Zeit als "Leitwährung einer modernen Familienpolitik"

Neben der Kinderbetreuung rückt auch die Pflege von Familienangehörigen immer stärker in den Vordergrund. Gut zwei Drittel der Befragten möchten Angehörige, wenn irgend möglich, selbst pflegen, bevor sie auf einen Pflegedienst oder gar auf ein Pflegeheim zurückgreifen würden. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sieht sich damit in ihrem Bemühen bestätigt, eine sogenannte Pflegezeit zu etablieren. Knapp sechzig Prozent halten das laut Studie für einen guten Vorschlag. Schröder betonte bei der Präsentation der Untersuchung, Zeit sei die "Leitwährung einer modernen Familienpolitik" geworden.

Eine sehr große Mehrheit der knapp zweitausend befragten Eltern und kinderlosen Erwachsenen geben an, dass die Familie für sie der mit Abstand wichtigste Lebensbereich sei. Bei Vätern und Müttern liegt die Zahl bei gut neunzig Prozent, in der Gesellschaft insgesamt rangiert der Wert bei knapp unter achtzig Prozent. Gute Noten erhält das Elterngeld. Seitdem der Beschluss fiel, es einzuführen, stieg die Zustimmungsrate von siebzig auf achtzig Prozent.

Parallel dazu antworten zwei Drittel der Mütter und sogar drei Viertel der Väter, dass eine Familienpause für sie eine Bereicherung gewesen sei. Damit verbunden wünschen sich vor allem Väter eine Verkürzung ihrer Arbeitszeiten. Diesem Wunsch stehen jedoch nach Angaben derselben Väter die Bedingungen im Job entgegen. Auch deswegen wünschen sich noch immer fast 40 Prozent der Mütter, dass sich ihre Ehepartner mehr um die Familie kümmern als bisher. Drei Viertel der Mütter möchten mehr als nur halbtags arbeiten.