In Zeiten der Krise sollen Wohlhabende höhere Abgaben zahlen, fordern die SPD-Granden Nahles und Böhrnsen - Kanzlerin Merkel wiegelt ab und spricht von "Neiddiskussionen".

Die SPD will die Reichen in Deutschland für die finanziellen Folgen der Wirtschaftskrise zur Kasse bitten. "Alle Sozialdemokraten sind sich absolut darin einig, dass sich die Wohlhabenden und Vermögenden an der Finanzierung der Folgen der Krise beteiligen müssen", sagte Parteivize Andrea Nahles in einem Interview mit dem Internetportal der Zeit.

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Zählt zum linken Flügel der SPD: Andrea Nahles (© Foto: AP)

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Im Gespräch sei, den Spitzensteuersatz zu erhöhen oder die Reichensteuer anzuheben. Auch gebe es Überlegungen für eine zweckgebundene Sonderabgabe zugunsten der Bildung. Konkrete Vorschläge würden im Bundestagswahlprogramm festgelegt.

Nahles sagte, bei der Forderung nach höheren Abgaben für Reiche gebe es keinen Dissens mit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Im Grundsatz bestehe Einigkeit. "Ich würde sagen, der hat vielleicht mehr Bauchschmerzen mit dem Zeitpunkt und der Art der Debatte als mit dem Inhalt", sagte sie mit Blick auf ihren Parteigenossen.

Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) plädierte neben einem höheren Spitzensteuersatz für die Einführung einer Börsenumsatzsteuer.

Böhrnsen sagte der Welt, in Zeiten wie diesen müssten Spitzenverdiener wieder stärker belastet werden. Der Staat müsse die hohen Schulden durch die Konjunkturpakete wieder zurückzahlen. Dies gelinge nicht allein, indem Ausgaben reduziert würden. "Es ist daher zwingend, über die Einnahmeseite zu reden."

Breite Schultern müssten mehr tragen als bislang. Auch durch eine Börsenumsatzsteuer könnten diejenigen an der Finanzierung des Staates beteiligt werden, die sich dies leisten könnten, sagte Böhrnsen.

Merkel will nicht über Steuererhöhungen sprechen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete es dagegen als verfehlt, in der gegenwärtigen Krise von Steuererhöhungen zu sprechen. "Es ist falsch, jetzt irgendwelche Neiddiskussionen zu machen", sagte sie in ihrer Aschermittwochsrede.

Die SPD wollte bereits einen höheren Spitzensteuersatz im zweiten Konjunkturpaket der großen Koalition verankern, war damit aber am Widerstand der Union gescheitert.

Die Pläne sahen vor, für Spitzenverdiener den Steuersatz auf 47,5 Prozent von 45 Prozent zu erhöhen und diesen bereits für Ledige ab 125.000 Euro und Verheiratete ab 250.000 Euro Jahreseinkommen anzuwenden. Bisher gilt der Spitzensatz bei doppelt so hohem Einkommen.

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(Reuters/odg/gal)