Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach fordert die Rückkehr zum alten Recht, das Rot-Grün gegen viel Widerstand reformiert hat. Acht Jahre nach Einführung des Doppel-Passes bricht der alte Streit wieder aus.
Es war eines der Vorzeigeprojekte der ersten Monate rot-grüner Bundesregierung: das neue Staatsangehörigkeitsrecht. Erstmals sollte nicht allein die Herkunft entscheidend für die deutsche Staatsangehörigkeit sein, sondern auch der Geburtsort. Seit dem 1. Januar 2000 gilt: Wer in Deutschland das Licht der Welt erblickt, ist Deutscher, auch wenn die Eltern es nicht sind. Sie müssen lediglich nachweisen, dass sie sich legal in Deutschland aufhalten und hier ihren Lebensmittelpunkt haben.
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"Es kann keine doppelten Loyalitäten bei der Staats- angehörigkeit geben", sagt der Innenexperte Wolfgang Bosbach. (© Foto: ddp)
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Die Sache hat allerdings einen Haken, der jetzt erneut für Streit sorgt: Die Optionsregel. Danach müssen sich Jugendliche mit zwei Pässen zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr für eine Staatsangehörigkeit entscheiden. Ab diesem Jahr werden die ersten Fälle erwartet. 3316 sollen es werden. Allein in Berlin leben nach einer jüngsten Statistik über 21.000 sogenannte Optionsjugendliche. Davon kommen in diesem Jahr rund 370 in das Alter, in dem sie sich entscheiden müssen.
Kurz vor der bayerischen Landtagswahl und acht Jahre nach der Einführung des neuen Staatsangehörigkeitsrechtes ist der Zwist um diese Regelung wieder voll entbrannt. Diesmal allerdings innerhalb der amtierenden Bundesregierung.
Die Woche fing schon heikel an. Maria Böhmer (CDU), Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, stellte ihren Fragenkatalog für den neuen Einbürgerungstest vor. Zukünftig muss jeder Einbürgerungswillige diesen Test bestehen, bevor er Deutscher werden kann. Böhmers Aufforderung an die Ausländer in Deutschland, doch bitte Deutsche zu werden, klang in den Ohren der türkischen Gemeinschaft danach wie Hohn. Diese sieht in dem Test eine weitere Hürde auf dem Weg, Deutscher werden zu können.
Wolfgang Bosbach, Innenexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, schüttet jetzt noch Öl ins Feuer. Er fordert auf sueddeutsche.de die Rückkehr zum alten Recht: "Wir wollen zurück zum alten Staatsangehörigkeitsrecht von vor 1999, weil es eben keine doppelte Loyalitäten bei der Staatsangehörigkeit geben kann."
Kampfansage an die SPD
Er warnt auch davor zu glauben, mit der Rückkehr zum alten Recht werde die doppelte Staatsangehörigkeit in Deutschland abgeschafft: "Es ist ja nicht so, dass es in Deutschland keine doppelte Staatsangehörigkeit gibt. In Ausnahmefällen ist das durchaus möglich. Die Frage ist nur, ob das der Regelfall werden soll. Da sagen wir klar: Nein."
Das kommt einer Kampfansage an die SPD gleich. Deren Innenexperte Dieter Wiefelspütz hatte nämlich gefordert, das Optionsmodell ganz zu streichen mit dem Ergebnis, dass Jugendliche mit zwei Staatsangehörigkeiten dauerhaft beide Staatsangehörigkeiten behalten dürften.
SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner setzt jetzt nach: "Wir haben durch die doppelte Staatsbürgerschaft einen Loyalitätsgewinn und wir vermeiden Streit, deshalb sollten wir das Optionsmodell abschaffen", sagte er der Süddeutschen Zeitung. "Warum sollten wir diesen Menschen etwas wegnehmen und Streit in die Familien tragen?"
Die Grünen wollten das schon immer so. Und diese Haltung entspricht auch dem Wunsch der Türken in Deutschland. "Der Verzicht auf den türkischen Pass ist für viele Jugendliche der Verzicht auf einen Teil ihrer Identität", sagte Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Berlin, der Süddeutschen Zeitung. Er "fürchte, dass sich ein Großteil der Jugendlichen wegen Diskriminierungserfahrungen gegen den deutschen Pass entscheiden werden".
Der Integrationsbeauftragte des Landes Berlin, Günter Piening, vergleicht im Gespräch mit sueddeutsche.de die Situation der Jugendlichen mit einem Bild, das beim Spiel Deutschland gegen die Türkei während der Fußball-EM gerne gebraucht wurde. Da wurde von der deutschen und der türkischen Herzkammer der hier lebenden Deutsch-Türken gesprochen. Piening: "Mit dem Optionsmodell werden die Jugendlichen gezwungen, sich eine der beiden Herzkammern herauszureißen. Integrationspolitisch ist das nicht hilfreich."
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loyalität entsteht nicht durch verordnung sondern ist herzenssache.
behandeln wir unser ausländer mit wohlwollen und fairness dann sind sie uns loyal auch ohne formelle angehörigkeit.
man kann sich nicht gegen ein teil der gesellschaft verschwören und gleichzeitig von ihnen loyalität erwarten.
HÜH oder HOT?
Geh ich links oder rechts?
Die Regierungen drehen zwar auch immer aber eigentlich sollte man sich schon entscheiden, oder kann man sich teilen?
Im Streitfall gilt mein Gelöbniss auf mein Vaterland, oder des Gastlandes?
Schon ein komisches Gefühl, wenn man nicht weiß wo man hingehört.
Es grenzt mittlerweile an absoluter Peinlichkeit, wie der zivilisierte Deutsche meint, mit Schicksalen von Menschen umzugehen. Besonders dann, wenn sich deutsches Kulturgut darauf beschränkt, sich auf Schützenfesten oder Karnevalsveranstaltungen sinnlos zu besaufen und gleichzeitig behauptet, es würden Heerscharen an H4 Empfängern ins Land gelotst. Das sind dann diejenigen, die sogenannten Führern hinterher rennen.
1. wäre es m.E. angemessen gewesen, wenn diese deutschen Idi...n 25 Jahre bei Wasser und Brot hätten Steine kloppen müssen und das in irgendeiner französischen Kolonie, wo sie langsam von den Schmeißfliegen aufgefressen worden wären
und
2. geht uns hier in D das nichts an, wie es Frankreich mit irgendwelchem Staatsbürgerschaftsrecht hält oder auch nicht.
sich zum Dativ zu bekennen und ihn als vorhandene Struktur in einem vorhandenen System nicht weiter zu ignorieren!
nicht war Herr/Frau newfunast?
Als deutsche Hooligans bei der Fussball WM 1998 einen französischen Polizisten ins Koma prügelten, hätte ich es als unangemessen empfunden, wenn Frankreich aus diesem Grund die doppelte Staatsbürgerschaft in Frage gestellt hätte. Genauso unangemessen erscheint es mir nun in Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft vor dem Hintergrund der U-Bahn Schläger zu diskutieren.
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