Er gilt als "ehrlicher Makler" und hat die Agenda 2010 gemeinsam mit Altkanzler Schröder ausgearbeitet. Nun bietet sich Frank-Walter Steinmeier - mittlerweile Außenminister - als Versöhner im SPD-Streit an. Damit riskiert er sein eigenes Profil.
Wenn's eng wird in einem politischen Konflikt, dann meldet sich irgendwann die Stimme der Vernunft. Im Fall des Streits in der SPD über die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes reklamiert nun offenbar Frank-Walter Steinmeier, der Außenminister und Kandidat für das Amt eines Vize-Parteivorsitzenden, diese Stimme für sich.
Anzeige
Mit einer bemerkenswerten Portion Pathos hat sich Steinmeier am Dienstag, nach mehr als einer Woche nichtssagender Kurzstatements, in einem Interview zu Wort gemeldet und sich öffentlich als Brückenbauer zwischen Parteichef Kurt Beck und Vizekanzler Franz Müntefering angedient. Auch in der Sache selbst hat Steinmeier dabei Position bezogen - und zwar mit einem eindeutigen "Sowohl-als-auch".
Der Bild-Zeitung ist zu entnehmen, dass Steinmeier einerseits die Haltung Münteferings teilt, es solle kein Zurück in der Reformpolitik geben. "Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, als würde es mit der SPD einen Aufbruch zu alten Ufern gebe", sagte Steinmeier.
Andererseits könne er den Weg von Kurt Beck, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für Ältere zu verlängern, auch mitgehen - vorausgesetzt, sie werde "in den richtigen Zusammenhang gesetzt". Der besteht für Steinmeier darin, der Finanzierung von Arbeit weiter Priorität vor der Finanzierung von Arbeitslosigkeit zu geben. Das kann in der SPD im Prinzip jeder unterschreiben, auch wenn jeder etwas anderes damit meint. Trotzdem soll daraus nun ein Vorschlag werden, "der die SPD insgesamt stärkt".
In gewisser Weise ist Steinmeier für einen solchen Job durchaus prädestiniert. Sechs Jahre lang hat er in der rot-grünen Regierung als Chef des Kanzleramts von Gerhard Schröder die meiste Zeit Konflikte moderiert: zwischen den Koalitionsparteien, zwischen den SPD-Ressorts und wo es sonst noch krachte.
Ruf des ehrlichen Maklers
In dieser Zeit hat sich Steinmeier laut Urteil vieler Beteiligter einen untadeligen Ruf als ehrlicher Makler erworben, der, wie es Fraktionschef Peter Struck einmal formulierte, "nie jemanden beschissen hat". Wer wäre besser geeignet, zwischen Beck und Müntefering zu vermitteln? Faktisch bietet Steinmeier nun an, noch einmal in die alte Rolle zu schlüpfen - der ewige Kanzleramtsminister.
Allerdings war Steinmeier auch maßgeblich an der nun so umstrittenen Agenda 2010 beteiligt. Deshalb leidet sein Plädoyer für einen fairen Ausgleich auch am Verdacht, dass sich da einer gehörig auf die Zunge beißt, um nicht auszusprechen, was er wirklich denkt. Immerhin hat Steinmeier erst vor wenigen Wochen mit Finanzminister Peer Steinbrück und Ex-Parteichef Matthias Platzeck ein glasklares schriftliches Bekenntnis zur Fortsetzung der Agenda 2010 vorgelegt. Von einer Verlängerung des Arbeitslosengeldes war da nirgends die Rede.
Ein Motiv für Steinmeiers Mediatoren-Kurs liegt auf der Hand: Schon wegen seiner Afghanistan-Politik steht der Außenminister unter Druck. Der SPD-Parteitag soll seiner Forderung zustimmen, für die Bundeswehr auch das umstrittene Anti-Terror-Mandat Enduring Freedom zu verlängern. Das wird schwer genug.
Böte er den Delegierten nun noch eine zweite offene Flanke, könnte dem Parteivize-Kandidaten ein unerfreuliches Ergebnis drohen. Steinmeier kann nun darauf spekulieren, für seine Rolle als selbsternannter Friedensstifter von der SPD belohnt zu werden - muss aber gleichzeitig in Kauf nehmen, dann neben Andrea Nahles und Peer Steinbrück der stellvertretende Parteichef mit dem verwaschensten politischen Profil zu sein.
