Straftaten während des Bosnien-Krieges UN-Tribunal verurteilt Karadzic-Vertraute zu je 22 Jahren Haft

Das Tribunal für Ex-Jugoslawien hat den ehemaligen bosnisch-serbischen Innenminister und seinen Polizeichef wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu jeweils 22 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die serbischen Lager Omarska und Keraterm sind Symbole für unvorstellbare Schrecken im Bosnien-Krieg: Mord, Folter, Massenvergewaltigungen. Dafür müssen ein serbischer Ex-Minister und sein Polizeichef nun ins Gefängnis.

Das Tribunal für Ex-Jugoslawien hat den ehemaligen bosnisch-serbischen Innenminister und seinen Polizeichef wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu jeweils 22 Jahren Gefängnis verurteilt. Mico Stanisic (58) und Stojan Zupljanin (61) seien schuldig des Massenmordes, der Folter, Vertreibung und Verfolgung von Kroaten und Muslimen während des Bosnien-Krieges 1992, urteilten die Richter in Den Haag.

Stanisic und Zupljanin waren Vertraute des ehemaligen Serbenführers Radovan Karadzic, dem zurzeit in Den Haag der Prozess gemacht wird. Sie hätten einen "entscheidenden Beitrag" zu den Verbrechen serbischer Sicherheitskräfte geleistet, sagte der Vorsitzende Richter Burton Hall. "Sie haben sie dazu ermutigt und unterstützt." Dafür verhängte das Tribunal die verhältnismäßig hohe Haftstrafe.

Im Zentrum der Anklage standen etwa 50 Schreckenslager der Serben wie Omarska, Keraterm und Trnopolje. Dort wurden Tausende nicht-serbische Männer, Frauen und Kinder Opfer beispielloser Grausamkeit. Männer wurden massenweise exekutiert, Frauen systematisch vergewaltigt.

"Kriminelle Vereinigung" um Ex-Serbenführer Karadzic

Die Angeklagten gehörten dem UN-Gericht zufolge einer "kriminellen Vereinigung" um Ex-Serbenführer Karadzic an. Diese verfolgte eine "weit verbreitete und systematische Kampagne von Terror und Gewalt", sagte Richter Hall. Zehntausende wurden vertrieben und verfolgt. "Das Ziel war die Errichtung eines serbischen Staates, so ethnisch rein wie möglich."

Der Ex-Polizeichef Zupljanin bekreuzigte sich mehrfach bei der Verkündung des Urteils, sein Gesicht halb verborgen von einem dicken nach oben gezwirbelten Schnurrbart. Der ehemalige Innenminister Stanisic wankte leicht. Er hatte sich 2005 dem Tribunal gestellt. Sein Polizeichef war drei Jahre später festgenommen und von Serbien ausgeliefert worden. Seit Beginn ihres Prozesses 2009 hatten beide ihre Unschuld beteuert.

Das UN-Tribunal verurteilte bisher 69 Personen für schwere Kriegsverbrechen meist zu mehrjährigen Gefängnisstrafen, 18 wurden freigesprochen. Zurzeit laufen noch 25 Verfahren, darunter auch gegen den Ex-General Ratko Mladic. Der Prozess gegen den ehemaligen serbisch-jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milosevic wurde nicht beendet. Er starb 2006 in seiner Zelle in Den Haag.