Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering kritisiert Parteichef Kurt Beck. In einem internen Papier äußert er sich auch zum Kanzlerkandidaten der Partei für 2009. Peter Struck geht sogar einen Schritt weiter: Frank-Walter Steinmeier sei auch "geeignet", meint der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering hat einem Magazinbericht zufolge seine Partei vor einem Linksruck gewarnt und den Kurs seines Nachfolgers Kurt Beck gegenüber der Linkspartei kritisiert.

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Da war Müntefering noch Arbeitsminister: Bei einer Konferenz der SPD-West in Bonn im März 2007 blicken er und Kurt Beck schon in unterschiedliche Richtungen. (© Archivfoto: dpa)

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"Der Fehler ist gemacht" , zitierte der Spiegel laut Vorabbericht vom Samstag aus einem internen Strategiepapier Münteferings. Nun müsse der Schaden begrenzt werden, kommentierte Müntefering demnach Becks Linie, zunächst Bündnisse mit der Linkspartei auszuschließen und sie dann doch zuzulassen.

"Nach diesem Vorlauf kann es keine optimale Lösung geben. Der Zeitpunkt der Debatteneröffnung macht die Sache noch fataler." In dem Papier, das er der SPD-Spitze Ende Februar übermittelt haben soll, warne Müntefering eindringlich vor einem Linksruck und vor einer Abkehr von der Agenda 2010, heißt es in dem Bericht.

Müntefering rät seiner Partei, für die Bundestagswahl 2009 eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei auszuschließen. Dies müsse sich auch "in den Personalentscheidungen der SPD klar abzeichnen", äußerte Müntefering. Insbesondere diese Bemerkung Münteferings kann als Abrücken von Kurt Beck interpretiert werden, dessen Spitzenkandidatur bisher in der SPD zumindest offiziell als ausgemacht galt.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hatte in der SPD einen Kurswechsel eingeleitet, indem er nach der Hessen-Wahl den Landesverbänden freie Hand für eine Kooperation mit der Linkspartei gegeben hatte. Als Kritiker dieser Öffnung gelten mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück auch zwei Stellvertreter Becks in seinem Parteiamt.

Struck: Steinmeier guter Kanzlerkandidat

Unterdessen bringt der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck in der Kanzlerkandidatenfrage einen neuen Namen ins Spiel: Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte Struck: "Ich halte Frank-Walter Steinmeier für geeignet, Kanzlerkandidat zu sein."

Struck bekräftigte jedoch seine Position, dass Beck nach wie vor selbst den ersten Zugriff auf die Kandidatur habe. " Der Parteivorsitzende ist der natürliche Kanzlerkandidat." Die SPD werde sich Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres auf einen Kandidaten festlegen. Beck werde seine Entscheidung davon abhängig machen", mit wem die SPD zu diesem Zeitpunkt die größten Chancen hat."

Nach Steinmeier zählt Struck auch Finanzminister Peer Steinbrück zu den möglichen Kandidaten. Beck habe beide nicht ohne Grund zu seinen Stellvertretern gemacht. Weitere Kanzlerkandidaten nannte Struck nicht.

Auf die Frage, ob er Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit etwa aus Versehen unerwähnt gelassen habe, antwortete Struck: "Nein. Nicht aus Versehen."

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(AP/dpa/Reuters/gdo/maru)