Angesichts der horrenden Neuverschuldung des Bundes bezeichnet Finanzminister Steinbrück die Forderung der Union nach Steuererleichterungen als "illusionär" und "waghalsig".

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat sich angesichts der dramatischen Einbrüche bei den Steuereinnahmen erneut gegen Steuersenkungen ausgesprochen. "Es hat einen solchen Rückgang in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch nie in diesem Ausmaß gegeben", sagte Steinbrück am Freitag im Deutschlandfunk.

Steinbrück, dpa

Bundesfinanzminister Steinbrück sieht angesichts der erwarteten Steuermindereinnahmen einen großen Konsolidierungsdruck für die nächsten Jahre. (© Foto: dpa)

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Bei einer Neuverschuldung des Bundes im hohen zweistelligen Milliardenbereich gebe es "null Spielraum" für Steuersenkungen. Solche Versprechen seien "waghalsig und illusionär", sagte der Sozialdemokrat. "In Wirklichkeit wissen alle, die sich fachlich damit beschäftigen, dass im höheren zweistelligen Milliardenbereich null Spielraum ist für weitere Steuersenkungen", sagte er mit Blick auf solche Forderungen aus der Union und von der FDP.

Die gesamte nächste Legislaturperiode hindurch müsse es "erhebliche Anstrengungen geben, um von der hohen Neuverschuldung des Bundes wieder herunterzukommen", sagte Steinbrück. Das werde den Handlungsspielraum der Politik einengen. Nach jetziger "Gefechtslage" würden die kommenden Bundeshaushalte nur unter der Ausnahmeregelung der "Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts" zustande kommen.

Steinbrück kritisiert Kabinettskollegen

Zu den Haushaltsplanungen seiner Ministerkollegen sagte der Finanzminister dem ZDF, er bedauere es, "dass inzwischen die kleinste Recheneinheit in Deutschland eine Milliarde ist und andere Beträge schon als Nichtigkeit angesehen werden". Seine Kollegen müsste sich bei der Haushaltsplanung darauf einstellen, "dass sie keinen Cent mehr bekommen als das, was in der jetzt noch gültigen Finanzplanung drin ist".

Nach am Donnerstag abgeschlossenen Berechnungen der Steuerschätzer wird der Staat in Folge der Rezession in den kommenden vier Jahren rund 316,3 Milliarden Euro weniger einnehmen als bislang erwartet. Steinbrück hatte deshalb für 2009 eine Kreditaufnahme von bis zu 55 Milliarden Euro angekündigt.

Grüne: Ehrliche Neuverschuldung liegt noch viel höher

Ende Mai will der Minister den zweiten Nachtragshaushalt des Jahres vorlegen und den Kreditrahmen zu erweitern. Die Rezension treibt damit die Neuverschuldung des Staates auf Rekordhöhe.

Die Grünen schätzen sogar, dass die Neuverschuldung in diesem Jahr fast doppelt so hoch ein als den bisher vom Finanzminister angegebenen Betrag. "Die ehrliche Neuverschuldung wird bei 95 Milliarden Euro liegen", sagte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Alexander Bonde, der Hamburger Morgenpost. Er vermutet, dass Steinbrück rund 50 Milliarden Euro in Schattenhaushalten versteckt habe.

Dazu zählt Bonde 20,4 Milliarden Euro Kreditaufnahme für den Investitions- und Tilgungsfonds, Kredite und Bürgschaften für die Bankenrettung, höhere Ausgaben für Hartz IV und über sechs Milliarden Euro für die aufgestockte Abwrackprämie. "Die Bundesagentur für Arbeit verbraucht außerdem ihr Finanzpolster von 16,7 Milliarden Euro bis Ende dieses Jahres. Und die Fehlbeträge in den Gesetzlichen Krankenkassen werden bis Ende 2010 auf 13 Milliarden Euro anwachsen. Damit liegt die wahre Verschuldung bei 95 Milliarden".

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