Ein Kommentar von Thorsten Denkler

Erika Steinbach verzichtet auf einen Platz im Stiftungsrat des Zentrums gegen Vertreibung. Das ist gut. Die Polen sollten das zu würdigen wissen.

Erika Steinbach zieht sich aus dem Stiftungsrat des Zentrums gegen Vertreibung zurück - das ist die einzig richtige Entscheidung. Zu sehr hat ihre Nominierung das Verhältnis zu Polen belastet. Die Frau ist ein rotes Tuch für die Polen. Sie hätte schon vor ihrer Nominierung Anfang des Jahres durch den Bund der Vertriebenen wissen können, dass dieser Akt jenseits der Oder als Provokation wahrgenommen werden würde.

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Erika Steinbach verzichtet auf einen Sitz im Stiftungsrat des Vertriebenenzentrums (© Foto: ddp)

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Aber es ist nicht zu spät für den richtigen Schritt. Die Vertriebenen-Präsidentin will so die akute "Blockade" der Stiftung auslösen und nicht mit ihrer Nominierung den Vorwand dafür geben, dass das Vertriebenenzentrum "auf den letzten Metern" noch verhindert wird.

Das ist die richtige Analyse. Steinbach wäre im Bundeskabinett nicht durchsetzbar gewesen, das das Personaltableau des Stiftungsrates noch hätte absegnen müssen. Die SPD ist klar gegen Steinbach. Die CDU ist im Grunde uneinig, die Kanzlerin hat sich bisher noch nicht offiziell zur Causa geäußert. Steinbach wird gemerkt haben, dass sie nicht den nötigen Rückhalt hat, weder in ihrer CDU noch in der Regierung, um einen Platz im Stiftungsrat beanspruchen zu können.

Dass sie dort mitentscheiden wollte, ist völlig verständlich. Das Vertriebenenzentrum war ihre Idee. Jahrelang hat sie dafür gekämpft. Gegen erbitterte Widerstände. Auch im eigenen Verband, den sie mühsam aus der rechten Ecke herausgeholt hat.

Sie hat es geschafft, dass das Schicksal der Vertriebenen heute mit anderen Augen gesehen wird. Auch da ist Unrecht geschehen, wenn auch nicht vergleichbar mit der Ermordung von sechs Millionen Juden. Viele, die ihre Vertreibung als kleine Kinder erlebt haben, leiden noch heute an dem Trauma.

Es geht darum, gehört zu werden. Mehr wollte auch Erika Steinbach nicht.

In Polen war das alles nur schwer zu vermitteln. Dort hatte Steinbach zuweilen nicht die richtigen Worte gefunden. Und die Polen fühlten sich erneut von dem Land angegriffen, das sie einst mit Panzern überrollte und so den Zweiten Weltkrieg auslöste. Steinbach wurde dort zum ultimativen Feindbild. Eine Rolle, die ihr nicht gerecht wird, aber auch nur schwer zu ändern ist.

Erika Steinbach ist kurz davor, mit dem Zentrum gegen Vertreibung ihr Lebenswerk zu vollenden. Dafür muss sie nicht im Stiftungsrat sitzen. Das Zentrum wird mit ihrem Namen verbunden bleiben. Ihre Stimme wird vielleicht gerade nach dem Rückzug Gewicht haben.

Größe zeigt sich zuweilen darin, zurückstecken zu können. In diesem Sinne hat Steinbach Größe gezeigt. Es wäre gut, wenn auch die Polen das jetzt zu schätzen wissen.

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(sueddeutsche.de/jja)