In der politischen Debatte um die Forschung an embryonalen Stammzellen geht es viel um den Nutzen für die Menschheit. Doch dafür müssen Menschen getötet werden. Klingt zu hart? Ist aber so.
Eltern haben fast täglich mit solchen Entscheidungen zu tun: Das Kind will unbedingt fernsehen, weil der Tom von nebenan - und eigentlich alle anderen Kinder aus seiner Schulklasse - das ja auch dürfen. Nur seine Eltern verbieten es. Weil tägliches Fernsehen nicht gut für kleine Kinder sei.
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(© Foto: ap)
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Diese Situation aus dem Elternhaus mit der Debatte um Stammzellenforschung zu vergleichen, mag aus der Luft gegriffen wirken. Ist es aber nicht. Es geht um das gleiche Spiel: Alle machen es, auch wenn wir es nicht machen. Also sollten wir es auch tun dürfen.
Die Forscher sagen, sie bräuchten frische Stammzellen, um eines Tages Mittel gegen Parkinson, Alzheimer und andere schlimme Krankheiten finden zu können. Weltweit werde daran geforscht, nur in Deutschland seien die Regeln so rigide, dass Forschung fast unmöglich sei.
Das mag sein. Es ist aber auch richtig so - denn für diese Stammzellen, die die Wissenschaft braucht, müssen Menschen getötet werden. Klingt zu hart? Zugegeben, in der Regel wird von "embryonalen Stammzellen" geredet. Die Frage ist: Ist ein Embryo ein Mensch?
Doch es gibt Fragen, die gar nicht erst gestellt werden sollten. Diese gehört dazu. Und zwar aus einem einfachen Grund: Es müsste eine Antwort gegeben werden, die niemand mit letzter Sicherheit geben kann.
Die Natur hat eine klare Grenze gezogen. In dem Moment, in dem die Eizelle befruchtet ist, geschieht das, was manche vielleicht etwas zu pathetisch "das Wunder des Lebens" nennen. Ein Gefühl dafür, was das bedeutet, kann jeder bekommen, der eine schwangere Frau fragt, was da in ihrem Bauch wächst. Sie wird in der Regel antworten: mein Kind.
Diese Antwort ist Ausdruck des gesunden Menschenverstandes. Und der sollte die einzge Richtschnur in dieser Debatte sein.
Sicher, es lassen sich Kriterien der Menschwerdung entwickeln. Der erste Herzschlag, die erste Gehirnaktivität, der erste Schrei nach der Geburt. Doch so sehr die Forscher auch versuchen, solche Grenzen wissenschaftlich zu untermauern: Es bleiben Grenzen der Willkür.
An dieser Stelle kommt meist der Einwand, wer so argumentiere, der sehe nicht den Nutzen, den die Menschheit von der Forschung haben werde. Die Gegenfrage lautet, ob Menschen geopfert werden dürfen, damit sie anderen Menschen Nutzen bringen?
Wer diese Frage mit nein beantwortet, der wird auch die Stammzellenforschung nicht unterstützen können. Und wenn die Deutschen weltweit die einzigen wären, die so handeln - es muss deswegen nicht falsch sein.
- Diskussion um das Stammzellgesetz Kompromiss im Kreuzfeuer 13.02.2008
- Keine moralische Bedenken "Für mich ist das kein Embryo" 13.02.2008
- Warnung "Die Leute haben zu hohe Erwartungen" 13.02.2008
- Verteidigung der Motive "Eines der meistversprechenden Felder" 13.02.2008
- Praktische Probleme ""Es geht nicht um Embryos als Massenware" 13.02.2008
(Süddeutsche Zeitung Audio/jja)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Es ist interessant zu lesen, wie die Gefühle von Menschen in Bezug auf das Leben, mit Bezug auf wissenschaftliche Zahlen (150 Zellen) und Fakten (Nasebohren) abgewertet werden.
Genau das ist auch der Grund, warum die Wissenschaftler nicht jedes Spielzeug bekommen dürfen, was sie gerne haben möchten. Sie besitzen anscheinden kein Gepür für das, was man als gesunden Menschenverstand bezeichnet.
