Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, behauptet, dass Bischof Mixa und sein Umfeld bewusst Vergleiche mit dem Dritten Reich anstrengen und erklärt, warum ihre Grünen-Chefin Roth bei ihren krachledernen Äußerungen bleibt.
sueddeutsche.de: Frau Lemke, schön, dass Sie Zeit für dieses Interview haben. Eigentlich wollten wir mit Ihrer Parteichefin Claudia Roth sprechen. Warum möchte sie nichts mehr zur Causa Mixa sagen?
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Bischof Walter Mixa (© Foto: dpa)
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Steffi Lemke: Claudia Roth wird sich sicher weiter deutlich zu Bischof Mixa und seinen unsinnigen Positionen äußern, wie sie das auch in der Vergangenheit oft getan hat. Bischof Mixa schickt dagegen seinen Sprecher Dirk Hermann Voß vor, der sich im Auftrag von Mixa mit dem unterirdischen Vergleich mit nationalsozialistischen Hasstiraden völlig ins politische Abseits begeben hat.
sueddeutsche.de: Und was ist mit Roths eigenen, wenig schmeichelhaften Bemerkungen über Bischof Mixa?
Lemke: Die haben immerhin eine überfällige Diskussion über Bischof Mixa angestoßen, der ja neben seinem Amt in Augsburg auch noch Militärbischof ist - und damit einen sehr fragwürdigen Einfluss insbesondere auf junge Soldatinnen und Soldaten ausüben kann. Deshalb sehe ich keinen Grund, warum Claudia Roth ihre Äußerungen relativieren sollte.
sueddeutsche.de: Einige Parteifreunde scheinen dennoch nicht ganz glücklich darüber zu sein, wie Roth den Bischof tituliert hat. Die bayerische Landeschefin Theresa Schopper meinte beispielsweise, das Attribut "durchgeknallt" sei Roth "durchgerutscht".
Lemke: Frau Schopper hat ja Roths Äußerung nicht kritisiert oder sich distanziert, sondern verschärft: Schopper stellte klar, dass Mixas Ausfälle nicht "durchgeknallte", sondern kühl berechnete Provokationen sind, die bestimmte Debatten anheizen und vergiften sollen.
Ich glaube, dass in einer politischen Auseinandersetzung scharfe Worte durchaus berechtigt sind. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Aber ein Vergleich mit dem Nationalsozialismus, wie ihn Herr Mixas Sprecher gemacht hat, überschreitet definitiv eine akzeptable Grenze. Ich erwarte, dass Herr Voß das zurücknimmt und sich entschuldigt.
sueddeutsche.de: Das hat Voß offenbar nicht vor. Im Gespräch mit sueddeutsche.de hat er seinen Vergleich verteidigt. Er glaubt, auf eine "historisch zulässige Parallele" hingewiesen zu haben.
Lemke: Er verschlimmert dadurch seinen unsäglichen Vorwurf. Deshalb gehe ich davon aus, dass eine Reaktion der Diözese selbst notwendig wird. Das ist nicht der erste Vergleich von Walter Mixa oder seinem Umfeld, der in den Bereich des Nationalsozialismus hineingeht und Grenzen der politischen Auseinandersetzung bewusst verletzt.
Ich erinnere daran, dass Mixa vor nicht allzu langer Zeit Eva Herman in Schutz genommen hat, als sie das NS-Mutterbild lobte. Es ist also kein Einzelfall, dass bewusst Vergleiche mit dem Dritten Reich angestrengt, zugelassen und toleriert werden. Das ist völlig inakzeptabel.
Es gibt äußerst kontroverse Positionen zwischen Bischof Mixa und Bündnis 90/Die Grünen, die in Ordnung sind, solange sie bei der Sache bleiben. Aber Vergleiche mit dem Nationalsozialismus gehören nicht in die politische Auseinandersetzung.
sueddeutsche.de: Ist es nicht auch völlig unsachlich, einen politischen Gegner als "durchgeknallten Oberfundi" zu bezeichnen?
Lemke: Das ist auch für eine Parteitagsrede eine harte Formulierung, da gebe ich Ihnen recht. Allerdings frage ich mich als Frau auch, wie ich mich mit jemandem in moderatem Ton unterhalten soll, der mich als Gebärmaschine diffamiert.
sueddeutsche.de: Die Kluft zwischen Mixa und den Grünen wurde auch dadurch deutlich, dass der Sprecher des Bischofs erklärte, ihre Partei sei für Christen nicht wählbar.