(SZ vom 10.10.2007)
Szene München
gibt es per Naturgesetz nicht. Vor allem nicht in der Politik.
Wie wäre es denn, wenn z.B. so ein renommiertes Blatt wie die SZ einfach mal die Wahrheit schreiben täte, offen und direkt?
Bei Steinmeier würde dann folgendes stehen:
- Opportunist
- Sozialkahlschläger
- Kriegstreiber
- Betrüger
- Lügner
- nicht für jegliches politische Amt geeignet.
Aber sich dann nicht vor das LG Hamburg zerren lassen, sondern auf einem unabhängigen und vor allem unvoreingenommenen Gerichtsstand bestehen!
Das geht aber sehr rasch mit dem Vergessen bei der SZ.
Da avanciert dann schon mal so ein Lump wie Steinmeier zum "ehrlicher Makler".
An die Folterflüge und an den Fall Kurnaz möchte sich jetzt vor den Wahlen lieber keiner mehr erinnern.
Nein, das Spiel ist aus für die sPD.
Es gibt derzeit keine unglaubwürdigere Partei auf dem politischen Parkett, als die sPD.
Das wissen auch die Wähler und ehemaligen sPD-Mitglieder. Aber man denkt halt immernoch, man kann die Menschen beliebig für dumm verkaufen.
Welch Weise Worte: "In gewisser Weise ist Steinmeier für einen solchen Job durchaus prädestiniert."
Ja, sicher. Und warum nicht gleich Gerhard Schröder selbst - als Moderator. Das wär doch mal was: Schröder und Fischer "vermitteln zwischen Links und Mitte". Hochachtungsvoll vorgestellt als "Architekten der Agenda 2010". Die Helden des großen Projektes: Reform" -
Das da meint: Sozialkahlschlag, Massenentlassungen und zugleich steuerlich geförderte Prämien für die Aktionäre und das Management. Umverteilungspolitik vom feinsten: "Gebt denen, die haben. Sind ja genug da, die immer weniger haben. Lassen wir die Sau des Kapitals doch mal schön von der Leine. Muss sich auch mal auslaufen, das kleine Menschenfresserding."
Die "neue Sozialdemokratie" muss KOMPROMISSE machen! - an DIE LINKE (in der SPD versteht sich). "Na Herje - Wo komme 'mer denn da hin?!" Ein solch gewaltiger Schritt hin zum "DEMOKRATISCHEN SOZIALISMUS"! - (bis zu 6 Monate länger gezahltes ALG I, evtl. sogar weitere Abmilderungen).
...Verwirklicht als kleine Beigabe zum "RAUBTIER oder besser FINANZMARTKAPITALISMUS" den uns Rot-Grün im Zuge der Abwicklung der (national dominierten) "SOZIALEN MARkTWIRTSCHAFT" geschänkt hat.
Diejenigen, die den Regimewechsel in der SPD durchgepaukt haben, fürchten nun die Rache der Basis. Hoffentlich fürchten sie zurecht. Dann hätte der oft lächerliche Symbolismus, den die Medien in diesen Streit hineinlegen doch noch etwas gutes für sich.
Hoffentlich kommen sie nicht davon indem sie immer wieder laut: WACHSTUM schreien. Denn, wie jeder kundige "Wirtschaftsfachmann" weiß, ist das Anziehen der Weltkonjunktur direkt auf die Kürzung der Sozialleistungen in Deutschland zurückzuführen. Hartz-Gesetzen sei Dank hält der Boom in China an - und die äußerst exportlastige deutsche ökonomie profitiert von der Expansion des Handels mit den Schwellenländern, den USA und anderen EU-Staaten.
Sämtliche Leitartikel zeigen uns: Die Früchte des Reform-Baumes. Wir laben uns an ihnen. Und diese finstren Altlinken - sie wollen alles zerstören.
So musses es wohl sein.
"MODERATION"
Die Symptome sind eindeutig:
- zweideutige Formulierungen
- Position beziehen mit "sowohl als auch" Formulierungen
- wattebauschige Verständnisfähigkeit für Nichts und Alles
- Friedensstifter sein wollen und Krieg spielen
- altmodische Scheitelfrisur
Diagnose: Merkelitis im Endstadium - leider unheilbar
Wäre ja peinlich, ein SPD-Minister unterliegt im kommendanen Bundestagswahlkampf seinem Wahlkreiskonkurrenten von der Linken.
Früher sagte man doch zu solchen Charakteren Opportunist, oder?
Paging