Streit um Mütter-Renten Warum die CDU ihren rebellischen Frauen danken sollte

Die CDU-Frauen zwingen ihrer Partei eine Diskussion über die Kindererziehungszeiten auf. Das ist gut so - auch weil es bei dem Streit um mehr geht.

Ein Kommentar von Robert Roßmann, Berlin

Parteien haben es nicht einfach. Wenn sie Konflikte offen austragen, wird ihnen Zerstrittenheit vorgeworfen. Wenn aber ein Generalsekretär um des lieben Friedens willen den Debatten-Töter gibt, heißt es, seine Partei sei ein langweiliger Vorsitzenden-Wahlverein. Was kann man da tun?

Nun: Parteien sollten die richtigen Konflikte offen austragen. Insofern müsste sich die CDU jetzt bei ihren rebellischen Frauen dafür bedanken, dass sie eine Debatte über Mütter-Renten auf dem Parteitag erzwungen haben. Denn bei dem Streit geht es nicht nur um eine bessere Anerkennung der Kindererziehungszeiten in der Rente - es geht auch um den zentralen Konflikt der kommenden Jahre: soziale Gerechtigkeit gegen Solidität.

Ja, es ist ungerecht, dass Millionen ältere Mütter 600 Euro Rente weniger je Kind und Jahr erhalten als jüngere. Wenn man überhaupt einen Unterschied machen wollte, müsste es genau andersrum sein. Schließlich haben ältere Mütter nicht von Elterngeld, Krippenplätzen und hohen Kindergeld-Zahlungen profitiert.

Aber es ist auch richtig, dass eine vollständige Angleichung der Erziehungszeiten weit mehr als zehn Milliarden Euro kosten würde. In Zeiten der Schuldenkrise ist das eine kaum hinnehmbare Summe. In der Debatte um die Mütter-Renten gibt es keine klare Antwort - und genau das macht sie so interessant. Gut, dass die CDU sie jetzt führt.