Die Bundesregierung und der Bund der Vertriebenen stehen sich im Streit um Erika Steinbach starr gegenüber. Beim BdV wächst die Unsicherheit.
Die Bundesregierung und der Bund der Vertriebenen (BdV) sind in eine Situation geraten, in der sie sich komplett selbst blockieren. Während die Präsidentin des BdV, Erika Steinbach, auch am Wochenende darauf verwies, die Regierung möge im Streit um die Besetzung des Beirats der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" endlich zu einem Entschluss kommen, hieß es in Regierungskreisen, bevor sich der BdV nicht entschieden habe, ob er Steinbach für den noch offenen Sitz im Beirat nominiere, sehe die Regierung keinen Grund, selbst zu handeln. "Den Ball können wir noch ewig hin und her spielen", hieß es dazu am Sonntag in Koalitionskreisen.
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Die Präsidentin des Bunds der Vertriebenen, Erika Steinbach (© Foto: ddp)
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Damit ist die Debatte endgültig in jene Sackgasse geraten, die mancher in CDU und CSU wie auch im Bund der Vertriebenen von Anfang an fürchtete, als im Frühjahr 2008 die damalige Koalition aus Union und SPD beschloss, die Stiftung einzurichten. Zum Ja der bis dahin stets kritischen SPD gehörte seinerzeit die Vereinbarung, dass die beteiligten Organisationen und Verbände ihre Mitglieder für den Beirat selbst nominieren dürften, das Bundeskabinett diese aber abschließend ernenne. Damit verankerten die Sozialdemokraten von Anfang an ein Vetorecht. Und allen Beteiligten war klar, dass es dabei in erster Linie um Erika Steinbach selbst gehen würde.
Die Präsidentin der Vertriebenen würde sehr gerne in den Beirat. Die Stiftung gilt seit langem als ihr größtes politisches Ziel überhaupt, deswegen würde sie dieses Zentrum am liebsten auch selbst mitgestalten. Zugleich aber gilt sie für viele, vor allem in Polen, als problematisch, weil sie 1991 gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze gestimmt hatte. Entsprechend ablehnend hatte sich zuletzt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) bei seinem Antrittsbesuch in Warschau geäußert. Westerwelle drohte mit einem Veto im Kabinett, sollte der BdV Steinbach nominieren.
Immerhin ein klein wenig Entspannung trat am Sonntagnachmittag ein, als die FDP erstmals offiziell signalisierte, sie habe sich noch nie einem Gespräch verweigert. Vorausgegangen waren Berichte, wonach Steinbach Westerwelle schon vor Tagen zum neuen Amt gratuliert und dabei um ein Gespräch gebeten habe. "Ich rede mit jedem", hatte sie dazu am Wochenende erklärt. Wie aus der FDP zu hören ist, habe das Gesprächssignal an der grundsätzlichen Haltung jedoch nichts geändert.
Wie der Konflikt gelöst werden kann, blieb deshalb auch am Wochenende unklar. Zumal Steinbach mehrere Angebote der Regierung, einen Verzicht ihrerseits entweder mit einem anderen Amt oder mit zusätzlichen Mitteln für die Vertriebenen zu kompensieren, brüsk zurückgewiesen hat. In den Reihen der Vertriebenen wie für weite Teile in der Union ist die neuerliche Schärfe in dem Konflikt überraschend gekommen. Wie aus Reihen des Vertriebenenbundes zu hören ist, hatte die polnische Seite bei Westerwelles Antrittsbesuch vor einigen Wochen eine derart klare Stellungnahme gegen Steinbach offenbar keineswegs eingefordert. Umso überraschender sei man auch in Warschau über Westerwelles scharfe Äußerungen gewesen.
Dem amtierenden Premierminister Donald Tusk, so heißt es aus diplomatischen Kreisen, könne an einer neuerlichen Aufladung des Konflikts um Steinbach kaum gelegen sein, weil diese Debatte stets nur den Konservativen in Polen in die Hände spiele.
Zugleich freilich wächst nun offenbar auch in den Reihen der Vertriebenen die Unsicherheit. So gibt es manche, die für einen klugen Kompromiss und einen Verzicht Steinbachs plädieren. Andere wie der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt erklären dagegen, dass Steinbach unverzichtbar sei aus Sicht des Bundes der Vertriebenen.
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(SZ vom 23.11.2009)
Bundespräsident Gauck
Die Eskalation um Frau Steinbach sollte nicht entschärft werden.
