Präsident Bush bezahlt in Afghanistan die Zerstörung der Mohnernte. Dies hilft al-Qaida und den Taliban, aber es schadet den Nato-Truppen und der afghanischen Bevölkerung.
"Ich bin doch selbst ein Zerstäuber" - dies sagte Präsident Bush zu Regierungsvertretern und amerikanischen Drogenbekämpfern während seiner Reise im Jahr 2006 nach Afghanistan. Er wiederholte dies, als der afghanische Präsident Hamid Karsai im August vergangenen Jahres nach Camp David kam. Bush wollte damit zum Ausdruck bringen, dass er die Vernichtung von afghanischen Mohnfeldern aus der Luft befürwortete; 90 Prozent des Heroins auf der Welt stammen von dort.
Richard Holbrooke, ehemaliger Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen (© Foto: AP)
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Seine Bemerkungen waren, obwohl sie so gedankenlos daherkamen, definitiv nicht als Witz gemeint. Und sie liefern auch einen Teil der Erklärung, weshalb das US-Drogenkämpfungsprogramm in Afghanistan so spektakulär scheitert. Karsai sowie viele Mitglieder der internationalen Gemeinschaft in Kabul haben Bush gewarnt, dass Sprühangriffe aus der Luft einen Rückschlag sowohl für die dortige Regierung als auch für die Amerikaner bedeuten würden - dass sie bloß den Taliban bei der Rekrutierung helfen, zur Reduzierung des Drogenhandels aber nichts beitragen würden. Es handelt sich hier um kein Thema am Rande: Falls dieses Programm weiterhin scheitert, wird Erfolg in Afghanistan unmöglich sein.
Zum Glück war Bush bisher nicht in der Lage, andere Länder oder Karsai von Sprühangriffen zu überzeugen - obwohl er dabei energisch vom amerikanischen Botschafter William Wood unterstützt wird, der schon auf seiner vorherigen Station, in Kolumbien, ein enthusiastischer Verfechter dieser Methode war. Wood, in Kabul oft "Chemie-Bill" genannt, hat - nach Angaben aus zwei Quellen - hochrangigen Afghanen sogar mit der Kürzung von Wiederaufbaumitteln gedroht, sollte seine Linie nicht befolgt werden.
Ineffizientestes Programm
Aber auch ohne Sprühangriffe aus der Luft handelt es sich bei dem Programm, das im Jahr rund eine Milliarde Euro kostet, um das ineffizienteste in der Geschichte amerikanischer Außenpolitik. Es ist nicht bloß Geldverschwendung. Es stärkt zudem sowohl die Taliban als auch al-Qaida als auch kriminelle Elemente in Afghanistan.
Nach Angaben des Büros für Drogenkontrolle und Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen ist die Fläche, auf der in dem Land Opium angebaut wird, zwischen 2006 und 2007 von 165.000 auf 193.000 Hektar gestiegen. Der Ertrag ist ebenfalls gewachsen - von 6100 auf 8200 Tonnen. Könnte ein Programm noch weniger erfolgreich sein?
Es zerstört die Ernte in unsicheren Gebieten, vor allem im Süden, wo die Taliban am stärksten sind. Es drängt Bauern, die keine andere Möglichkeit haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, in die Arme der Taliban - ohne aber die Summe des produzierten Opiums zu reduzieren. Zugleich werden viel zu geringe Anstrengungen gegen die Drogenbarone und hochrangigen Regierungs-Offiziellen unternommen, die im Zentrum des gewaltigen Drogenhandels in Afghanistan stehen.
Hier werden so viele Drogen produziert, wie es dies in einem einzigen Land seit dem China des 19. Jahrhunderts nicht mehr gegeben hat. In Dollar beträgt deren Wert rund 50 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsprodukts. Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Opiumproduktion und Sicherheit. In relativ sicheren Gegenden ist die Produktion zwar gesunken. Aber entlang der pakistanischen Grenze im unsicheren Süden steigt sie auf rund 80 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Ernte.
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New Yorker Bürgermeister will Soft-Drinks verbieten