Staatsbesuch in Argentinien "Wir hätten früher unsere Stimme erheben müssen"

US-Präsident Barack Obamabei der Gedenkveranstaltung in Buenos Aires.

(Foto: AP)
  • Beim Gedenken an die Opfer des Militärputsches in Argentinien vor 40 Jahren drückt Barack Obama sein Bedauern über die damalige Rolle der USA aus.
  • Argentiniens Präsident Mauricio Macri sprach von der "dunkelsten Etappe unserer Geschichte".
  • Menschenrechtsorganisationen boykottieren die Veranstaltung. Demonstranten verbrennen amerikanische Flaggen und rufen "Obama go home".

US-Präsident Barack Obama hat bei einer Veranstaltung zum Gedenken an den Militärputsch in Argentinien vor 40 Jahren die amerikanische Rolle während der Diktatur bedauert. "Wir waren zu langsam, unsere Stimme wegen der Menschenrechte zu erheben", sagte Obama dem Guardian zufolge bei der Zeremonie, bei der er gemeinsam mit Argentiniens Präsident Mauricio Macri sprach. Obama vermied zwar eine Entschuldigung, sicherte aber zu, weitere Dokumente von Militär und Geheimdienst über die Zeit der Diktatur freizugeben.

Bereits 2002 hatten die USA etwa 4000 Unterlagen zugänglich gemacht. Aus diesen geht unter anderem die fragwürdige Rolle des damaligen US-Außenministers Henry Kissinger hervor. Kissinger soll seinen Amtskollegen Admiral César Guzzetti zu einem schnellen Vorgehen gegen die linken Regimegegner aufgefordert haben. "Es gab Kontroversen über die politische Rolle der Vereinigten Staaten in diesen dunklen Tagen", wird Obama bei der New York Times zitiert. Das Land müsse seine eigene Politik genau wie seine Vergangenheit überprüfen.

Obama hob in seiner Rede das Engagement der Familien und Angehörigen hervor, an die Vergangenheit zu erinnern und dafür zu sorgen, das sie sich nicht wiederholt. "Niemals mehr", sagte Obama auf Spanisch. Macri nannte die Militärdiktatur "die dunkelste Etappe unserer Geschichte". Gemeinsam warfen die beiden Staatsoberhäupter weiße Blumen in den Río de la Plata.

Obamas Besuch am 40. Jahrestag des Militärputsches hatte zuvor für Diskussionen gesorgt. "Es ist nicht der richtige Moment, an so einem Ort zu sein, wenn wir uns an 40 Jahre voller Schmerz erinnern", sagte Menschenrechtlerin Estela de Carlotto der staatlichen Nachrichtenagentur Telam zufolge.

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Demonstranten boykottieren die Veranstaltung

Angeführt von Menschenrechtsorganisationen zogen parallel Zehntausende Menschen zum Gedenken der Opfer der Militärdiktatur zur Plaza de Mayo in Buenos Aires. Die Einladungen zur Zeremonie mit Obama hatten die Gruppen - auch vor dem Hintergrund der Rolle Kissingers während der Diktatur - zuvor abgelehnt. Die Demonstranten auf der Plaza de Mayo forderten "Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit" angesichts der Verbrechen der Militärdiktatur. Auf einem meterlangen Transparent waren Fotos von Opfern zu sehen. Andere Demonstranten hielten "Obama go home"-Schilder in die Luft und verbrannten amerikanische Flaggen.

Außerdem kritisierten sie die Regierung von Präsident Macri. "40 Jahre nach dem Putsch fühlen wir uns erneut berufen, die Demokratie zu verteidigen", las Estela de Carlotto aus einem Dokument, das von mehreren Organisationen unterzeichnet worden war. Die Organisationen befürchten, dass die Aufarbeitung der Diktatur unter Macri beendet wird. Auch in vielen anderen Städten des Landes gab es Gedenkmärsche.

Am 24. März 1976 hatte das Militär in Argentinien die Macht übernommen. Unter dessen Diktatur wurden nach einem offiziellen Bericht mehr als 10 000 Menschen entführt und ermordet. Menschenrechtsorganisationen sprechen sogar von 30 000 Opfern. Das Schicksal vieler Verschwundener ist bis heute unklar.

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