Noch am Freitagabend schien der Streit um Irans Atomprogramm beendet, keine 24 Stunden später weigert sich Teheran plötzlich doch wieder die Urananreicherung völlig einzustellen. Die bisher betont sanftmütigen EU-Diplomaten verlieren die Lust am Katz-und-Maus-Spiel.

Informelle Gespräche zwischen EU-Vertretern und dem Iran über das umstrittene iranische Atomprogramm sind am Samstag ergebnislos abgebrochen worden. In den Diskussionen habe es keinerlei Fortschritte gegeben, sagte ein europäischer Diplomat in Wien.

Exil-Iraner demonstrieren in den USA für härtere Maßnahmen gegen das Regime in Teheran. (© Foto: AP)

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Teheran halte an seinem Recht fest, etwa 20 Zentrifugen weiter zu betreiben, betonte der iranische Außenminister Kamal Charrasi am Samstag und stellte damit einen scheinbar erreichten Kompromiss wieder in Frage.

Zentrifugen können zur Herstellung von angereichertem Uran verwendet werden, das sowohl in der zivilen Atomkraft als auch zum Bombenbau genutzt wird.

Nach Angaben aus Delegationskreisen in Wien hatten iranische Diplomaten am Freitagabend noch zugestimmt, auf den Betrieb aller Zentrifugen zur Urananreicherung zu verzichten. Die 20 umstrittenen Geräte sollen allerdings nicht von IAEA versiegelt, sondern mit Kameras überwacht werden.

Irans wertlose Versprechungen

Jetzt sei es Sache der Iraner, über ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Sollte die Aussetzung der iranischen Urananreicherung nicht bald festgestellt werden können, müssten "andere Saiten aufgezogen werden", warnte der Diplomat.

Dies könne bedeuten, dass der 35-köpfige Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebhörde (IAEA) bei seiner Sitzung am kommenden Montag eine von der EU unterstützte Resolution zum Iran nicht verabschieden könnte, was den Weg für eine wesentlich schärfere Entschließung freimachen würde.

Der britische Außenminister Jack Straw habe über Telefon mit dem iranischen Chefunterhändler Hassan Rowhani verhandelt, heißt es aus Diplomatenkreisen.

Die Europäer würden nicht von ihrer Forderung eines kompletten Stopps des iranischen Atomprogramms einschließlich der umstrittenen Zentrifugen abrücken, hieß es am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien.

Die Regierung in Teheran hatte sich am 7. November nach Verhandlungen mit der EU grundsätzlich dazu bereit erklärt, alle Schritte der Urananreicherung einzufrieren. Am Donnerstag erhob sie jedoch die Forderung, 20 Zentrifugen nicht auszumustern.

Nur Forschungszwecke?

Diese seien allein für Forschungszwecke vorgesehen und damit nicht von der Zusage erfasst, auf Urananreicherung zu verzichten. Die Sitzung des IAEA-Gouverneurrats in Wien, auf der auch ein möglicher Verweis des Streits an den Weltsicherheitsrat erörtert werden sollte, wurde am Freitag auf Montagnachmittag vertagt.

Dies sollte der iranischen Regierung Zeit geben, formell einen kompletten Stopp ihres Atomprogramms zu verkünden, der auch die umstrittenen 20 Zentrifugen beinhaltet. Der Iran hat erklärt, sein Atomprogramm ausschließlich zu friedlichen Zwecken nutzen zu wollen.

Vor allem die USA vermuten jedoch ein geheimes Waffenprogramm. Sie fordern die Einschaltung des UN-Sicherheitsrats.

Kurz vor der Zusage an die EU Anfang November soll der geistliche Führer Ayatollah Ali Chamenei nach einer Meldung des Magazins Der Spiegel noch den Bau eines geheimen Tunnels in unmittelbarer Nähe der Uran-Umwandlungsanlage Isfahan angeordnet haben.

Das Blatt bezog sich auf ein Geheimdienst-Dossier. In den unterirdischen Anlagen könnten der Meldung zufolge schon bald große Mengen Uranhexafluorid hergestellt werden, das als Grundstoff für die Urananreicherung gilt.

"Man sollte niemals die Schlaglraft der USA unterschätzen"

Der Iran hat nach eigenen Angaben sein Programm zur Unrananreicherung nach Verhandlungen mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien seit Montag ausgesetzt. Die drei EU-Staaten hatten dem Land im Gegenzug für die Verzichtserklärung Hilfe beim Ausbau der zivilen Atomkraft zugesagt.

General John Abizaid, der Chef des Zentralkommandos der US-Armee für den Nahen Osten, hat die iranische Regierung davor gewarnt, die militärische Macht der USA zu unterschätzen.

"Man sollte niemals die Schlagkraft der USA zu Wasser und in der Luft unterbewerten", antwortete Abizaid am Samstag in Doha auf die Frage eines AFP-Reporters, ob sein Land angesichts der massiven Truppenpräsenz im Irak noch Mittel hätte, einen Konflikt mit dem Iran auszutragen.

"Wir haben eine unglaubliche Macht", fügte er hinzu. Doha in Katar ist der Sitz der Centcom im Mittleren Osten. Der Iran hat nach eigenen Angaben sein Programm zur Unrananreicherung nach Verhandlungen mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien seit Montag ausgesetzt.

Teheran befürchtet mögliche Bombardements seiner Atomananlagen. Im vergangenen August hatte der iranische Verteidigungsminister gleichwohl erklärt, dass "Präventivschläge kein amerikanisches Monopol" seien.

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(dpa/AP/AFP)