Von Ein Kommentar von Bernd Oswald

Edmund Stoiber bleibt sich auch im Rücktritt treu: Er zögert, aktiv in die Nachfolgeregelung einzugreifen.

Der Führungsstreit der CSU hatte fast selbstzerstörerische Züge angenommen. Vollkommen außer Kontrolle geriet er am Donnerstagvormittag, als Meldungen nach draußen drangen, dass sich Beckstein und Huber Stoibers Ämter als Ministerpräsident und CSU-Chef teilen wollen.

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Der gefallene CSU-Superstar hat viel zu lange gebraucht, um in seinem Innersten zu akzeptieren, dass seine Zeit vorbei ist. Jetzt hat er mit seinem Rücktritt auf Termin das Heft in die Hand genommen und zumindest das Gezerre um seine Person beendet.

Das gilt nicht für die Nachfolge-Debatte: Bei der Verkündung seiner Demission sagte der Noch-Ministerpräsident und Noch-Parteivorsitzende kein Wort dazu, ob er seine Ämter tatsächlich an Huber und Beckstein übergeben will. Stoiber blieb sich treu, hat er es doch auch bisher tunlichst vermieden, einen Kronprinzen aufzubauen.

Die Absprache zwischen Huber und Beckstein ist Realität, aber noch keineswegs Konsens in der Partei. Horst Seehofer wird wohl auch Ansprüche auf den CSU-Vorsitz anmelden. Da ist Ärger programmiert.

Den Christsozialen bliebe ein kolossaler Flurschaden erspart, wenn Stoiber diesen Konflikt souverän regeln würde. Auch für die Stabilität der Bundesregierung wäre das wünschenswert - denn außer der Opposition kann niemand ein Interesse daran haben, dass die CSU-Führungskrise sich auf Merkels Kabinett ausweitet.

Edmund Stoiber hat jetzt die Chance, seiner Partei, die ihm viel zu verdanken hat, einen letzten Gefallen tun. Er sollte sie nutzen.

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(sueddeutsche.de)