Unser gesamtes monatliches Einkommen haben wir - rein rechnerisch natürlich - bis gestern an die Staatskasse gezahlt. Nun ist das Jahr zu 51,02 Prozent vorüber - was genau der Einkommensbelastungsquote entspricht. Das heißt: Ab sofort können wir alles Geld, das wir bekommen, behalten. Rein rechnerisch natürlich.
Alles Geld, das wir bislang in diesem Jahr verdient haben, war für die Staatskasse - was wir ab heute bekommen, können wir behalten - so etwa kann man sich die Bedeutung des Steuerzahler-Gedenktags vorstellen, der nach Berechnungen des Bundes der Steuerzahler BdSt dieses Jahr auf den 5. Juli fällt.
Anzeige
Demnach wurde das gesamte Einkommen, das die Steuer- und Beitragszahler zuvor erwirtschaftet haben, an die Staatskasse gezahlt.
Grundlage für die Berechnung des BdSt ist die volkswirtschaftliche Einkommensbelastungsquote, die besagt, wie viel der Fiskus vom Einkommen der Bürger und der Betriebe über Steuern und Sozialabgaben zunächst einbehält.
In diesem Jahr sind das 51,02 Prozent. Seit dem heutigen Tag, exakt seit 5.35 Uhr, wirtschaften wir demnach in die eigene Tasche.
Spitzenbelastung im Jahr 2000
Anhand des Gedenktags lässt sich dem BdSt zufolge die Entwicklung der Belastung über die letzten Jahrzehnte nachvollziehen.
So war der Gedenktag letztes Jahr ebenfalls auf den 5. Juli gefallen - die Steuerbelastung von 51,5 Prozent hatte ziemlich genau der derzeit erwarteten Belastung von 2006 entsprochen.
Vor 15 Jahren jedoch konnten die Bürger den Gedenktag nach Berechnungen des BdST dank einer Quote von 49,7 Prozent bereits am 30 Juni feiern. Und 1960 war es bereits am 1. Juni soweit. Lediglich 41,5 Prozent ihres Einkommens mussten Bürger und Betriebe damals abgeben.
Zwar ist die Einkommensquote in den letzten Jahren wieder gesunken - gegenüber dem bisherigen Höchstwert von 56,3 Prozent im Jahre 2000 um 5,3 Prozentpunkte - doch "wir haben keinen Grund, Entwarnung zu geben", meint Steuerzahlerpräsident Karl Heinz Däke. "Im Gegenteil: Die Große Koalition treibt die Steuer- und Beitragsbelastung deutlich weiter nach oben."
Vorletzter im internationalen Vergleich
Die Maßnahmen der Regierung wie Mehrwertsteuererhöhung, Abbau von Steuervergünstigungen, Beitragserhöhungen für Renten- und Krankenversicherung werden nach Einschätzung des BdSt die Quote im nächsten Jahr wieder ansteigen lassen.
Demnach werden wir 2007 den Steuerzahlergedenktag erst später im Jahr feiern können. Der BdSt fordert jedoch, dass es zu einer Quote kommen muss, die uns den Gedenktag wieder zu einem deutlich früheren Zeitpunkt feiern lässt.
Vergleicht man die Zahlungen deutscher Bürger an den Fiskus mit denjenigen von Steuerzahlern im Ausland, so schneidet Deutschland schlecht ab. So hat eine internationale OECD-Studie für das Jahr 2005 gezeigt, dass die Belastungen etwa eines ledigen Arbeitnehmers ohne Kinder nur in Belgien noch höher sind als in Deutschland.
(sueddeutsche.de)