In Sachsen-Anhalt regiert der älteste Ministerpräsident Deutschlands: CDU-Politiker Wolfgang Böhmer ist 70 Jahre alt. Seine Herausforderer von SPD, Linkspartei, FDP und Grünen sind allesamt unter 50.
Die CDU in Sachsen-Anhalt hat ein Nachwuchsproblem. Ministerpräsident Wolfgang Böhmer ist 70 und falls er wiedergewählt werden sollte, würde er wohl die komplette Legislaturperiode, die auf fünf Jahre erhöht wurde, weitermachen.
Wolfgang Böhmer (CDU) (© Foto: dpa)
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Böhmer ist ein Quereinsteiger: Er ist von Haus aus Mediziner und arbeitete 30 Jahre lang als Gynäkologe und Chefarzt. In der DDR war er auch als Protestant aktiv und aus Überzeugung parteilos - bis 1990. Dann trat er in die CDU ein, weniger aus Überzeugung denn aus persönlicher Sympathie. Funktionäre der Ost-CDU hatten ihm geholfen, als sein Sohn "wegen politischer Disziplinlosigkeit" von der Uni exmatrikuliert wurde. Böhmer sagt, er hätte sich prinzipiell auch vorstellen können, zur SPD zu gehen.
Kaum in den Landtag gewählt, machte Böhmer schnell Karriere: Finanzminister, Sozialminister, CDU-Fraktionschef, Ministerpräsident. "Ich habe mich nie um ein politisches Amt gerissen, ich bin eher gedrängt worden", sagt der 70-Jährige zu seinem raschen Aufstieg.
Wolfgang Böhmer gilt zwar als besonnen, sachlich und aufrichtig. Aber ein volksnaher und umgänglicher Politiker, der auch in die Liga der Landesväter passen würde, ist er nicht. Es entspricht nicht seinem Naturell, im Rampenlicht zu stehen.
Mitarbeiter loben sein straffes, effizientes Management. Seine Minister soll er so respektvoll behandeln wie ein Chefarzt seine Oberärzte. Den Unterschied zwischen Politik und Medizin erklärte Böhmer einmal so: Während er in der Medizin 90 Prozent der Zeit mit der Suche nach Lösungen für Probleme verbracht habe und zehn Prozent damit, Mitarbeiter von diesen Lösungen zu überzeugen, sei das Verhältnis in der Politik umgekehrt.
Überzeugungsaufgaben meistert Böhmer in der Regel gut, das erkennen auch Politiker anderer Parteien an. Besonders als Bundesratspräsident und im Vermittlungsausschuss sammelte Böhmer Punkte für seine konstruktive Art Probleme anzugehen. Auch im Ringen um die Gesundheitsreform hatte der Medizin-Professor einiges beizutragen.
Die SPD tritt mit ihrem Fraktionschef Jens Bullerjahn an, der sich hohe Ziele gesetzt hat. Von den 20 Prozent kommend, die die SPD bei der Landtagswahl 2002 noch zusammenkratzte, will er Ministerpräsident werden. Dazu müsste die SPD als stärkste Partei aus der Wahl hervorgehen und danach sieht es eher nicht aus.
Der 43-Jährige ist ein gebürtiger Sachsen-Anhaltiner und nach kurzer Berufstätigkeit als Ingenieur für Prozessautomatisierung im Kupferkombinat in Mansfeld 1990 in die Landespolitik gegangen. Als Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD war er maßgeblich am Gelingen des "Magdeburger Modells" beteiligt: 1994 regierte eine Minderheitskoalition aus SPD und Grünen, 1998 die SPD alleine - jeweils unter Tolerierung der PDS.
Als SPD-Landes- und Fraktionschef Manfred Püchel im Sommer 2004 überraschend zurücktrat, übernahm Bullerjahn beide Ämter. Der weitere Aufstieg verlief schnell: Im Januar 2005 wurde er zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominiert, im November in den Vorstand der Bundes-SPD gewählt. Noch einen Monat später übernahm er den Vorsitz des SPD-Forums Ostdeutschland von Matthias Platzeck.
Im Wahlkampf scheut Haushaltsexperte Bullerjahn nicht davor zurück, auf einen harten Sanierungskurs für Sachsen-Anhalt zu setzen. Er hält das angeschlagene Bundesland auf Dauer für nicht überlebensfähig und fordert einen Zusammenschluss mit Sachsen und Thüringen bis 2020.
Gut bekannt mit Bullerjahn ist Linkspartei-Spitzenkandidat Wulf Gallert. Der 42-Jährige kam 1994 in den Landtag und wurde umgehend Parlamentarischer Geschäftsführer. Mit seinem SPD-Pendant Bullerjahn organisierte Gallert die Tolerierung der SPD-Minderheitsregierungen. Weitere Parallelen zum SPD-Spitzenkandidaten: Ebenfalls 2004 stieg Gallert zum Vorsitzenden seiner Fraktion auf, auch er hat sich auf die Haushaltspolitik spezialisiert.
Der frühere Lehrer gibt sich als Politiker pragmatisch. In der Linkspartei.PDS macht er sich schon lange für die Regierungsbeteiligung stark - und zieht mit dem Anspruch in die Wahl, Ministerpräsident werden zu wollen.
Solche Ambitionen hat FDP-Spitzenkandidat Karl-Heinz Paqué nicht. Er wäre wohl schon froh, wenn er Finanzminister bleiben würde. Dieses Amt bekleidet Paqué seit der Wahl 2002. Nachdem die damalige Spitzenkandidatin und FDP-Landesvorsitzende Cornelia Pieper den Wechsel nach Magdeburg scheute und lieber im Bundestag blieb, fiel Paqué als wichtigstem FDP-Minister eine maßgebliche Führungsrolle in der FDP zu. Die Wahl Paqués zum FDP-Spitzenkandidaten war daher nur logische Konsequenz.
Der FDP gehört der 49-Jährige erst seit 1999 an. Paqué ist ein klassischer Seiteneinsteiger: Vor seinem Wechsel in die Politik im Frühjahr 2002 war der Volkswirtschaftler Lehrstuhlinhaber für Internationalen Handel an der Universität Magdeburg.
Die schwierige Aufgabe, die Grünen nach achtjähriger Absenz zurück in den Landtag von Sachsen-Anhalt zu führen, hat Inés Brock übernommen. Die 41-jährige Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin ist seit 1997 bei den Grünen und seit 2000 Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt.
Mit einer "frischen grünen Fraktion" will Brock "Schwung in die verkrustete Landespolitik" bringen und "den ewigen Berufspolitikern mit ihren lähmenden Analysen und ihrer bleiernen Nüchternheit Dampf" machen.
(sueddeutsche.de)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien