Steinbrück und die Wählerinnen Kandidat sucht Frau

Polternd, scharf, auch ein wenig kaltschnäuzig: Bei vielen Frauen kommt Peer Steinbrück nicht gut an. Nun will der SPD-Kanzlerkandidat sein Image aufpolieren - durch ein Treffen mit Anne-Marie Slaughter, die wegen ihrer Kinder ihren Topjob im US-Außenministerium aufgab.

Von Susanne Höll, Berlin

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist in diesen Wochen viel in Deutschland unterwegs - vor dem SPD-Programmparteitag Mitte April präsentiert er sich in den Bundesländern. An diesem Montag aber hat er einen Termin in Berlin. Ein Frauentreffen, sozusagen.

Steinbrück trifft sich, unter journalistischer Begleitung, zum Mittagessen mit einer Frau, die vor Jahresfrist weltweit Bewegung in die Debatte über Frauen- und Gleichstellungspolitik brachte. Er speist mit Anne-Marie Slaughter, der ehemaligen Stabschefin im US-Außenministerium, die 2011 ihren Topjob aufgab, der Kinder wegen, und ihre Entscheidung in einem aufsehenerregenden Aufsatz erläuterte, der den Titel trug: "Warum Frauen immer noch nicht alles haben können" - sprich: Karriere und Familie.

Über diesen Beitrag wird seither international diskutiert. Slaughter hat einen wunden Punkt getroffen: Das zumeist mörderische Tempo in Spitzenfunktionen setzt berufstätigen Müttern nach wie vor mehr zu als Männern. Die 54 Jahre alte Akademikerin, die inzwischen wieder als Universitätsprofessorin lehrt, macht sich stark für flexiblere Arbeitszeit-Modelle für Frauen.

Das sieht Steinbrück nicht viel anders. Die SPD setzt im Bundestagswahlkampf stark auf das Frauenthema. Gleiche Bezahlung, Frauenquote für Aufsichtsräte, Familiensplitting, leichtere Rückkehr aus der Teil- in die Vollzeit.

Allerdings hat der Kandidat persönlich nach wie vor mit einem Handicap zu kämpfen: Er kommt, so sagen es auch die Leute aus seinen Team, bei Wählerinnen nicht so gut an. Seine Leute und auch er finden das ungerecht. Und rätseln, woran das genau liegt. Es mag eine Rolle spielen, dass er einst als Bundesfinanzminister mit gemeinhin als hart und sperrig geltenden Themen beschäftigt war, die in der Lebenswirklichkeit von Frauen aber weniger bedeutsam sind.

Schimpfen - die ihm eigene Art zu reden

Wer sich bei Frauen zum Thema Steinbrück umhört, bekommt von Kritikerinnen aber andere Erklärungen. Etliche finden ihn gut, andere aber, egal ob jung an Jahren oder reifer, stoßen sich an Steinbrücks Habitus. Sie finden ihn bei politischen Auftritten polternd, scharf, auch ein wenig kaltschnäuzig.

Tatsächlich erweckt der Kandidat bei öffentlichen Veranstaltungen oft den Eindruck, als schimpfe er nun wieder einmal in ein Mikrofon hinein. Dabei schimpft er gar nicht - es ist nun einmal die ihm eigene Art zu reden.

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Charme-Offensiven sind Steinbrücks Sache nicht, aus Prinzip und Überzeugung. Auch das Essen mit Slaughter, so versichert sein Team, sei kein Kuscheltermin. Bei Frauenpolitik gehe es um Gerechtigkeit, aber auch um Wirtschaftspolitik. Wenn Fachkräfte knapp würden, müssten sich Firmen viel einfallen lassen, um Frauen im Job zu halten.

Aber das Image Steinbrücks soll die Begegnung mit Slaughter natürlich polieren. Die zwei kannten sich persönlich bislang nicht, Wahlwerbung wird sie für ihn wohl kaum machen. Vielleicht auch, weil sie sich für zumindest eine Deutsche begeistern kann: Sie sei sehr stolz auf Frauen wie ihre frühere Chefin, Ex-Außenministerin Hillary Clinton, schrieb sie in ihrem Aufsatz. Und wenn sie ein Foto von Kanzlerin Angela Merkel in der Zeitung sehe, gehe es ihr ebenso.