Von Nina Jauker

Führende Köpfe der SPD haben es abgelehnt, sich der Linkspartei zu öffnen. Es gelte, was vor der Wahl in Hessen gesagt wurde, so SPD-Vize Steinbrück. Auch Fraktionschef Struck warnte davor, abhängig "von diesen Leuten zu sein".

Führende SPD-Politiker sind auf Distanz zu Überlegungen gegangen, in Hessen Andrea Ypsilanti mit den Stimmen der Linken zur neuen SPD-Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Ablehnung signalisierten unter anderen der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Peter Struck, und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück.

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Eins, zwei, drei - so geht die Ampel. Kurt Beck bei seiner Rede in Hamburg - danach fielen die umstrittenen Worte zu Hessen. (© Foto: dpa)

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Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, wies Spekulationen zurück, nach denen SPD-Chef Kurt Beck Verständnis für eine Wahl der hessischen Spitzenkandidatin Ypsilanti mit Stimmen der Linken gezeigt hat.

Die Äußerungen, über die berichtet werde, seien nicht gefallen."Was hinter verschlossenen Türen gesprochen wurde, darüber können wir natürlich nichts sagen. Aber Kurt Beck hat immer erklärt, dass er Koalitionen mit der Linken im Westen ablehnt," sagte Kahrs zu sueddeutsche.de.

"Da Glaubwürdigkeit in der Politik ein hohes Gut ist, würde ein solcher Strategiewechsel einen Parteivorsitzenden sehr beschädigen. Deshalb muss man sich eher fragen, warum die hessische SPD ihm in dieser Frage so in den Rücken fällt."

Der Hamburger Bundestagsabgeordnete forderte auch im Hinblick auf die Wahl in Hamburg am Wochenende ein klärendes Wort von Andrea Ypsilanti: "Wenn eine Kandidatin während des Wahlkampfes in Hessen die durchgehende Solidarität der Partei und des Parteivorsitzenden Beck hatte und ihm dann in dieser Form in den Rücken fällt, dann muss sie dazu Stellung nehmen. Es ist jetzt Klarheit nötig in Hessen."

Warnungen von Struck

Auch von anderen prominenten Sozialdemokraten wurde eine Zusammenarbeit mit der Linken abgelehnt. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte dem Handelsblatt, wenn sich Ypsilanti von der Linken wählen lasse, "wäre sie abhängig von diesen Leuten". Die Linkspartei sei aber kein verlässlicher Partner. "Ich gehe von der Linie aus, die wir vereinbart haben", sagte Struck. "Es gibt die klare Erklärung von Ypsilanti: Wir wollen nicht auf die Stimmen der Linken angewiesen sein."

SPD-Vize Peer Steinbrück sagte im ZDF, es gelte, was Beck und Ypsilanti vor der Landtagswahl gesagt hätten. "Das war sehr eindeutig und gar nicht interpretationsfähig, und es bedeutet, dass es keine aktive Zusammenarbeit und keine Duldung jedweder Art gibt. Alles andere würde die Glaubwürdigkeit der SPD massiv beeinträchtigen."

Ähnlich äußerte er sich in der Süddeutschen Zeitung: "Ich habe keinen Zweifel daran, dass das, was Kurt Beck und Andrea Ypsilanti vor der Wahl gesagt haben, auch nach der Wahl gilt. Beide haben nachdrücklich zum Ausdruck gebracht, dass es weder eine Beteiligung der Linken an einer Regierung noch eine Duldung durch die Linken geben wird", so Steinbrück.

Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte in der ARD: "Es wird keine Koalition, keine Duldung und keine Absprachen mit der Linkspartei geben". Heil äußerte die Hoffnung, dass es doch noch gelingen werde, "eine sozial-liberal-ökologische Regierung" in Hessen mit FDP und Grünen zu bilden. Dies lehnt die FDP allerdings bislang ab.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Wend, sagte dem Hamburger Abendblatt: "Das Ganze ist der durchsichtige Versuch vieler, nicht zuletzt der CDU, vor der Hamburger Bürgerschaftswahl Unruhe in die SPD zu bringen und die Stimmung in der Bevölkerung zu beeinflussen."

SPD-Chef Kurt Beck hatte die Möglichkeit nicht völlig ausgeschlossen, dass sich die hessische SPD-Spitzenkandidatin mit Stimmen der Linkspartei zur Nachfolgerin von Roland Koch wählen lässt. Eine "aktive Zusammenarbeit" mit der Linkspartei werde es aber nicht geben, auch keine "Absprachen oder sonstige Vereinbarungen irgendwelcher Art, auch nicht über Tolerierung". Auf die Möglichkeit, dass sich Ypsilanti ohne Absprache von der Linken mitwählen lässt, war Beck am Donnerstag bei einem Besuch in München nicht eingegangen.

Die Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bund und in Hessen, Gregor Gysi und Willi van Oyen, versicherten derweil in der Frankfurter Rundschau, dass die Landtagsabgeordneten ihrer Partei Ypsilanti geschlossen wählen würden.

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(sueddeutsche.de/dpa/gdo/odg)