Lemke: Das, was Herr Voß da verkündete, ist purer Quatsch. Wir arbeiten mit vielen katholischen Christen zusammen, die sich nicht von Bischof Mixa vertreten sehen. Viele von ihnen sehen mehr Distanz zu Leuten wie Herrn Mixa als zur Politik der Grünen.
Wir wollen weiterhin mit den christlichen Kirchen gut zusammenarbeiten, genauso wie auch mit anderen Religionsgemeinschaften. Es gibt einige starke Überschneidungen zwischen den Grünen und den Kirchen, gerade in der Frage von Ethik und Gentechnik. Die gute Zusammenarbeit lasse ich mir nicht von einem kirchlichen Pressesprecher zerreden.
(sueddeutsche.de/jja/bavo)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
@queenB61
Ihre Aussagen mir gegenüber haben genau das gleiche Niveau, mit dem Ideologen wie Roth auskommen müssen. Vielen Dank, dass sie sich zu erkennen gegeben haben!
Ob die Kirche betimmt welche Partei gewählt wird, hat nichts mit der Wahrheit oder Falschheit ihrer Lehrmeinung zu tun. Die Kirche muß sich zum Glück nicht nach den Wählerstimmen richten, sondern kann kraft der ihr zugrundeliegenden Ausrichtung auf Gott unabhäniger agieren als einer Partei das möglich ist. Darüber hinaus bin ich Ihrer Meinung, dass das Leben hart ist, denke aber, dass wir es durch eine Ausrichtung auf falsche Werte nicht noch unerträglicher gestalten müssen.
Im Feuilleton der heutigen Printausgabe ist ein herrlicher Kommentar von Hermann Unterstöger erschienen: "Verbaler Hammerwurf - Zum Zweikampf zwischen Claudia Roth und Bischof Mixa". Der ist Zwerchfelltraining für Geübte - und das in aller Früh!
Bitte, liebe SZ-Online-Redaktion, unbedingt auch hier veröffentlichen!!!
Warum entfernt man diesen menschen nicht aus seinem amt der hat ja wohl wirklich nichts da zu suchen.
@evahermanfanclub.foren-city.de: katholisch
Sie schrieben:
"Ich bin auch Katholik und freue mich, das mein Glaube von so mutigen und kein Blatt vor den Mund nehmenden Bischöfen vertreten wird, wie Dr. W. Mixa einer ist.
Mit sochen Menschen macht es Spass zu glauben und katholisch zu sein.
Was Frau Roth überhaupt will, verstehe ich sowieso nicht!"
Ich glaube gerne, dass sie nicht verstehen, was gewollt wird. Dazu braucht man
nämlich mehr als die drei aktiven Gehirnzellen, die ihre Atmung aufrechterhalten.
Wer traut sich diesem verwirrten, armen Bischöflein zu sagen, dass die Kirche
heutzutage nicht mehr bestimmt, welche Partei gewählt wird.
Sorry Mixa, Läbbe is hart.
Achtens: Zur glorifizierten Mutterrolle: Schauen Sie doch mal in die "gute alte Zeit": In den "besseren" Familien wurden die Kinder nicht von der Mutter, sondern von Ammen und Kindermädchen groß gezogen. Und das Volk? Selten, dass da mal eine Mutter nur ein Kind hatte. Meistens waren es fünf bis zehn oder mehr. Dazu noch ein Haushalt, der die heutigen Arbeitserleichterungen noch nicht einmal ahnen ließ und dazu vielleicht noch eine Landwirtschaft. Was meinen Sie, wie viel Aufmerksamkeit und Zuwendung hat da das einzelne Kind von seiner Mutter mitbekommen? Tatsache ist doch, dass auch hier schon eine Fremdbetreuung stattgefunden hat, und zwar meistens durch die älteren Geschwister.
Neuntens: Wir brauchen mehr und gute Krippenplätze, damit eine echte Wahlmöglichkeit besteht.
Und schließlich zehntens zu Ihrer Äußerung über die "gebärfreudigen Immigranten": Jetzt tut es mir gleich wieder Leid, dass ich mich überhaupt auf eine Diskussion mit Ihnen eingelassen habe. Bei so viel Voreingenommenheit nützen ja die besten Argumente nichts!
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