Ich bin Sudetendeutsche, also Vertriebene, und eigentlich sehr stolz auf das, was meine Familie nach dem Krieg wieder aufgebaut hat.
Bei den Diskussionen darum, welche Forderungen wir überhaupt an Migranten stellen dürfen, hätte ich gern auf diese Integrationsleistungen - als Basis - hingewiesen, aber der schlechte Ruf, der durch die Aktivitäten des BdV, besonders durch die von Frau Steinbach, seit Jahren erzeugt wurde, hielt mich davon ab!
Dass dieser Verband seiner wichtigsten Aufgabe - das Leiden und die Integrationsleistung von Millionen Deutschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder flüchten mussten, der Öffentlichkeit so zu präsentieren, dass dies nicht nur einerseits zu einer späten Anerkennung geführt hätte, sondern andererseits auch als Grundlage für die heutige Integration von Menschen die nicht nur aus vielen Ländern, sondern auch aus unterschiedlichsten Motiven zu uns gekommen sind dienen könnte, nicht geleistet hat, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass zwar Blaschek (NRW), aber nicht die Bundeskanzlerin auf diese Integrationsleistung verwiesen hat.
Meine Eltern haben damals eine Mitgliedschaft abgelehnt, da sie die Versprechungen des BdV den Vertriebenen zu helfen, wieder in ihre alte Heimat zurückkehren zu können angesichts des verlorenen Kriegs als absurd ansahen.
Ich habe nun einmal in der Verwandtschaft gefragt, wer den Mitglied sei keiner! - wirklich keiner!
Ich denke, dass man diesen Verband einmal überprüfe sollte, der sich als Sprachrohr der Flüchtlinge und Vertriebene bezeichnet!
Wie viele Flüchtlinge und Vertriebene gibt es noch?
Wie viele Mitglieder hat dieser Verband denn eigentlich?
In welcher Relation steht die Anzahl der Flüchtlinge und Vertriebenen zu der Anzahl der Mitglieder des BdVs?
Maryan
Zitat GeorgFS: "Den Bund der Vertriebenen als Hort von Widerständlern gegen den Naziterror deuten zu wollen ist infam."
Das hat sie vermutlich bei Koch (jüdische Vermächtnisse) und Oettinger (Filbinger = Widerstandskämpfer) gelernt.
Haarsträubend ist es, das die Regierung angeblich Geld oder sonstige Zugeständnisse an den BdV gemacht haben soll. Wenn Frau Steinbach untragbar ist, dann sollte sie nicht in den Vorstand, das muß nicht noch mit meinen Steuergeldern vergoldet werden. Unmöglich. Ich hoffe, Herr Westerwelle bleibt hart.
.... auch wenn das Vielen sehr weh dort tut. Viele historische Details (Juden-Pogrome) kenne ich, aber ich nenne sie hier jetzt lieber mal nicht, weil das die alten Wunden nur immer wieder neu aufreißt.
Aber es ist an der Zeit nun auch in Polen langsam mal - 64 Jahre nach Kriegsende und 70 Jahre nach dem Hit.ler-Stalin-Pakt und dem Kriegsbeginn und 69 Jahre nach Katyn - an die eigene Geschichte hier heranzugehen.
Polen litt nicht nur unter Deutschland ....... und es hat selber ja auch vertrieben unter anderem.
Die deutsche Schuld aber ist deswegen nicht kleiner geworden, wenn auch in Polen über eigene Schuld gesprochen wird.
selbstaendig
Im In- und Ausland stösst die Vertreibung auf zunehmendes Interesse. Nach Jahrzehnten des Desinteresses beschäftigen sich auch Zeithistoriker damit. Das Münchner Institut für Zeitgeschichte unterstützt die Arbeit von Frau Steinbach. Selbst amerikanische Zeitungen berichten in den letzten Tagen, ohne Schaum vorm Mund.
Vor der Wahl zeigten auch FDP Politiker grosses Interesse. Der BDV VIze Schläger ist SPD Politiker.
Frau Steinbach ist ein gewaltiger Störfaktor in der Versöhnungsarbeit zwischen den Nachbarstaaten Deutschland und Polen, die traumatische geschichtliche Tragödien aufzuarbeiten haben, die vom N.a.z.i.regime angerichtet wurden.
Sie sollte endlich zur Kenntnis nehmen, dass ihre Personalie in Polen aufgrund ihrer politischen Ansichten höchstes Unbehagen auslöst. Und der BdV sollte auch einsehen, dass man mit einer solchen Vorsitzenden zum Außenseiter wird....
Paging