Das American Jewish Committee und die Heinrich-Böll-Stiftung fordern die deutsche Öffentlichkeit zu einem verstärkten Austausch mit Israel auf.
Berlin - Das American Jewish Committee (AJC) und die Heinrich-Böll-Stiftung haben vor einer wachsenden Akzeptanz des Antisemitismus in Deutschland gewarnt: Nach Angaben des AJC ist die Zahl antisemitischer Delikte in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Antisemitismus sei nicht nur ein Problem an "politischen Rändern", so die Stiftung. (© Foto: ap)
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Wie Ralf Fücks, Vorstand der Stiftung, am Mittwoch in Berlin sagte, tritt dieses Problem nicht nur an den "politischen Rändern" in Erscheinung. Antisemitismus sei auch "in der deutschen Mehrheitsgesellschaft tief verwurzelt". Unter anderem würde "eine überzogene Kritik an Israel" diese Tendenz verstärken.
In einem gemeinsamen Papier forderten beide Organisationen deshalb die demokratischen Parteien auf, antisemitischen Ressentiments vehement entgegenzutreten. Sie plädierten außerdem dafür, den politischen und gesellschaftlichen Austausch zwischen Israel und Deutschland weiter auszubauen.
"Kritik an der israelischen Regierung ist legitim und kann sogar im Interesse Israels notwendig sein", sagte Fücks. Wenn jedoch das Existenzrecht Israels als jüdischer Staat bestritten oder die israelische Besatzungspolitik gar in die Tradition nationalsozialistischer Vertreibungs- und Vernichtungspolitik gestellt werde, sei die Grenze zum Antisemitismus überschritten.
Fücks kritisierte ferner das Konzept für eine zentrale Gedenkstätte für Deutsche, die nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden. Das berechtigte Interesse, an die deutschen Leiden zu erinnern, könne sich so ins Gegenteil verkehren und zu einer "verdeckten Gleichsetzung" sowie zu einer Relativierung des Holocaust führen.
Das Verhältnis von Ursache und Wirkung dürfe nicht aus dem Blick geraten. Er sprach sich deshalb für ein europäisches, dezentrales Gedenkstättennetz aus. Wichtig sei, den historischen Kontext deutlich zu machen.
AJC-Geschäftsführerin Deidre Berger und Fücks warnten außerdem davor, antisemitische Tendenzen unter Migranten zu bagatellisieren. Da soziale Diskriminierung jene Ressentiments fördere, plädierten beide für eine wirksamere Integrationspolitik. Sie forderten ferner dazu auf, Propaganda gegen Juden im Internet stärker zu bekämpfen, um so einer "Globalisierung des Antisemitismus" entgegenzuwirken.
(Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr.167, Donnerstag, den 22. Juli 2004 , Seite 5)
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