Akzepiteren Sie es, meine Damen und Herren. Nach dem gesunden Emfinden ihrer Mitmenschen entsteht das Leben im Moment der Befruchtung. Das können auch noch so viele Fakten- und Zahlendrehereien nicht ändern.
Die Wissenschaft hat den Menschen zu dienen. Deshalb muss sie auch das natürliche und vernünftige Empfinden der Menschen respektieren und akzeptieren.
Das Bauchgefühl einer schwangeren Frau ist bedeutender als Ergebnisse aus dem Reagenzglas.
(Hier die Frage der Abtreibung als Argument anzuführen, ist üble Polemik. Bei der Abtreibung geht es immer um menschliches Leben. Das der Mutter oder das des Kindes. Die seelischen Folgen für betroffene Frauen sind schlimm genug. Bei embyonalen Stammzellen geht es dagegen um die Tötung von Leben zwecks Manipulation zu Forschungszwecken. Hier Vergleiche zu ziehen ist entlarvend und diskreditierend.)
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www.szenso.de, Kommentieren ohne Ladenschluss
... Eine Zelle , und sei es auch eine befruchtete menschliche Eizelle , ist kein Mensch .
Ob mein Verstand wohl doch nicht ganz so gesund ist ...:-)) ?
Bei den "getöteten Menschen" handelt es sich um übrig gebliebene Embryonen aus der IVF, wie ein Poster vor mir schon bemerkte.
Das ist ein Zellstadium von ca 150 Zellen. Nur mal so zum Vergleich, im Gehirn einer Fliege befinden sich ca 100.000 Zellen.
Wenn Sie Zellen mit Potential als Menschen bezeichnen, dürften Sie sich nichtmal an der Nase kratzen ohne einen Massenmord an potentiellen Menschen zu begehen, weil JEDE Körperzelle unter den richtigen Umständen theoretisch das Potential besitzt, einen neuen Menschen zu formen.
Ihr argumentativ recht dünner Kommentar lässt auf einen gewissen ideologischen Unterbau schließen.
Mfg, wf.
An diesem Kommentar lässt sich gut verfolgen, was passiert, wenn man unter Umgehung des Gehirns "aus dem Bauch heraus" argumentiert.
Der Autor scheint selbst nicht recht zu wissen, was er da eigentlich sagen will. Zum einen wird behauptet, die Frage, ob und ab welchem Stadium ein Embryo als Mensch gelten kann, sei nicht objektiv aufgrund irgendwelcher wissenschaftlicher Kriterien zu beantworten. Sodann wird allerdings einfach dekretiert, die befruchtete Eizelle stelle genau solch ein Kriterium da, basta. Als durchschlagende Begründung dafür wird dann der gesunde Menschenverstand, der gerade für die Bewertung komplizierter Fragen bekanntermassen ein verlässlicher Führer ist, sowie die angebliche Meinung schwangerer Frauen angeführt. Sehr fundiert.
Hr. Denkler scheint entgangen zu sein, dass es Wissenschaftlern vor einigen Monaten gelungen ist, Hautzellen ohne Einsatz von Eizellen zu embryonalen Stammzellen zurückzuverwandeln. Wenn man das hier vorgebrachte Potentialitätsargument gelten lassen würde, würde das bedeuten, dass man mit jedem Kratzen an der Nase unzähligen potentiellen Menschen das Leben nimmt. Diese Ansicht wird wohl niemand ernsthaft vertreten wollen.
Die Forschung an embryonalen Zellen ist sicherlich ein Thema, das ethisch nicht einfache Fragen aufwirft. Mit undurchdachten, emotionalen Kommentaren wie diesen, die deutlich ein diffuses Gefühl der Bedrohung und eine daraus folgende instinktive Abwehr erkennen lassen, ist der Debatte allerdings sicher nicht gedient.
Einen so unqualifizierten Kommentar habe ich schon lange nicht mehr in der Stammzelldebatte gelesen. Herr Denkler sollte sich zuerst einmal mit der Biologie auseinandersetzen. Bei embryonalen Stammzellen handelt es sich nämlich nicht um Embryos. Es wird also nicht mit oder an Embryos geforscht.
Somit erübrigt sich jede Diskussion um den Inhalt dieses Kommentars.
Zu dem Thema der Stammzellen und deren Gewinnung kann man freilich aufgrund anderer Argumente eine andere Meinung haben.
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