Wann immer es geht, prangert die Linke Hartz IV an. Doch eine hessische Abgeordnete stellte Mitarbeiter zu Mini-Verdiensten ein - und sorgt damit für parteiinternen Zoff.
In der hessischen Linkspartei ist erheblicher Unmut über die parlamentarische Geschäftsführerin der mittlerweile aufgelösten Landtagsfraktion, Marjana Schott, entstanden.
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Vier Mitarbeiter statt einen: Marjana Schott teilte das Gehalt aus einer Stelle auf - und empörte damit die eigene Fraktion (© Foto: ddp)
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Grund dafür sind die Bedingungen, zu denen sie mehrere Wahlkreismitarbeiter beschäftigt hat: Nach Informationen der SZ hat Schott mit dem ihr für die Besetzung einer Stelle zur Verfügung stehenden Geld vier Mitarbeiter gleichzeitig beschäftigt.
Dadurch erhielten drei der Mitarbeiter so wenig Geld, dass mindestens einer von ihnen zusätzlich Hartz IV beziehen musste. Dieser Zustand wird nun beendet; die drei Mitarbeiter werden von anderen Landtagsabgeordneten auf der Basis von halben Stellen eingestellt. Laut Linken-Landeschef Ulrich Wilken wird dafür kein Geld der Fraktion verwendet, stattdessen bezahlen Schott und zwei andere Abgeordnete die Mitarbeiter von sofort an aus eigenen Mitteln. Gleichwohl gibt es Kritik an Schotts Vorgehen.
Formal ist die Praxis nicht zu beanstanden: Jedem Landtagsabgeordneten steht ein Betrag von 3088 Euro im Monat zur Verfügung, um Mitarbeiter zu beschäftigen. Wie die Parlamentarier mit dem Geld verfahren und wie viele Mitarbeiter sie einstellen, bleibt ihnen überlassen.
Nach Angaben der Linkspartei hatte Schott das Geld und die zu leistenden 38,5 Stunden pro Woche in vier Teile geteilt. Einer ihrer Mitarbeiter arbeitete auf Basis einer halben Stelle, die anderen drei jeweils auf Basis einer Sechstelstelle. Diese verdienten somit 514 Euro im Monat und arbeiteten dafür offiziell 6,4 Stunden in der Woche. Einer der drei bestätigte auf Anfrage, zusätzlich Hartz IV zu beziehen; die beiden anderen wollten sich hierzu nicht äußern. Schott verweigerte ebenfalls eine Stellungnahme.
"Prekäre Beschäftigungsverhältnisse"
Von innerparteilicher Brisanz ist der Fall wegen der politischen Programmatik der Linken. Deren Landesvorsitzende Ulrike Eifler sagte der SZ, sie sei "ziemlich empört" gewesen, als sie von den Beschäftigungsverhältnissen erfahren habe - schließlich gehöre der Widerstand gegen die Agenda 2010 zu den "Gründungsgedanken" der Linken.
"Was Marjana Schott da geschaffen hat, sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse", sagte sie. Es dürfe aber "keinen Widerspruch zwischen dem eigenen politischen Anspruch und dem Handeln in der Praxis bestehen".
Dabei gehe es nicht darum, dass die Mitarbeiter den vollen Stundenlohn erhalten hätten. "Es geht vielmehr um die Frage, ob man von seiner Arbeit leben kann, unabhängig vom Stundenlohn." Dies sei nicht der Fall gewesen. Sie begrüße es aber, "dass die Fraktion sich sofort davon distanziert hat".
Wilken teilte Eiflers Bewertung, nach der "diese Beschäftigungsverhältnisse unserer Programmatik widersprechen, weil die Menschen nicht von ihrer Arbeit leben konnten". Dies aber sei bis vor kurzem nicht bekannt gewesen, weshalb in der Fraktion Unmut entstanden sei. "Als wir den Missstand erkannt haben, haben wir sofort alles getan, um das Problem zu lösen."
Er widersprach Eiflers Bewertung, dass es sich um "prekäre Beschäftigungsverhältnisse" handele: Die Mitarbeiter hätten schließlich nur einen geringen Teil ihrer Zeit für Schott gearbeitet. Das Verhältnis zwischen Wilken und Eifler gilt seit längerem als gespannt; zudem haben Teile der Linken-Basis in der jüngeren Vergangenheit mehrmals Unmut über die Fraktion geäußert.
Zur Begründung des nun aufgelösten Stellen-Konstruktes erklärte Wilken, Schott habe als nordhessische Abgeordnete eine "riesige Fläche" zu betreuen und Mitarbeiter aus mehreren Kreisverbänden einbinden wollen. Dies sei "auf ausdrücklichen Wunsch der Kreisverbände und der Betroffenen" geschehen. Alle vier sollen laut Wilken weiter in Schotts Wahlkreisbüro in Kassel arbeiten.
Die Nuba: Leni Riefenstahls Bilder machten sie einst bekannt. Heute sucht das Volk aus Sudan Schutz in Höhlen und Felsspalten – vor den Bomben des Regimes in Khartum. Ein Frontbericht. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 11.12.2008/cgu)
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Wenn jemand mit mit 6,4 Std Arbeit pro Woche 514 EUR verdient, ist das doch schoen fuer ihn (ich wuerde das sofort machen!). Dass er davon nicht leben kann, ist klar, aber wer kann schon mit so wenig Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen.
Wie man innerparteilichen Knatsch sooooo bloed Partei-schaedigend austragen kann, ist mir unverstaendlich, dass die rechte Presse sich darauf stuerzt, weniger.
Da geben Leute einem Schüler 1 mal die Woche 2 Std. Nachhilfe und bekommen dafür im Monat 120 Euro Arbeitslohn. Wie sollen die davon leben können?
Da bringen Leute ihr Auto einen Vormittag in die Werkstatt und bezahlen 150 Euro Arbeitslohn. Wie soll denn die Werkstatt davon leben können?
Da bringen Leute ihre Steuerunterlagen 1 mal im Monat zum Steuerberater und bezahlen 200 Euro Arbeitslohn an den Steuerberater. Ja, wie soll denn da ein Steuerberater davon leben? Absolut prekär.
Die Vorwürfe sind doch absurd. Wer mit 15% seiner verfügbaren und zumutbaren Wochenarbeitszeit (40 Std) 500 Euro im Monat verdient ist doch nicht prekär beschäftigt. 2 weitere solche Jobs und der hat mit 18 Std. Arbeit in der Woche 1500 Euro im Monat. Davon können viele nur träumen. Wenn die Leute für die 500 Euro 30-40 Std. in der Woche buckeln müssten wär die Kritik völlig berechtigt, aber so ist sie absurd.
...wenn eine Abgeordnete einer Partei die fordert, dass man von seiner Arbeit leben können muss und Armut bekämpfen will, Personen einstellt, die sie íhr Gehalt vom Staat noch aufstocken müssen, ist das einfach ein nicht hinnehmbarer Widerspruch und zeigt, dass es alles schöne Forderungen sind, mit denen man auf Wählerfang geht aber, dass die Realität ganz anders aussieht.
Daher kommt es überhaupt nicht darauf an, dass es ein überdurchschnittlicher Stundenlohn ist, denn die Linke kritisiert jedes "ausbeuterisches" Unternehmen, dass eben keinen Lohn zahlt von dem man leben kann und die Verantwortung für die Person auf den Staat übertragt, um mehr Gewinn einzufahren.
Warum hat die Abgeordnete Schott also nicht einfach eine Person Vollzeit eingestellt und diese Person somit aus Hartz IV herausgeholt ?
Zudem ist zu bedenken, dass die Abgeordnetengehälter schon vom Steuerzahler finanziert werden, warum soll jetzt also auch noch der Steuerzahler dafür aufkommen, dass Frau Schott nicht bereit ist einen oder auch zwei anständige Löhne zu zahlen ?
Und zu Allerletzt stellt sich die Frage, ob die betreffenden Personen wirklich nur die 6,5 Stunden pro Woche arbeiten oder dies nur der Vertrag aussagt.
Was soll bei dem genannten Stundenlohn , der sich aus Entgelt 500 bei 6 Wochenstunden ergibt, zu beanstanden sein ? Es ist fast exakt der Stundenlohn den ein Beamter als Amtsrat in Besoldungsgruppe A 12 bekommt ( immhin Ende des gehobenen Dienstes bzw. Einstieg höherer Dienst und Akademikerlaufbahnen ).
500 Euro / Monat für rd. 6 Std. Arbeit die Woche sind doch ein ordentliches Zubrot und jedenfalls meilenweit von den Ausbeutungsverhältnissen entfernt, die für die gleichen 500 Euronen eine volle 40-Stunden-Arbeitswoche verlangen. Aber getreu nach dem Motto "Haltet den Dieb" können die echten Ausbeuter mal hier fix mit dem Finger auf andere zeigen und von sich selbst ablenken. Ich finde die ganze Aufregung hier ziemlich künstlich!
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