Stammeskonflikte Fast hundert Tote bei Kämpfen in Uganda

Mindestens 96 Menschen sterben bei Gefechten im Westen Ugandas. Die Armee geht gegen Stammeskämpfer vor, die um die Anerkennung eines Königsreichs kämpfen und dabei auch Einrichtungen von Armee, Polizei und Staat angreifen.

  • Mindestens 96 Menschen sterben bei Stammeskämpfen im Westen von Uganda. Hintergrund sind vermutlich Gebietsstreitigkeiten zweier Volksstämme.
  • Armee greift in Auseinandersetzung ein, bei der gezielt staatliche Einrichtungen getroffen wurden.
  • Staatspräsident Museveni kündigt Strafen für die Beteiligten an.

Armee greift in Stammeskämpfe ein

Bei Auseinandersetzungen mit bewaffneten Stammeskämpfern im Westen Ugandas an der Grenze zum Kongo sind am Wochenende mindestens 96 Menschen getötet worden. Seit dem Beginn des Einsatzes habe die Armee 75 "Angreifer" getötet, sagte der örtliche Armeesprecher Ninsiima Rwemijuma. Zudem seien bei den Kämpfen in den Regionen Kasese und Bundibugyo an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo fünf Soldaten, fünf Polizisten und elf Zivilisten getötet worden.

Da die Kämpfe weiter andauerten, müsse noch mit weiteren Opfern gerechnet werden, sagte der Sprecher. 80 Kämpfer seien festgenommen worden. Insgesamt 300 Kämpfer hätten in mehreren kleineren Gruppen Kasernen, Polizeiwachen, Banken und Häuser von Beamten angegriffen.

Konflikt zweier Volksgruppen

Laut den Aussagen eines Polizeisprechers sei der Hintergrund für die Auseinandersetzungen langjährige Landstreitigkeiten zwischen den zwei Volksgruppen der Bakonzo und der regionalen Minderheit der Basogora. Demnach gibt es bei den Bakonzo Widerstand dagegen, dass die Gebiete der Basogora als eigenständige Königreiche anerkannt werden, die sich in einem von dem Bakonzo dominierten größeren "Königreich Rwenzori" befinden.

Präsident Museveni will Beteiligte bestrafen

Ohne die Intervention der Armee hätte die "völlige Auslöschung" der Minderheit gedroht, sagte der Sprecher. Demnach wurden die Sicherheitskräfte angegriffen, weil sie die Kultur und die Rechte der Minderheit anerkennen und verteidigen würden. Der ugandische Präsident Yoweri Museveni kündigte am Dienstag an, die Beteiligten an diesem "kriminellen Plan" zu bestrafen. Der Staatschef kritisierte, es gebe einige Gruppen, die gezielt die Spannungen zwischen den Stämmen anheizten und so täten, "als ob das einzige, was zählt, gewisse Stämme seien". Polizei und Armee bestritten, dass die Kämpfe etwas mit der islamischen Rebellengruppe ADF zu tun haben, die in den 1990er Jahren in der Region aktiv war und sich nun angeblich wieder mobilisiert.