Streit um die Tötung Osama bin Ladens Bush, Bin Laden und der Pakt mit Pakistan

Alles nur Theater? Die Pakistaner geben sich empört, dass US-Spezialeinheiten ohne ihr Einverständnis Osama bin Laden in Abbottabad töteten. Die britische Zeitung "Guardian" berichtet, dass die Amerikaner seit zehn Jahren dazu durchaus befugt waren - und wieder zuschlagen dürften. Pakistans Ex-Präsident Musharraf widerspricht.

Von Michael König

Osama bin Laden ist seit mehr als einer Woche tot, doch noch immer fallen ranghohen US-Beamten spannende Details zu der Kommandoaktion ein. Unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet jetzt die New York Times, die Verfolger des Terroristen hätten sich notfalls den Weg aus Pakistan freischießen dürfen. US-Präsident Barack Obama sei zu einer militärischen Konfrontation bereit gewesen, für den Fall, dass die Spezialeinheit bei ihrem Einsatz in Pakistan angegriffen worden wäre.

Doch dazu kam es nicht. Die Pakistaner hielten still, obwohl der Einsatz unweit einer Militärakademie stattfand. Inmitten einer Stadt, die von vielen ehemaligen Offizieren als Altersruhesitz genutzt wird. Und der offenkundig so laut war, dass er selbst beim Online-Kurznachrichtendienst Twitter Erwähnung fand: Ein Nachbar berichtete live von gewaltigen Explosionen.

Die Pakistaner schossen nicht, sie klagten lediglich über die Verletzung ihrer Souveränität. Die Amerikaner flogen unbehelligt ein und aus. Es klang nach einer perfekten Mission, gewissermaßen hinter feindlichen Linien. Doch wenn man dem Guardian glauben darf, erfüllten beide Seiten damit bloß einen Vertrag.

Ein geheimer Deal habe den Amerikanern erlaubt, Osama bin Laden ohne Rücksicht auf Hoheitsrechte in Pakistan zu fangen oder zu töten, berichtet die renommierte Londoner Tageszeitung in ihrer Online-Ausgabe. Darauf hätten sich vor etwa zehn Jahren der damalige US-Präsident George W. Bush und der damalige pakistanische Machthaber, General Pervez Musharraf, geeinigt - kurz nachdem Bin Laden die Flucht aus der von den USA bombardierten Felsenfestung Tora Bora in Afghanistan gelungen sei.

"Es gab eine Vereinbarung zwischen Bush und Musharraf, die besagte, dass wir uns Osama holen könnten", zitiert die Zeitung einen ehemaligen US-Beamten, der mit Anti-Terror-Operationen betraut gewesen sein soll. "Die Pakistaner würden Zeter und Mordio schreien, aber sie würden uns nicht stoppen."

Musharraf bestreitet das allerdings. Ein solches Abkommen sei weder unterzeichnet noch mündlich festgehalten worden, sagte sein Sprecher am Dienstagabend.

Der Guardian hatte weiter berichtet, dass ein ähnliches Abkommen für den mutmaßlichen Nachfolger Bin Ladens an der Spitze von al-Qaida, Aiman al-Zawahiri, gelte sowie für eine namentlich nicht genannte Nummer drei des Terrornetzwerks. Die Vereinbarung sei 2008 von der pakistanischen Armeeführung erneuert worden, in einer für das Land heiklen Phase: Zu jener Zeit sollte die Macht von Musharraf auf eine demokratisch gewählte Regierung übergehen.

Obama gedenkt der Opfer Bin Ladens

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