Streit zwischen Mixa und Roth "Durchgeknallt" gegen "faschistoid"

Eskalation im Konflikt zwischen Claudia Roth und Walter Mixa: Erst bezeichnete die Grünen-Chefin den Augsburger Bischof als "durchgeknallten Oberfundi" - dann reagierte die Diözese: Roths Attacken trügen "faschistoide Züge". Die Grünen seien für Christen "nicht wählbar".

Der Streit zwischen der Grünen-Bundesvorsitzenden Claudia Roth und dem Augsburger Bischof Walter Mixa über die Familienpolitik eskaliert. Roth sagte am Samstag in Deggendorf, Mixa sei ein "durchgeknallter, spalterischer Oberfundi aus Augsburg".

Ein Sprecher des Bischofs erwiderte, diese Wortwahl Roths erinnere "in erschreckender Weise an die Propaganda-Hetze der Nationalsozialisten gegen die Katholische Kirche und ihre Repräsentanten".

Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke wies die Äußerungen des Sprechers strikt zurück. "Die getroffene Wortwahl ist in der politischen Auseinandersetzung unakzeptabel", sagte sie. "Scharfe Diskussionen in einer Sache, in der man unterschiedlicher Auffassung ist, ist das Eine. Der Vergleich mit dem nationalsozialistischen Unrechtsregime jedoch ist eine unverschämte Beleidigung, entbehrt jeglicher Grundlage und verhöhnt die Opfer des Nationalsozialismus."

"Grüne für Christen nicht wählbar"

Lemke fügte hinzu: "Wir erwarten von der Diözese Augsburg, dass sie sich von der erschreckenden Wortwahl distanziert und für eine Klarstellung sorgt."

Der Öffentlichkeitsreferent der Diözese Augsburg, Dirk Hermann Voß, hatte zuvor gesagt, er erkenne in den persönlichen Attacken Roths gegen Vertreter der Kirche und in ihrem Versuch, sich selbst zur "Zensurbehörde" der gesellschaftspolitischen Diskussion in Deutschland zu machen, "seit langem schon beunruhigende faschistoide Züge". Die Grünen seien damit "auf allen Ebenen für Christen nicht wählbar".

Roth forderte in ihrer Rede beim bayerischen Grünen-Landesparteitag in Deggendorf, Familien bräuchten endlich eine echte Wahlfreiheit, ob sie ihre Kinder selbst beaufsichtigen wollten oder sie in Kinderkrippen zur Betreuung geben. Sie appellierte an die Bundesregierung, hier schnell eine Verbesserung zu schaffen.

Mixa hat sich bereits mehrfach gegen eine Konzentration auf den Ausbau der Kinderbetreuung ausgesprochen. Er warf dem Bundesfamilienministerium vor, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie rekrutieren zu wollen.

Stattdessen müsse staatliche Familienpolitik die Entscheidung von Eltern, ihre Kinder selbst zu erziehen und nicht in staatliche Betreuungseinrichtungen zu geben, in gleicher Weise fördern wie den Ausbau von Krippenplätzen, fordert der Bischof.