Nach unten treten, oben ranwanzen: Thilo Sarrazin soll beim Fastnachtsverein "Ranzengarde" eine Rede halten. Die Einladung ist ein Statement, aber sicher kein humoristisches.
Über den Karneval kann man kaum streiten; im Rheinland finden sie so etwas nun mal lustig, also sollen sie. Auch dass er mit seinen Ursprüngen nur noch wenig gemein hat, muss man nicht bekritteln: Erstens passiert das anderen Traditionen auch, zweitens wäre ein solches Gemeckere im Fall des Karnevals falsch.
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Seit der Buchautor und frühere Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin eingeladen wurde, bei einem Mainzer Fastnachtsverein eine Rede zu halten, gibt es heftiges Gezänk. (© AP)
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Er hat sich nämlich nicht bloß vom Ursprung entfernt. Er hat diesen ins Gegenteil verkehrt. Was im 19. Jahrhundert als witziger Protest gegen die Obrigkeit begann, ist längst ein Spektakel geworden, das stets die Gemeinsamkeit mit derselben sucht.
Das zeigt sich dieser Tage in Mainz, wo bei einem Fastnachtsverein namens "Ranzengarde" am Sonntag der bekannte Narr Thilo Sarrazin eine Rede halten soll.
Nachdem Grüne, Linke und ein paar Sozialinitiativen deshalb eine Demonstration vor dem Kurfürstlichen Schloss für notwendig halten, verteidigt die Garde ihren Gast: Sie sei einst als "Garant des freien Wortes gegen Obrigkeitsdenken" gegründet worden. Dieser Tradition sehe sie sich weiterhin verpflichtet.
Na ja. Jeder mag über Sarrazin und sein Buch denken, wie er will. Unstrittig aber dürfte sein, dass er es als Angehöriger der oberen Stände gegen die unteren geschrieben hat.
Die Einladung an ihn ist ein Statement, aber sicher kein humoristisches.
In Aachen wiederum verleihen sie in ein paar Wochen ihren Orden wider den tierischen Ernst. Nach Herrschaften wie dem Ministerpräsidenten Rüttgers und der Prinzessin Gloria ist nun der Freiherr zu Guttenberg an der Reihe.
Hier ehrt derselbe Verein, der 2010 den Straßenkarneval absagte, weil seinem Präsidenten die Lokalzeitung nicht genehm war. Nach unten treten, oben ranwanzen; auch das ist Karneval.
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(SZ vom 29.12.2010/dmo)
Bundespräsident Gauck
Sie unterstellen den Sarrazin-Gegnern "Hysterie statt Analyse". Ich kann mir eigentlich keinen hysterischeren Satz vorstellen als: "Deutschland schafft sich ab."
Sie meinen, die Lektüre von Sarrazins Bilanz in der FAZ lohne? Da haben Sie recht, erfährt man doch, dass der Mann nicht mehr zurechnungsfähig ist. Eine einzige Unverschämtheit voller Peinlichkeiten, Großmannssucht und Lügen (von wegen: niemand hätte ihn widerlegt. Sogar die selbst zitierten Wissenschaftler distanzieren sich von seinen Interpretationen).
Meinung sagen und Meinung aufzwingen sind unterschiedliche Dinge. Wenn Sie das nicht unterscheiden können, bitte. Auf jeden Fall sollte man Meinungen immer begründen. Sarrazin tut dies. Sollte man damit nicht einverstanden sein, können Sie ja Gegenargumente bringen.
Eines scheint mir übrigens kein durchdachtes Gegenargument zu sein: Sarrazin die Aussage zu unterstellen, "Türken" seien "alle doof".
Eben darin äußert sich in vielen Debatten das sogenannte Gutmenschentum: Nicht zuzuhören, sondern immer schon meinen zu wissen, was 'der Sarrazin da will', um dann verstandlos und hysterisch die Ausländer-, Eugenik- und noch weitere Keulen zu schwingen. "Hart aber fair" mit Plasberg hat das auch wunderbar geschafft: Hysterie statt Analyse.
Also: Zuhören und scharfsinnig Argumente austauschen - dann brauchen Sie auch keine Angst zu haben, es zwinge Ihnen jemand eine Meinung auf. Denn das ist und bleibt ja Ihre Entscheidung, ob und wem Sie zustimmen, oder?
In der FAZ vom 24.12. meldet sich Sarrazin übrigens noch einmal selber zu Wort und zieht Bilanz. Der Artikel lohnt sich!
Ja ist denn heute schon Weihnachten, dass ich jetzt schon von Foristen unterstützt werden, die eindeutig nicht meine Meiungen teilen?
Leider gibt es eine unheilige Allianz der moralisierenden Obrigkeit, die Sarrazin zum Abschuss freigegeben haben, und der hiesigen "Moderation", die jede Kritik daran gleich mit ungarischen Methoden außer Kraft setzt. Ich kann das bei aller gebotenen Zurückhaltung nur noch als "praktizierte Demokratieunfähigkeit" bezeichnen.
"Er mag außerdem über die Türken geschrieben haben, aber nicht gegen sie. Er hat allenfalls gegen die Gutmenschen Ihres Schlages geschrieben,"
Die einzigen die ich als "Gutmenschen" sehe, weil sie sich selbst außbahmslos immer im Recht und im Besitz der absoluten Wahrheit sehen, sind Leute wie Sarrazin und deren Anhängerschaft. "Gutmenschen" sind Leute die ständig meinen für "das Gute" bzw. "die Guten" per se zu stehen und genau das machen Sarrazin-Leute.
Sie bauen ein "Wir" und ein "Die" auf, wobei dass "Wir" immer außnahlmslos die "Guten" sind "Die" soweiso immer alles falsch machen.
So wie er als angeblicher "Held" für "Meinungsfreiheit" glorifiziert wird, wird er als "Führer" und "Retter" schlechthin dargestellt und es werden keine anderen Ansichten mehr zugelassen. Und die, die ihn hochhiefen sehen sich selbst in der Rolle der "Guten", den die "bösen Türken" bereiten ja den Untergang vor und verwenden als Phrase gegen andere Meinungen immer nur die "Gutmenschen"-Phrase, obschon sie selbst unlängst damit in die "Gutmenschen"-Falle hineingetappt sind. Aber sie sehen es nicht, weil sie blind für ihr eigenes arrogantes, selbstgerechtes Verhalten geworden sind.
Denn wer verhlt sich als wär er der "Gute" und wüsste damit genau wie andere zu Leben haben: Sarrazin.
Sarrazin versucht allen seine eigene Vorstellung von Leben aufzuzwingen: Frauen sollten am besten vor dem 30- Lebensjahr schanger werden, dann aber bitte nur Akademikerinnen uns sonst keiner mehr am besten, Türken sind alle doof, Ahrtz-VI-Empfänger sollen kalt duschen. Das sind Dogmen und Vorschriften von jemand der sich einbildet zu wissen wie alles "Gut" laufen kann (sonst geht ja vermeintlich alles unter) keinesfalls ein Plädoyer für "Meinungsfreiheit".
Pickelhaube liegt garantiert nicht auf meiner Wellenlänge, aber was Sie hier unter Zensur, oder wie Sie meinen Moderation, verstehen, passt wohl eher nach Ungarn oder China. Gehen Sie ruhig dorthin, da werden noch Führungskräfte gesucht.
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