Nur mit viel gutem Willen kann man Merkel zugutehalten, dass sie den Papst und Seehofer nicht gleich behandeln wollte, weil der Ministerpräsident das möglicherweise gar nicht als Kritik verstanden hätte.

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Merkel hat den Papst kritisiert, aber zum Fall Erika Steinbach schweigt sie - und da hört der Spaß dann auf. Der Bund der Vertriebenen will seine Präsidentin unbedingt in den Stiftungsrat für die Vertriebenen-Gedenkstätte setzen. Da kann man dafür sein oder dagegen.

Ein starker Auftritt, der die Schwächen offenbarte

Merkel aber verschanzt sich seit Monaten hinter Formalitäten und Fristen. Die Kanzlerin hat die Gedenkstätte 2005 zum Projekt der Koalition gemacht und 2008 durchgesetzt. Sie hat mit Erfolg um die Duldung durch die polnische Regierung geworben.

Nun aber lässt sie die entscheidende Frage offen, schweigt - und riskiert damit, dem deutsch-polnischen Verhältnis zu schaden, das zu schützen sie vorgibt.

Was interpretiert man hinein in diese Kanzlerin der Stille?

Großer Phantasie bedarf es nicht, um dahinter die Angela Merkel zu entdecken, die über Niederlagen genauso wenig reden mag wie über Konflikte, gelöst oder ungelöst.

Ein bemerkenswertes Paradoxon besteht jedoch darin, dass Merkel selbst diesmal mit ihrem ungewöhnlichen Appell an den Papst verdeutlicht hat, was bei ihr gewöhnlich ist: nichts zu sagen.

Mit einem einzigen starken Auftritt hat sie damit zugleich eine ihrer größten Schwächen offenbart. Nach klaren Worten ist nun wieder nur Merkels gesammeltes Schweigen zu hören.

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(SZ vom 18. Februar 2009/odg)