Unmittelbar nachdem er seinen Rückzug aus der Politik angekündigt hatte, traf Edmund Stoiber die Frau, die die Personaldiskussion richtig angeheizt hatte. Von Gram war nicht mehr viel zu spüren.
Gabriele Pauli hat ihr Ziel erreicht. CSU-Chef und Ministerpräsident Edmund Stoiber hat seinen Rücktritt angekündigt, ganz wie es sich die Fürther Landrätin wünschte - und das nur rund eine Stunde bevor das mit Spannung erwartete Treffen zwischen Stoiber und seiner schärfsten Kritikerin am Donnerstagnachmittag in München stattfand.
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Doch wie eine Siegerin präsentiert sich die 49-Jährige im Anschluss den Journalisten nicht. Vielmehr wirkt sie angespannt - wohl wissend, dass ihr in der Entwicklung um Stoiber nach Ansicht vieler die ambivalente Rolle als "Königsmörderin" zufällt.
Keine Freude, sondern Betroffenheit
Als solche sieht sie sich selbstverständlich nicht. Zwar habe sie die Diskussion entfacht. Allerdings: "Ich habe nur das ausgesprochen, was viele in der Fraktion denken." Und schließlich könne nur "etwas ins Rollen kommen, wenn die Steine schon locker sind".
Jetzt - nach dem Gespräch mit Stoiber - gibt sie sich entspannt, ihren Streit mit Edmund Stoiber sieht sie als beendet an. Kein Wunder, denn der Noch-CSU-Chef scheint ihr sehr entgegen gekommen zu sein: Stoiber habe laut Pauli seine Bereitschaft erklärt, die so genannte Bespitzelungsaffäre um seinen inzwischen abgelösten Bürochef Michael Höhenberger - wenn nötig - disziplinarrechtlich aufzuarbeiten, lässt Pauli wissen. Ihm sei sehr an Aufklärung gelegen.
Pauli beschuldigt Höhenberger, in ihrem Privatleben nach kompromittierenden Informationen gesucht zu haben.
Die Landrätin sagt, dass auch ihre Kritik an Stoibers Verhalten seit der Bundestagswahl 2005 besprochen worden. Der Ministerpräsident habe ihr zugestimmt, dass sein überraschender Verzicht auf ein Ministeramt in der Bundesregierung bei den Bürgern in Bayern und an der CSU-Basis nicht gut angekommen sei. Er habe hierdurch einen Vertrauensverlust erlitten.
Dennoch empfindet Pauli keinen persönlichen Triumph, wie sie beteuert. Sie habe auf der Fahrt nach München im Radio von Stoibers Rücktritt gehört, erzählt sie auf der eigens von ihr selbst einberufenen Pressekonferenz. Die Nachricht habe sie überrascht, und "keine Freude ausgelöst, sondern auch Betroffenheit". Schön sei, dass in der CSU "wieder offen diskutiert" werde. Nun sei aber auch wieder Geschlossenheit nötig.
Beharrlich betont Pauli, wie wichtig es sei, die Basis stärker mit einzubeziehen. So dringt sie auch weiter auf eine Mitgliederbefragung vor der Festlegung des Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten - auch wenn der Anwärter Günther Beckstein heißt, ihr Wunschkandidat.
Nur Landrätin bleiben oder doch mehr werden?
Immer wieder scheint Nervosität durch, als Pauli, umringt von einem Journalistenpulk, im blauen Kostüm Frage um Frage beantwortet.
Doch sie wirkt auch ein wenig geschmeichelt, vor allem, als immer wieder Fragen nach ihren politischen Ambitionen kommen. Die beantwortet sie eher ausweichend. "Ich will meine Position als Landrätin behalten." Dafür werde sie 2008 wieder kandidieren.
Ansonsten will sie erst einmal abwarten, "wie sich die Dinge entwickeln. "Es waren spannende Wochen, aber jetzt kommen noch spannendere", prophezeit Pauli.
(Sandra Tjong, dpa)
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