Von Th. Denkler, Berlin

Die erste Biographie über Guido Westerwelle zeigt ihn als gnadenlosen Selbstdarsteller. Und doch kann Frank Steinmeier ihn sich als Minister vorstellen.

Also, es gibt Neuigkeiten aus Berlin: Über Guido Westerwelle ist die erste Biographie erschienen - die erste von wahrscheinlich vielen, die noch folgen werden. Und tatsächlich stehen in dem Druckwerk Dinge, die dem FDP-Chef besonders unangenehm sind.

Westerwelle und Steinmeier, dpa

Guido Westerwelle und Frank-Walter Steinmeier bei der Buchvorstellung. In der Mitte zu erahnen: der Buchautor Majid Sattar. (© Foto: dpa)

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Ja, sagt Guido Westerwelle, er gebe zu, ein schlechter Beifahrer zu sein - er sei sogar "Deutschlands schlechtester Beifahrer". Und ja, "die Geschichte auf meiner Klassenfahrt in Avignon ist mir heute noch peinlich".

"Peinlich", sagt er. Was kann das gewesen sein? Ober er das mal ausführen könne, wird er gefragt, als er neben SPD-Kanzlerkandidat Frank Steinmeier Platz genommen hat. Der Außenminister von der SPD hat das Buch des FAZ-Redakteurs Majid Sattar vorgestellt.

"Natürlich könnte ich", erwidert Westerwelle - macht es aber nicht. Wahrscheinlich ist die Sache mit dem Beifahrer schon Enthüllung genug. Ein Blick ins Buch, das Kapitel über die Schulzeit umfasst 14 Seiten. Alles wirkt überschaubar. Es steht aber nichts drin, was überraschen könnte. Lehrer und Mitschüler beschreiben ihn als einen, der immer im Mittelpunkt stehen müsse, der sich gerne und ständig produziere.

Auf besagter Klassenfahrt nach Südfrankreich sollte Westerwelle seinen Mitschülern die Akkustik eines römischen Amphitheaters erklären. Er machte daraus eine Show-Veranstaltung, so dass auch andere Touristen hinzukommen, um dem großen Erklärer zu lauschen. Das nervt damals Mitschüler wie Lehrer. Guido merkt es offenbar nicht.

Vom Biographen darauf angesprochen, sagt der FDP-Politiker, das habe für einen, der von der Realschule auf das Gymnasium kam, etwas mit Selbstbehauptung zu tun.

"Durchgewurschtelt", würden manche in der Rückschau sagen

Peinlich muss ihm das dennoch nicht sein. So ist Westerwelle schließlich heute noch. Eine Bundestagsdebatte, in der er nicht die beste Rede hält? Für ihn nicht vorstellbar. Majid Sattar beschreibt Westerwelles Dasein als ein "Leben im Zwiegespräch mit dem eigenen Spiegelbild".

Dass Frank Steinmeier die Biographie über einen politischen Dorian Gray vorstellt, verspricht großes Publikumsinteresse. Beide Politiker kokettieren mit der Situation: Westerwelle strebt erkennbar das Amt des Außenministers an, das Steinmeier jetzt inne hat. Und Westerwelle will Außenminister unter einer Kanzlerin Angela Merkel werden. Steinmeier wiederum kann sich Westerwelle in dem Amt nur vorstellen, wenn er selbst Bundeskanzler ist.

Immerhin kann sich Steinmeier den liberalen Westerwelle als bundesdeutschen Außenminister vorstellen. Das können nicht viele. Steinmeier zeichnet wohlwollend das Bild eines Mannes nach, dem der Erfolg nicht in die Wiege gelegt wurde. Schule schlecht bis mittelmäßig. Erst Gymnasium, dann Realschule, dann wieder Gymnasium und irgendwie auch Abitur.

"Durchgewurschtelt", würden manche in der Rückschau sagen. Und Westerwelle würde wohl nicht widersprechen. Die Schulgeschichte ist nachvollziehbar: Die Eltern haben sich früh getrennt, das verkraften die wenigsten Kinder auf Anhieb.

Auf der zweiten Seite scheinen bei Steinmeier doch so etwas wie Zweifel aufzukommen.

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