Steuerbetrug Anklage gegen Geheimagent Werner Mauss

Werner Mauss nennt sich selbst "erster deutscher Undercoveragent".

(Foto: Ulrich Baumgarten/Getty Images)

In seinem Milieu gilt Mauss als Legende. Jetzt wirft ihm die Staatsanwaltschaft Steuerbetrug in Millionenhöhe vor. Er beteuert seine Unschuld - aber einiges bleibt geheimnisvoll.

Von Hans Leyendecker und Georg Mascolo, Bochum

Der Jurist Markus van den Hövel ist seit 2007 Vorsitzender Richter der 2. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bochum, aber auch abseits der Gerichtssäle gilt er als Kapazität. Der 53-Jährige kennt sich mit Geheimnissen aus. Er hat Werke über das "Grabtuch von Turin" und das "Schleiertuch von Manopello" geschrieben. Da geht es um einige der Mysterien der katholischen Kirche.

Seit einer kurzen Weile beschäftigen sich Richter van den Hövel und seine Kollegen in der Strafkammer mit einer der mysteriösesten Figuren der Republik: mit dem Privatagenten Werner Mauss. Sein Fall bekam das Aktenzeichen 2 KLS 8/16.

Ein Geheimnistuer, um den immer Geheimnisse gemacht werden. Auf Anfrage erklärt das Gericht ("in Absprache mit der Staatsanwaltschaft"), bei dem Angeschuldigten, dem das Aktenzeichen zuzurechnen sei, handele es sich um einen "76-jährigen Mann aus Rheinland-Pfalz, der jahrelang für deutsche Behörden tätig war". Da hätten sie auch gleich Mauss sagen können. Dem Mann aus Rheinland-Pfalz würden, so ein Sprecher des Gerichts, in zwölf Fällen Hinterziehung von Steuern vorgeworfen. Es gehe um einen angeblichen Schaden "im mehrfachen Millionenbereich". Eine nicht ganz greifbare Größe. Ziemlich genau aber stehen nach Recherchen von SZ, NDR und WDR rund 15 Millionen Euro im Feuer.

Mann im Schatten

Der 76-jährige Schattenmann, der sich selbst als "erster deutscher Undercoveragent" bezeichnet, hat für den Bundesnachrichtendienst, den Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt gearbeitet. Er war in Skandale verwickelt und nach eigener Zählung an der Festnahme von mehr als 2000 Gesetzesbrechern beteiligt. Viele von ihnen kamen ins Gefängnis. Das könnte, angesichts der Höhe der angeblichen Hinterziehung, jetzt auch Mauss drohen - falls sich die Sicht der Strafverfolger auf den Fall als richtig erweisen sollte.

So weit ist es aber noch lange nicht. Erst am 9. Juni hat die Wirtschaftsstrafkammer die Anklage bekommen. Die Erklärungsfrist für die Anwälte von Mauss beträgt vier Wochen. Das ist knapp. Ein bisschen wird es also noch dauern, aber Insider gehen davon aus, dass noch in diesem Monat die Anklage zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet werden wird. Aber bis zu einem Urteil kann es dauern. Es ist wieder mal ein Fall, in dem die Wuppertaler Steuerfahndung eine wichtige Rolle spielt. Das ist jene Fahndung, welche die Steuerfesten in Liechtenstein und in der Schweiz ins Wanken gebracht hat.

Vor vier Jahren hatte Nordrhein-Westfalen eine CD mit Stiftungen der UBS-Bank gekauft, und bei den Ermittlungen stießen die Steuerfahnder auch auf Mauss. Es gab Stiftungen mit Namen, die nach einer Weile dem Phantom zugeordnet werden konnten. Sie liefen nicht unter seinem Namen, sondern unter Tarnnamen, die mit Mauss in Verbindung gebracht werden können. So nannte er sich beispielsweise gern Claus Möllner. Die fremden Namen nutzt er, wie er sagt, "aus zwingenden Sicherheitsgründen". Aber natürlich wolle er sich damit nicht "etwaiger steuerlicher Verpflichtung entziehen".

"Ich bin meinen Steuerpflichten immer nachgekommen", hat er im Mai an Eides statt erklärt. In den vergangenen Wochen ließ Mauss seinen Anwalt erklären: "Zu keinem Zeitpunkt hat Herr Mauss Steuern hinterzogen." Das sehen Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft anders. Grob skizziert sieht der Konflikt so aus: Nach Meinung der Ermittler sind ihm aus vielen Töpfen, auf die sie durch die UBS-Ermittlungen stießen, 15 Millionen Euro zuzurechnen. Mauss erklärt, er sei nicht der wirtschaftlich Berechtigte. Er habe das Geld treuhänderisch verwaltet. Für Regierungen oder Dienste, wenn er wieder mal gegen "Tod und Teufel" (Mauss) in der Welt im Einsatz war. Die Ermittler sehen das anders. Es sei nicht nachvollziehbar, dass beispielsweise Dienste jemandem so viel Geld überlassen würden. Auch in diesem speziellen Metier sei das nicht üblich.

Panama Papers: Mauss hatte zwölf Briefkastenfirmen

Bei den Ermittlungen gingen die Fahnder auch Spuren in Panama nach, wo er Immobilien besitzt. Ausweislich der Panama Papers hatte Mauss - wie berichtet - mindestens zwölf Briefkastenfirmen, die bei dem Dienstleister Mossack Fonseca geführt wurden. Über eine Kanzlei ließ er mitteilen, dass lediglich zwei der Briefkastenfirmen Kontenverbindungen zu Banken gehabt hätten. Die zuständige Finanzbehörde sei "laufend unterrichtet" gewesen. Es gebe "nicht ansatzweise den Verdacht", dass das Bochumer Verfahren mit ehemaligen oder aktuellen Offshore-Firmen von Mauss "in einem Zusammenhang" stehe. "Reservehaltungen" würden einem "strikten Geheimhaltungsbedürfnis" unterliegen; "sie können daher nicht in mein tatsächlich existentes Vermögen überhaupt einbezogen werden", hat er auch erklärt. Manchmal kommt Mauss bei alledem selbst durcheinander, welche Firma von ihm wie genutzt wurde und bis wann.

Manches mag er nicht sagen, weil es sich, so seine Formel, im "geheim zu haltenden Bereich" abgespielt habe. Geheimnis! Das wird, falls es zum Prozess kommt, den Richter van den Hövel sehr interessieren.

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