Durch die neue Ämterverteilung an der Spitze ändere sich nichts, versichert er und belegt rasch, dass sich nicht viel geändert hat. Wie unzählbare Male zuvor beschwört Lawrow die Güte der deutsch-russischen Beziehungen. Und ebenfalls nicht zum ersten Mal räumt er ein: "Das heißt nicht, dass es keine Meinungsunterschiede gibt." In gewohnter Schärfe doziert Lawrow dann über die Fehler des Westens im Umgang mit dem Kosovo und mit Iran. "Warum sprechen Sie Englisch?", blafft er einen deutschen Reporter an, der von Lawrows exzellenter Kenntnis dieser Sprache weiß, "ist das die Globalisierung?"
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Wie anders ist wenige Stunden später die Stimmung in Moskau. Der Weg führt direkt in den Kreml, ins Herz der Macht. Jedenfalls war er das bisher, bis zum Auszug des Wladimir Putin ins weit schlichtere Weiße Haus, wo die Regierung sitzt. Erwartet wird der deutsche Außenminister im lindgrün gehaltenen Katharinensaal.
Raum und Zeremoniell sind Steinmeier schon von seinen Begegnungen mit dem einstigen Hausherrn vertraut. Ungewohnt ist nur, dass ihm nun Dmitrij Medwedjew auf halbem Weg entgegentritt. Der Händedruck fällt herzlich aus; man kennt sich. Als Kanzleramtschef oblag es Steinmeier, die häufigen Treffen seines Chefs Gerhard Schröder mit Wladimir Putin zu koordinieren. Dessen rechte Hand hieß damals Dmitrij Medwedjew. Nun ist Steinmeier der erste westliche Politiker, der Medwedjew in seiner neuen Funktion trifft.
Ganz selbstverständlich wirkt es noch nicht, als Medwedjew an dem weißen, ovalen Tisch im Saal Platz nimmt. Der neue Präsident ist von bescheidenem Wuchs, was auch im Sitzen nicht zu kaschieren ist. Dass er sich nicht mit beiden Händen an der Tischkante festhalten sollte, ist ein zusätzliches Detail, das die Medienberater in den nächsten Tagen wohl noch mit dem neuen Kremlchef durchgehen werden. Sein Nuscheln ist ein anderes.
Putin will in der Außenpolitik nicht reinfunken
Zur Begrüßung spricht Medwedjew über die exzellenten deutsch-russischen Beziehungen, lobt das jährliche Handelsvolumen von 56 Milliarden Euro und bekundet seine Freude, Deutschland als erstes europäisches Land im Juni einen Besuch abzustatten. So weit wenig Neues. Dann aber ruft er: "Frank, es ist eine große Freude, dich zu sehen." Das ist der Ton, auf den Steinmeier gehofft hat.
"Herr Präsident", hebt er deutlich an, "wenige Tage nach ihrem Amtsantritt überbringe ich Ihnen die Glückwünsche der Bundesregierung." Er wünsche "Energie, Schaffenskraft und Fortune, wie man sie für ein solches Amt braucht". Steinmeier spricht konzentriert, schließlich geht es um eine neue Beziehung zu einem alten Bekannten. Es gebe nun viele gemeinsame Aufgaben, sagt Steinmeier, die man anpacken müsse.
Eine Vielzahl von Themen haben Sie bereits in Ihren Reden vor der Amtsübernahme angesprochen", fährt er fort, womit er sein Versprechen hält, Medwedjew beim Wort nehmen zu wollen. Ein paar Mal während des 90-minütigen Gesprächs fällt vermutlich noch die Vokabel "Modernisierungspartnerschaft", aber da sind die Reporter schon nicht mehr im Raum. Man habe sich auf eine Partnerschaft "im Sinne einer Modernisierungspartnerschaft" verständigt, wird jedenfalls später stolz verkündet.
"Ein Termin beim Präsidenten, das muss der französische Außenminister erst einmal nachmachen", raunzt später einer aus der Delegation. Stimmt schon, aber war da nicht noch was? Einen Termin bei Wladimir Putin hat sich Steinmeier auch gewünscht, aber der neue Ministerpräsident ziert sich - zumindest eine offizielle Begegnung soll es wahrscheinlich nicht geben. Die Außenpolitik sei ja nun Sache des Präsidenten, heißt es, da wolle Putin nicht reinfunken. Da wäre ein abgesagter Termin, finden Steinmeiers Begleiter, doch ein richtig gutes Zeichen.
