Der Fall Kurras entfacht eine neue Debatte über den Einfluss der Stasi in Westdeutschland. War die BRD unterwandert? Wer spionierte noch alles?
Wer noch, wenn schon die Knall-Charge Karl-Heinz Kurras für die Staatssicherheit spionierte? Wo überall hockten die Spione? War Westdeutschland unterwandert?
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Am 2. Juni 1967 wurde Benno Ohnesorg erschossen - ein Schlüsseldatum der deutschen Nachkriegsgeschichte. (© Foto: dpa)
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Der tiefe Fall des Schützen Kurras alias Otto Bohl, der 1967 Benno Ohnesorg erschoss, hat eine neue Debatte über den Einfluss der Stasi in der alten Bundesrepublik, über Niedrigkeit und Verrat und über Effizienz und Defizite der Stasi-Unterlagen-Behörde ausgelöst, die 112 Kilometer Stasi-Akten aufbewahrt und aufarbeitet.
Die 17 Ordner der Akte Kurras waren viele Jahre unentdeckt geblieben. Keiner hatte nach ihm gefragt. Gibt es noch viele solcher unentdeckter Sumpfblüten?
Die Spekulationen wuchern: Ob sein Vater, der Studentenführer Rudi Dutschke, 1968 von einem Stasi-Schergen niedergeschossen wurde, fragt jetzt sein Sohn Marek. Aber die Akte des Attentäters Josef Bachmann - ein Wicht, der aus dem Osten kam - ist schon mehrmals gesichtet worden. Ohne Hinweis auf die Stasi.
Wilde Theorien
Oder wurde Generalstaatsanwalt Siegfried Buback nicht von RAF-Schergen, sondern von der Stasi erschossen? Auch diese wilde Theorie wird in diesen Tagen gehandelt. Dass sich die Bundesanwaltschaft den Vorgang Kurras noch einmal anschauen will, um nach einem Auftragsmord zu suchen, ist eher Formsache. Der findet sich nicht in der Akte.
Dank der fürs Ausland zuständigen Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) hatte die Stasi vor der Wende in der Bundesrepublik in vielen Einrichtungen kräftig mitgemischt. Durch den Kauf von Stimmen verhinderte die HVA den Sturz von Willy Brandt und war später an seinem Abgang beteiligt, weil sie in der Regierungszentrale den Spion Günther Guillaume platziert hatte. Im Kanzleramt hatte sie über die Jahrzehnte immer mindestens einen Inoffiziellen Mitarbeiter (IM), wie die Maulwürfe genannt werden.
Millionen Bürger im Osten wurden nach der Wende penibel auf Stasi-Verwicklungen überprüft. Einrichtungen im Westen hingegen interessierte das nicht. Ein Vorstoß der FDP, die Akten aller Abgeordneten seit 1949 auf eine mögliche Zusammenarbeit mit der Stasi zu überprüfen, wurde am Freitag abgelehnt.
Vor drei Jahren gab es große Aufregung, weil für die Wahlperiode von 1969 bis 1972 bei 49 Abgeordneten Hinweise auf Stasi-Kontakte gefunden worden waren und weil die Leiterin der Behörde, Marianne Birthler, angeblich die Recherchen behindern wollte. Zog in Berlin jemand die Handbremse von oben? Und hatte nicht der frühere HVA-Chef Markus Wolf immer von einer "parteiübergreifenden HVA-Fraktion" im Bundestag gesprochen? Die sechste Wahlperiode wurde dann doch untersucht, und die Zahl 49 erwies sich als Irrläufer.
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Bundespräsident Gauck
Nach der Entdeckung der Stasi-Akten zu Kurras hört man plötzlich aus allen Richtungen
Klagegesänge über Versäumnisse in 20 Jahren deutscher "Einheit".(Man verzeihe mir
die Gänsefüsschen, Aber was ist das für eine Einheit, wenn man eine Seite des Landes
ausschlachtet und auf der anderen sitzen die Maden noch im Speck?
Andererseits konnte man ja anders nicht Platz schaffen für hochbezahlte aber im
Westen nicht mehr zu vermittelnde Beamte.
Und die, die man aus dem Osten, wie es so schön hiess, übernommen hat, waren
die treuesten Gefolgsleute.( Was hätte man an Buschprämie sparen können?Das tun
jetzt die Rentner, aber alle.)
Den Vogel schiesst dabei die FDP ab. Sie läuft aber auch die geringste Gefahr, dass da
noch ein Wurm drin ist. Bei den von ihr übernommenen früheren Blockparteien aus der
DDR wurden ja all jenen, die man loswerden wollte mit günstig zu erwerbenden Dienst-
wagen, natürlich westlicher Herkunft, oder Immobilien der Abschied versüsst.
Und die wenigen, die möglicherweise noch unentdeckt sind, wird man schon irgendwo
unter einen Teppich bekommen.
Wie ich heute gehört habe, macht sich heute Abend ein regionaler Fernsehsender wieder mal auf die Suche nach noch immer aktiven früheren Mitarbeitern der Stasi.
Wo wohl? Selbstverständlich in der Brandenburger Polizei. Was liegt näher?
Dort findet man sie wenigstens!