Staatsanwältin im Fall Nisman Ermitteln inmitten eines Erdbebens

Unter Druck und urlaubsreif: Viviana Fein, die Staatsanwältin im Fall Nisman

(Foto: AFP)
  • Die argentinische Staatsanwältin Viviana Fein muss den Tod ihres ehemaligen Kollegen Alberto Nisman aufklären.
  • Doch weil ihre Ermittlungen nur spärliche Fortschritte machen, fordern sowohl Regierung als auch Opposition ihre Ablösung.
Von Boris Herrmann, Buenos Aires

Es ist im Grunde ja nur allzu menschlich, dass Viviana Fein gerne mal zwei Wochen freinehmen würde. Die Arbeit schlaucht sie, und das sieht man ihr auch an, wenn sie in diesen Tagen mit tiefen Falten im Gesicht vor die Kameras tritt. Fein scheint bei ihrer Ferienplanung allerdings die aufgeheizte Stimmung in ihrem Heimatland unterschätzt zu haben. Es löste im ohnehin schwer erschütterten Argentinien ein kleines Erdbeben aus, als Anfang der Woche die Nachricht von ihrem förmlich eingereichten Urlaubsantrag die Runde machte. Und nach harter Schmähkritik hat die Staatsanwältin Viviana Fein schließlich auch eingesehen, dass sie nicht einfach so gehen kann. Nicht jetzt. Ihre Arbeit duldet keinen Aufschub.

Feins Aufgabe ist es, den mysteriösen Tod ihres ehemaligen Kollegen Alberto Nisman aufzuklären. Das Land wartet auf Ergebnisse. Und die halbe Welt rätselt mit. Feins Ermittlungen haben bislang aber eher Fragen aufgeworfen, als Antworten geliefert. Noch ist weitgehend unklar, was sich vor gut zwei Wochen in Nismans Wohnung in Buenos Aires ereignete. Ein politisch motiviertes Attentat? Ein verzweifelter Suizid? Ein erzwungener Selbstmord? In seltener Eintracht mäkeln sowohl die Regierung als auch die Opposition über Feins spärliche Fortschritte. Auf beiden Seiten gibt es Stimmen, die ihre Ablösung fordern.

Als erfahrene Staatsanwältin, die schon Prozesse gegen argentinische Nationalhelden wie Diego Maradona geführt hat, kann man kleinere Sticheleien vermutlich verkraften. Im Fall Nisman muss die Ermittlerin allerdings zusehen, dass sie nicht ihrerseits in den Mittelpunkt der Affäre gerät. Sie hat sich jedenfalls keinen Gefallen damit getan, als sie zunächst die Nachricht dementieren ließ, wonach bei Nismans Leiche der Entwurf für einen Haftbefehl gegen Präsidentin Cristina Kirchner gefunden wurde. Nachdem die Zeitung Clarín ein entsprechendes Faksimile abdruckte, musste auch Fein den Fund eingestehen - und sprach von einem "Missverständnis".

Viviana Fein: Staatsanwältin im Fall Nisman, unter Druck und urlaubsreif.

(Foto: Juan Vargas/AFP)

Polit-Thriller von internationaler Tragweite

Mehr und mehr stellt sich allerdings die Frage, ob Viviana Fein überhaupt unabhängig sprechen und ermitteln kann. Kein Geringerer als der Generalstaatsanwalt Ricardo Sáenz behauptet, die Regierung Kirchner unternehme alles, um seine Kollegin von einer gewissenhaften Arbeit abzulenken. Die Kirchneristen suggerieren wiederum, die Staatsanwältin werde aus Kreisen des offiziell aufgelösten Geheimdienstes ferngesteuert.

Es handelt sich vermutlich um Feins letzten Fall. Und es ist schwer vorstellbar, dass sie sich ihr Karriereende so ausgemalt hat: ein Polit-Thriller von internationaler Tragweite, Psychodruck von allen Seiten, ein Milieu, in dem ein Staatsanwalt tot im Bad liegt. Rein theoretisch könnte Viviana Fein zu Hause bleiben - auch ohne Urlaubsantrag. Ihre Pensionierung ist bereits bewilligt. Wenn man sie richtig versteht, will sie diesen Job jetzt aber tatsächlich zu Ende bringen.