Laut einer Studie macht ein Drittel aller Kliniken Verluste - die daraus folgende Rationierung müssten laut Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft schon heute die Patienten hinnehmen. Das Gesundheitsministerium weist diese Darstellung zurück.
Die Betreiber deutscher Krankenhäuser schauen zunehmend pessimistisch in die Zukunft. Das geht aus dem "Krankenhaus Barometer 2007" hervor, welches das Deutsche Krankenhausinstitut veröffentlicht hat.
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Ein Patient wird nach der Operation aus dem Operationssaal gefahren (Archivfoto vom 17.02.2006, Universitätsklinik Leipzig). (© Foto: dpa)
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Wegen hoher Sparzwänge sehen die Kliniken das Wohl der jährlich etwa 17 Millionen Patienten gefährdet. "Nach Jahren intensiver Durchrationalisierung ist die Zitrone ausgequetscht", sagte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), am Montag in Berlin.
"Die nächste Stufe führt in die Rationierung der Versorgung, die schon spürbar ist." Bereits heute müssten die Patienten die hinnehmen.
So müssten sie in Notfällen länger warten, weil das Personal fehlt. Ein Drittel der Krankenhäuser schrieb laut der Studie im Jahr 2006 Verluste; 15 Prozent erreichten noch ein ausgeglichenes Ergebnis. Für das laufende Jahr sind die Erwartungen noch schlechter: Nur 38 Prozent der Kliniken rechnen mit Überschüssen - 2006 erreichten noch 55 Prozent ein positives Ergebnis.
Der ökonomische Druck auf die Krankenhäuser ist laut DKG gestiegen. Gründe seien vor allem das Fallpauschalensystem, die Kostensteigerungen durch Tariferhöhungen für Klinikärzte, die Mehrwertsteuererhöhung, Energiekostensteigerungen sowie Mehrkosten durch das neue Arbeitszeitgesetz.
Gleichzeitig habe die Politik massive Kürzungen bei den Krankenhäusern mit den Einspargesetzen 2006 und der Sanierungsabgabe der Kliniken im Rahmen der Gesundheitsreform 2007 vorgenommen. In anderen Bereichen zeige sich, "dass der konjunkturelle Aufschwung früher seine Wirkungen entfaltet als erwartet", sagte Verbandschef Baum.
Er forderte, die Sanierungsabgabe der Kliniken an die Krankenkassen, die jährlich 280 Millionen Euro beträgt, wieder abzuschaffen. "Jetzt muss die Krankenhausfinanzierung neu bestimmt werden", forderte Baum. Der Verband Leitender Krankenhausärzte sowie die Ärztegewerkschaft Marburger Bund stellten sich hinter Baums Forderungen.
Das Gesundheitsministerium wies die Darstellung als zu dramatisch zurück: Jeder dritte Euro aus den Krankenkassenbeiträgen fließe in die stationäre Behandlung, sagte ein Sprecher. Ein Anlass zur Panik bestehe nicht.
Er räumte jedoch ein, dass durch die Umstellungen eine schwierige Zeit für manche Krankenhäuser angebrochen sei. Um Versorgungsengpässe abzuwenden, will das Gesundheitsministerium im ersten Halbjahr 2008 Vorschläge vorlegen, durch die Krankenschwestern und Pfleger zunehmend Aufgaben von Ärzten übernehmen sollen.
Die Verbände fürchten nach eigenem Bekunden, dass es zu weiteren Entlassungen kommen wird. In den vergangenen zehn Jahren wurden bereits mehr als 150000 Arbeitsplätze in den Krankenhäusern abgebaut, insbesondere in der Pflege. Künftig könnten auch Arztstellen betroffen sein, jede neunte Klinik habe entsprechende Pläne in der Schublade, hieß es. Ein Drittel der Hospitäler will zudem offene Arztstellen nicht wieder besetzen.
Das "Krankenhaus Barometer" informiert über die Lage in den Krankenhäusern. Auftraggeber sind die DKG, der VLK und der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). 2007 haben sich 304 Allgemeinkrankenhäuser beteiligt.
(SZ vom 9.10.2007)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
Die Politiker, die unser Sozialsystem um jeden Preis privatisieren wollen, unabhängig davon,ob sie wissen was sie damit tun oder es bewusst machen, gehören an den Pranger. Eine Ministerin die diesem Treiben tatenlos zuschaut, gehört nicht ins Ministerium.
Das eine Klinik auch effizient arbeiten muss, steht doch außer Frage. Da kann man ansetzen, aber nur Argumente sammeln und Maßnahmen ergreifen, um die Privatisierung voranzutreiben ist kriminell. Alles was die Klinken kaputt macht sind u.a. die aufgeführten Dinge von Herrn Baum. Erhebliche Mittel könnte man einsparen, indem man eine einheitliche Krankenkase schafft, die unter Leitung des Ministeriums steht. Das würde u.a. zum Wegfall der hochdotierten und überflüssigen Vorstands- u. Aufsichtsräten Gehältern führen. Damit könnte auch die Krankenkassenärztliche Vereinigung entfallen und der Risikostrukturausgleich. Der einzahlende Bürger braucht keine herbeigeredete Konkurenz zwischen Krankenkassen, sondern nur eine gesicherte Versorgung. Für diese Regelung ist der Staat zuständig und verantwortlich.
Zumindest müssen sie ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Früher gab es noch viel mehr öffentliche Träger (Städte, Kommunen) im Gesundheitswesen. Diese haben häufig am Ende des Jahres das Minus ausgeglichen. Dieses Geld kommt letztendlich auch von uns allen.
Ich finde es richtig, dass eine gewisse Wirtschaftlichkeit in das Gesundheitswesen Einzug gehalten hat. Dass alle Beteiligte angesichts der einschneidenden Massnahmen derzeit meckern, läßt ja vielleicht auch den Schluss zu, dass die Veränderungen greifen.
@ReBa:
Ulla S. sollte doch einfach Ackermann und Roland Berger engagieren, damit die Rendite im Gesundheitswesen stimmt.
@Nepokong:
wieso MÜSSEN Ihrer Meinung nach die Krankenhäuser denn Gewinne machen?
Sie haben eine extrem wichtige, gesamtgesellschaftliche Funktion.
Die Bundeswehr z.B. muss ja auch kene Gewinne machen
Ich habe auch noch andere Kommentare hier im SZ-Forum, die teilweise noch nicht rot bewertet sind, schauen Sie einfach in mein Profil und toben Sie sich aus, wenn es Ihnen soviel Freude macht.
Schönen Tag noch,
PS
Paging