Streit um neue Geldscheine in Israel Kopf oder Qual

In Israel gibt es neue Geldscheine. Um Streit zu vermeiden, hatten die Zentralbanker diesmal keine Politiker auf die Noten gedruckt, sondern vermeintlich unverfängliche Dichter - und reißen einen alten innerjüdischen Graben auf.

Von Peter Münch

Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf, und Streit lauert an allen Ecken. Israels Zentralbanker hätten also gewarnt sein müssen, als sie ans Werk gingen, um neue Schekel-Scheine zu entwerfen. Vieles galt es zu bedenken: die Fälschungssicherheit, ein modernes Design und vor allem natürlich die Auswahl der richtigen Figuren.

Bislang zierten meist ehemalige Präsidenten oder Premierminister die Banknoten, aber da ist erfahrungsgemäß schwer ein Konsens zu finden zwischen Rechten und Linken. Deshalb fiel die Wahl nicht auf Politiker, sondern auf Poeten. Doch als das Kabinett nun die Einführung der neuen Scheine beschloss, die von Herbst 2013 an in Umlauf kommen sollen, da ist sogleich ein kapitaler Konflikt entbrannt. "Diskriminierung!", schallt es quer durchs Land.

Es geht um den uralten innerjüdischen Graben zwischen den Aschkenasim aus Mittel- und Osteuropa sowie den Sephardim, die aus Spanien stammen und nun zumeist den sogenannten Mizrachim zugeschlagen werden, die aus Nordafrika und dem Nahen Osten nach Israel eingewandert sind. Die Herkunft sagt bis heute viel über die gesellschaftliche Stellung. Traditionell ist Israels Elite aschkenasisch - und auch beim Geld trügt der Schein nicht. Die neue 20-Schekel-Note zeigt Rachel Bluwstein, der Fünfziger Saul Tchernichowski, der Hunderter Leah Goldberg und der 200-Schekel-Schein Nathan Alterman - und alle vier sind Aschkenasim.

Angeführt wird der Streit darüber, ob die Sephardim in Israel keinen Schekel wert sind, von der Schas-Partei. Sie vertritt die frommen und zumeist armen Mizrachim und hat es noch nicht verwunden, dass sie in diesem Frühjahr bei der Regierungsbildung ausgebootet wurde. Nun wettert ihr Anführer, die Auswahl sei "symptomatisch für die Art, wie die Behörden die mizrachische Bevölkerung behandeln". Er fordert dringlich die Aufnahme eines Dichters aus ihren Reihen in den Banknoten-Reigen.

Mit Blick auf sein Wahlvolk hat Premierminister Benjamin Netanjahu sofort ein Zugeständnis gemacht. Gleich beim nächsten Mal, so versprach er, soll ein sephardischer Dichter auf den Geldschein kommen, und vorgeschlagen hat er dafür Jehuda Halevi, der im 12. Jahrhundert in Spanien wirkte. "Seine Dichtung ist genial", schwärmt der Regierungschef. Doch sein Versprechen ist wohl das Papier nicht wert, auf dem der Schein gedruckt werden soll. Denn erstens wird es neue Banknoten frühestens in zehn Jahren geben, zweitens entscheidet über die Auswahl nicht der Premier, sondern der Zentralbank-Chef, und drittens weiß leider niemand, wie Jehuda Halevi eigentlich ausgesehen hat.

Der Streit ums neue israelische Geld dürfte also weitergehen - und wird überdies noch aus einer anderen Ecke befeuert. Issawi Freij, ein arabischer Knesset-Abgeordneter der linken Meretz-Partei, stellt die Frage, warum in den 65 Jahren seit der Staatsgründung noch nie ein israelischer Araber auf einem Geldschein erschienen ist. Schließlich stellen sie ein Fünftel der Bevölkerung, und überdies ist der Schekel auch das Zahlungsmittel der Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen - allem sonstigen Streit zum Trotz.