Staatsbesuch in Israel Gauck will ein Zeichen der Solidarität setzen

"Wir Deutsche stehen an eurer Seite" - unter diesem Motto steht die Reise von Joachim Gauck nach Israel. Mit seinem ersten Staatsbesuch seit seiner Amtsübernahme will der Bundespräsident das Land in schwierigen Zeiten unterstützen. Eine einfache Reise allerdings wird es nicht, weder privat noch politisch.

Von Constanze von Bullion

Es wird keine ganz einfache Reise für Joachim Gauck, weder persönlich noch politisch. Am Montag ist der Bundespräsident zu seinem ersten Staatsbesuch nach Israel und die Palästinensischen Gebiete aufgebrochen. "Wir Deutsche stehen an eurer Seite" - unter dieses Motto hat das Präsidialamt den Besuch gestellt, der auf ausdrücklichen Wunsch des israelischen Präsidenten Schimon Peres vom Antrittsbesuch zum Staatsbesuch aufgewertet wurde.

Abflug in Tegel: Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt besteigen in Berlin die Maschine der Flugbereitschaft, um zum Staatsbesuch nach Israel zu fliegen.

(Foto: dpa)

Gauck will in Israel "in schwieriger Zeit" und angesichts des Atomkonflikts mit Iran eine "Zeichen der Solidarität" setzen, über die Situation in den palästinensischen Autonomiegebieten sprechen und die deutsche Unterstützung für die "Zwei-Staaten-Lösung" demonstrieren, wie es im Präsidialamt in Berlin hieß.

Für Gauck ist es der erste Staatsbesuch überhaupt, aber keineswegs die erste Reise nach Israel. Er sei dort schon ein paar Mal gewesen, habe da Freunde und gute Kontakte in die jüdische Gemeinschaft, hieß es. Eine Rede in der Knesset wird der Bundespräsident nicht halten, anders als seine Vorgänger Horst Köhler und Johannes Rau oder auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dafür sei kein Platz im eng gesteckten Besuchsprogramm, das kurzfristig zum Staatsbesuch ausgebaut worden sei, ließ das Präsidialamt wissen. Auf dem Programm stehen Treffen mit Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Außenminister Avigdor Lieberman und der Oppositionsführerin Shelly Yachimovich.

An diesem Dienstag wird Gauck mit seiner Partnerin Daniela Schadt die Gedenkstätte Yad Vaschem für die Opfer des Holocaust besuchen. Dort dürfen die beiden als erste deutsche Staatsgäste das Archiv besichtigen, dessen Anliegen es ist, den Opfern des Holocaust wieder einen Namen zu geben. Auch eine Kranzniederlegung am Grab von Theodor Herzl, dem Begründer des Zionismus, ist geplant. Außerdem will Gauck Schoah-Überlebende und einen ehemaligen Sportler der israelischen Olympia-Mannschaft treffen, die 1972 in München überfallen wurde.

Nicht nur die Vergangenheit, auch die Zukunft soll ihren Platz finden auf dieser Reise, bei der Joachim Gauck von Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland begleitet wird. Am Mittwoch stehen ein Laborbesuch und Treffen mit Wissenschaftlern des Weizmann-Instituts auf dem Programm. Am Nachmittag will Gauck dem Industriellen Stef Wertheimer das Bundesverdienstkreuz verleihen, der sich für die Aussöhnung zwischen Arabern und Juden einsetzt. Auch ein Mittagessen mit dem Schriftsteller und Friedensaktivisten David Grossman, der 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat, ist geplant.

Am Donnerstag, am letzten Tag der Reise, trifft Gauck in Ramallah Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Regierungschef Salam Fajad. Anschließend wird er bei Nablus an der Einweihung einer Mädchenschule teilnehmen. Gauck unterstütze die Bemühungen für einen unabhängigen Palästinenserstaat, der auf dem Weg direkter Verhandlungen mit Israel entstehen soll, hieß es vor Beginn der Reise im Präsidialamt. Und dass ihm diese Reise besonders wichtig sei, wofür es "gewisse Anhaltspunkte in seiner Biografie" gebe.