Die SPD bastelt an Hartz IV, die Koalition an Entlastungen für die Mittelschicht. Doch ihre Steuerreform ist nur ein Anfang - der zu spät kommen könnte.
Sie wollten irgendwie durchkommen, leise bleiben, Ruhe bewahren und keinen aufschrecken. Deshalb hatten sich Union und FDP vor Monaten still darauf verständigt, bis zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen keine großen Themen mehr anzupacken. Zu groß war die Sorge, an Rhein und Ruhr zu polarisieren. Also hieß die Losung: einschläfern statt aufwecken. Man kann sagen, dass die schwarz-gelbe Koalition ihre eigene "ruhige Hand" erfunden hatte.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (© Foto: ddp)
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Doch damit scheint es vorbei zu sein. Unter dem Eindruck sinkender Umfragewerte und einer immer schlechteren Ausgangslage will das Bündnis wieder in die Offensive kommen. Dazu muss es tun, was es längst hätte tun müssen: handeln. Zu groß ist seit langem die Diskrepanz zwischen dem, was angesichts gigantischer Schulden und gigantischer Wirtschaftskrise nötig wäre - und dem, was Schwarz-Gelb darauf an Antworten bietet.
Gute Politik besteht nicht nur aus Durchwursteln; gute Politik besteht auch aus einem Bekenntnis. Die Sozialdemokraten versuchen das mit ihren Umbauplänen für die Hartz-IV-Regeln. Die Koalition antwortet mit der Botschaft, sie wolle die Mittelschicht weiter entlasten. So etwas hat es lange nicht mehr gegeben: Die Wähler in Nordrhein-Westfalen können zwischen echten Alternativen entscheiden. Wie gut sich schlechte Umfragen manchmal doch auswirken.
Dabei sind die Pläne, die kalte Progression im Steuerrecht weiter abzuschmelzen, nicht mehr als ein Anfang. Und sie sind ein Anfang, der zu spät kommen könnte. Sollte Schwarz-Gelb in Nordrhein-Westfalen verlieren, hat Schwarz-Gelb in Berlin nicht mal mehr die Macht, über die kalte Progression allein zu entscheiden.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 18.03.2010/dgr)
Und noch ein Wort zu den Sozialleistungen, die ja praktisch alle direkt in den Konsum von Waren und Dienstleistungen der heimischen Wirtschaft einfließen. Im Gegensatz zu den Milliarden und Abermilliarden, welche die Macher einstreifen:
Würden alle Sozialleistungen des Staates an den Normalbürger wegfallen, was ja die Macher und ihre(!) Politiker anscheinend am liebsten hätten, würde die Binnenwirtschaft SOFORT tot umfallen. Von einem Tag auf den anderen! Das sollen die Macher und ihre Politiker einmal vorrechnen, dass das nicht der Fall wäre.
...ebenfalls die Selbstmordtendenzen der Staaten und Wirtschaften unterstützen.
Abgesehen von den Milliarden und Abermilliarden an Hilfen und Subventionen, welche dem Kreis der Macher und Absahner aus den völlig leeren Staatskassen zugeführt werden (also von diesen als zusätzliche neue Riesenschulden aufgenommen werden müssen), schreiben die Großpleitiers und Großversager auch noch Milliarden und Abermilliarden als Verluste ab. Was ebenfalls den Staatskassen auf den Kopf fällt.
Dann gibt es noch Steuergeschenke der Politiker bzw. der Staatskassen in unglaublicher Höhe von Milliarden und Abermilliarden für die Reichsten und jene, die es von allen am wenigsten bräuchten. Vor allem für jene, deren einzige Leistung darin besteht, viel Geld zu besitzen oder sich möglichst viel Geld unter den Nagel gerissen zu haben.
Dann muss der Staat auch noch zusätzlich die Macher unterstützen, indem er die von diesen Typen abgebauten Arbeitskräften - was nicht selten sogar bei guter oder bester Gewinnlage passiert - als Frühpensionisten oder Arbeitslose übernehmen muss. Sogar wenn die Macher einmal einen kleinen Auftragsknick haben, muss der Staat um Milliarden und Abermilliarden die vorübergehend nicht benötigten Arbeitskräfte zwischenparken.
Wobei jene, die mit einem Geldregen der Staaten zugeschüttet werden (insbesondere im Bereich der Finanzwirtschaft), keineswegs dafür sorgen, dass das den Wirtschaften zugute kommt, indem dieser auch die erforderliche Anzahl von Käufer bzw. Konsumenten gegenübersteht.
Im Gegenteil, die Unsummen (Billionen), die im Finanzmarkt kreisen, werden hauptsächlich für Geschäfte verwendet, die den Wirtschaftsbetrieben überhaupt nichts bringen. Höchstens den Großaktionären und Zockern. In sehr vielen Fällen werden sogar Länder und Wirtschaften durch diese unsittlichen Geschäfte in die Enge getrieben, wenn nicht sogar umgebracht.
Der Binnenmarkt wird auch noch systematisch dadurch umgebracht, dass die Macher und ihre Politiker dafür sorgen, dass Löhne, Gehälter und Pensionen immer geringer werden. Und was die Gruselgeschichten über Betriebsabwanderungen betrifft: Abgesehen davon, dass die Hochlohnländer noch immer führend bei den Verdiensten für die unersättlichen Absahner sind (sonst wären sowieso schon alle Milliardäre und Millionäre außer Landes), würde ich schon gerne wissen, wie Konsumenten mit niedrigen Löhnen und Zulagen und in Hungerlohnländer à la longue die Waren der Macher um jene Preise kaufen könnten, die sie mit
18.03.2010 12:25:18
@ HoChiMinh:
danke fürs Wörterbuch zum praktischen Gebrauch
"Sinnieren = steuerfinanzierte Unternehmensverbandsöffentlichkeitsarbeit mit Hilfe pseudowissenschaftlicher Scheinlegitimation
Merkeln = Fertigkeit der Nullausage auf Basis des nivilierten Mittelwerts der veröffentlichten Meinung
Guidonieren = Sprechblasenkombinationskunst mit klassenclownesker Wortwitzwürzung"
das Nomen fällt schon mal unters Fallbeil der SZ
So meine Lieben - ich hab uns mal ein Wörterbuch für den praktischen Gebrauch zusammengestellt:
Sinnieren = steuerfinanzierte Unternehmensverbandsöffentlichkeitsarbeit mit Hilfe pseudowissenschaftlicher Scheinlegitimation
Merkeln = Fertigkeit der Nullausage auf Basis des nivilierten Mittelwerts der veröffentlichten Meinung
Guidonieren = Sprechblasenkombinationskunst mit klassenclownesker Wortwitzwürzung
Es manifestiert sich in der zittrigen Hand: Rein in die vorgezogenen Steuersenkungskartoffeln - raus aus den Steuersenkungskartoffeln.
Sie beeindruckt - diese Handlungs-/Wandlungsfähigkeit unserer Bundesregierenden.
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