Studie: Antisemitismus in der Linken Mißfelder fordert Klarstellung

Dass Antisemitismus in der Linken keine Frage von Einzelfällen ist, belegt auch der 4. November 2008. Damals galt es, dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht zu gedenken. Einer gemeinsamen Resolution aller im Bundestag vertretenen Parteien enthielten sich elf Abgeordnete der Linken. Unter anderem mit der Begründung, sie lehnten die "deklamatorische Feststellung, die Solidarität mit Israel entspreche der deutschen Staatsräson" ab.

Politiker anderer Parteien sind längst hellhörig geworden und fordern eine Klarstellung von den Linken. "Die Linkspartei sollte endlich ihr Verhältnis zu Israel klären", sagte Philipp Mißfelder, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, der Mitteldeutschen Zeitung. Sein SPD-Kollege Rolf Mützenich sagt: "Für diejenigen, die ein unverkrampftes Verhältnis zu Israel und zu den jüdischen Organisationen wollen, ist es nicht immer leicht in der Linkspartei."

Das bekommen auch regelmäßig die Mitglieder des "Bundesarbeitskreis Shalom" zu spüren, den Studienautor Voigt mitgegründet hat. Sie müssen immer wieder mit harschen Anfeindungen aus den eigenen Reihen kämpfen. Erst die Unterstützung durch Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi brachte dem Arbeitskreis die nötige Anerkennung, um auch Geld von der Partei zu bekommen.

Umso erstaunlicher, dass Gysi die Studie jetzt als "Blödsinn" abtut. Obwohl die Autoren mehr oder weniger bekannte antisemitische Ausfälle in der Partei auflisten und detailliert schildern. Und obwohl Gysi, dessen Familie selbst jüdische Wurzeln hat, offensichtlich zu denen gehört, die um das Problem wissen.

Bereits 2008 hat er in einer denkwürdigen Rede zu "60 Jahre Israel" versucht, der Linken klarzumachen, dass Antisemitismus in der Partei keinen Platz habe. Das Existenzrecht Israels dürfe auch von der Linken nicht in Frage gestellt werden.

In ihren öffentlichen Erklärungen mag die Partei dieser Linie zwar inzwischen folgen. Doch unter der Oberfläche sagen starke antisemitische Strömungen Israel weiterhin den Kampf an. Genügend Belege dafür gibt es in der neuen Studie - unabhängig von der wissenschaftlichen Distanz des Autors.