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- Russland nach der Machtübergabe Der Pattex-Putin 13.05.2008
- Machtwechsel in Russland Putin bis 2020 08.05.2008
(SZ vom 15.05.2008/woja)
Kapitalabzug aus Südeuropa
Die schlechten Kapitel der deutsch-russischen Beziehungen - die es übrigens bei allen Völkern gab (auch bei den sich gerne in der Opferrolle sehenden Polen!) - können nicht verdecken, dass Russland Preußen-Deutschlands ältester Verbündeter gewesen ist. Mit Frankreich und Amerika hatte man bis 1945 nur Kriege und die gemeinsamen Aktionen mit England endeten meistens auch auf eine eher peinliche Weise.
Zwar leben wir heute in einer anderen Zeit, aber ich bin fest davon überzeugt, dass sich 300jährige Traditionen sehr guter Zusammenarbeit nicht durch nationalsozialistische oder kommunistische Verirrungen auslöschen lassen. Wer Deutschland hingegen permanent ein schlechtes Gewissen einzureden versucht, um eigene Interessen durchzusetzen, erweist sich m.E. als ein falscher "Freund" Deutschlands und wahrscheinlich auch Europas.
War sie zueinander passend? Auf dem Foto sieht man nur eine.
Dieses wichtige Fetail im Rahmen all der anderen Wichtigkeiten vergaß uns der Autor zu erzählen. Graue Menschen, die uns die zeit stehlen - können das evtl. vertreter der schreibenden Zunft sein?
Am amor-fati
Die negativen Beispiele der deutsch-russischen Zusammenarbeit im 20.Jahrhundert, die sich nicht nur auf Deutschland oder Russland, sondern auch auf Europa und Teile der Welt ausgewirkt hatten, sind so gewaltig, dass möglicherweise einige positiven Beispiele, von denen eigentlich nur Russland oder Deutschland profitierten (deutsche Einwanderung nach Russland, Deutsche in Schlüsselpositionen in Russland bis 1917), dürften hier keine Bedeutung haben.
Wenn ich das 19.Jahrhundert, wie von Ihnen gewünscht, betrachte, dann fällt mir unter der deutsch-russischer Zusammenarbeit die dreifache Teilung Polens im 18./19.Jahrhundert und gemeinsame Niederschlagung der polnischen Aufstände im 19.Jahrhundert.
Der historisch einzigartige und nicht zu wiederholende Fall ist die deutsche Unterstützung für Lenin (deutsche Mutter in Russland und zentralasiatischer Vater) und die Stiftung/Finanzierung der Bolschewiki Revolution mit den gewaltigen und nicht mehr zu behebenden Schäden im 20.Jahrhundert in Russland und in Europa.
Ein anderes negatives Beispiel, das so im Westen Europas nicht bekannt ist eine im Dez.1939/Jan.1940 getroffene Vereinbarung zwischen den deutschen und sowjetischen Besatzer in Polen - die polnische Intelligenz auszurotten, die auch soweit möglich umgesetzt wurde. Eine ähnliche Entscheidung hatte es m.e. so in der Geschichte Europas nicht gegeben.
Daher verzichte ich auf die positiven Beispiele, weil diese relativ unbedeutend sind.
AN Conreux
Ich müsste lange Zeit nach der Quelle bzgl. des sowj.Blitzkrieges suchen, bin auch kein Historiker. Es werden nach und nach die Archive in Russland geöffnet und diese Informationen kommen ans Licht. Diese Information habe ich vor ca. 2 Monaten in der Presse gelesen.
Folgendes steht fest - das erklärte Ziel des Sowjets war es den Kommunismus mit der militärischen Gewalt zu verbreiten. Daraufhin wurden entsprechende Vorkehrungen in der Sowjet-Armee getroffen und die Doktrin des Angrifskrieges (Blitz-Krieges), durch den massiven Einsatz von Panzern und Luftwaffe definiert. Den Blitz-Krieg war auch keine deutsche sondern sowjetische Erfindung, die die Deutschen in den dreißiger bei Besuchen bei den Russen lernen konnten.
Sie haben prinzipiell recht, dass die deutsche Aussenpolitik was Russland angeht sehr bedenklich ist. Sei es Abhängigkeit vom russischen Gas, ignorieren der für Nachbarstaaten bedrohlichen russischen Aussenpolitik und Putins Umbau der Demokratie in eine Diktatur.
Aber Deutschland ist weder ein russischer Brückenkopf, noch gab es eine militärische Zusammenarbeit der Nazis mit der UdSSR. Eine Solche fand in den zwanziger Jahren statt und wurde 1933 eingestellt. Wo sie das mit dem Blitzkrieg her haben ist mir allerdings rätselhaft.
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