Stammzellenforschung Der Willkür Grenzen setzen

In der politischen Debatte um die Forschung an embryonalen Stammzellen geht es viel um den Nutzen für die Menschheit. Doch dafür müssen Menschen getötet werden. Klingt zu hart? Ist aber so.

Ein Kommentar von Thorsten Denkler, Berlin

Eltern haben fast täglich mit solchen Entscheidungen zu tun: Das Kind will unbedingt fernsehen, weil der Tom von nebenan - und eigentlich alle anderen Kinder aus seiner Schulklasse - das ja auch dürfen. Nur seine Eltern verbieten es. Weil tägliches Fernsehen nicht gut für kleine Kinder sei.

(Foto: Foto: ap)

Diese Situation aus dem Elternhaus mit der Debatte um Stammzellenforschung zu vergleichen, mag aus der Luft gegriffen wirken. Ist es aber nicht. Es geht um das gleiche Spiel: Alle machen es, auch wenn wir es nicht machen. Also sollten wir es auch tun dürfen.

Die Forscher sagen, sie bräuchten frische Stammzellen, um eines Tages Mittel gegen Parkinson, Alzheimer und andere schlimme Krankheiten finden zu können. Weltweit werde daran geforscht, nur in Deutschland seien die Regeln so rigide, dass Forschung fast unmöglich sei.

Das mag sein. Es ist aber auch richtig so - denn für diese Stammzellen, die die Wissenschaft braucht, müssen Menschen getötet werden. Klingt zu hart? Zugegeben, in der Regel wird von "embryonalen Stammzellen" geredet. Die Frage ist: Ist ein Embryo ein Mensch?

Doch es gibt Fragen, die gar nicht erst gestellt werden sollten. Diese gehört dazu. Und zwar aus einem einfachen Grund: Es müsste eine Antwort gegeben werden, die niemand mit letzter Sicherheit geben kann.

Die Natur hat eine klare Grenze gezogen. In dem Moment, in dem die Eizelle befruchtet ist, geschieht das, was manche vielleicht etwas zu pathetisch "das Wunder des Lebens" nennen. Ein Gefühl dafür, was das bedeutet, kann jeder bekommen, der eine schwangere Frau fragt, was da in ihrem Bauch wächst. Sie wird in der Regel antworten: mein Kind.

Diese Antwort ist Ausdruck des gesunden Menschenverstandes. Und der sollte die einzge Richtschnur in dieser Debatte sein.

Sicher, es lassen sich Kriterien der Menschwerdung entwickeln. Der erste Herzschlag, die erste Gehirnaktivität, der erste Schrei nach der Geburt. Doch so sehr die Forscher auch versuchen, solche Grenzen wissenschaftlich zu untermauern: Es bleiben Grenzen der Willkür.

An dieser Stelle kommt meist der Einwand, wer so argumentiere, der sehe nicht den Nutzen, den die Menschheit von der Forschung haben werde. Die Gegenfrage lautet, ob Menschen geopfert werden dürfen, damit sie anderen Menschen Nutzen bringen?

Wer diese Frage mit nein beantwortet, der wird auch die Stammzellenforschung nicht unterstützen können. Und wenn die Deutschen weltweit die einzigen wären, die so handeln - es muss deswegen nicht falsch sein.