Spionagevorwurf Neue Spitzel-Vorwürfe gegen Lech Wałęsa

Lech Wałęsa als polnischer Gewerkschaftsführer auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1981.

(Foto: AP)
  • Eine polnische Behörde will Dokumente gefunden haben, die Lech Wałęsa als Spitzel überführen.
  • Demnach hat Wałęsa im kommunistischen Polen für den Geheimdienst gearbeitet - was er stets bestritten hat.
  • Der Friedensnobelpreisträger war 2000 von einem Gericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden.

Der ehemalige polnische Präsident Lech Wałęsa soll zu Zeiten der Volksrepublik für den kommunistischen Geheimdienst SB gearbeitet haben - also für das Regime, das er selber als Gewerkschaftsführer bekämpfte. Den Vorwurf gibt es schon lange, Wałęsa hat ihn stets bestritten. Jetzt will das Warschauer Institut für Nationales Gedenken (IPN) in Warschau neue Dokumente gefunden haben, die den Friedensnobelpreisträger belasten.

Im Haus des im November verstorbenen polnischen Ex-Generals Czesław Kiszczak sei "eine handschriftliche Zusage zur Zusammenarbeit" entdeckt worden, unterschrieben mit "Lech Wałęsa" und dem Tarnnamen "Bolek". Das teilte IPN-Chef Łukasz Kamiński mit. Zudem lägen Quittungen über Honorarzahlungen vor. Die Unterschrift Wałęsas sei authentisch.

2000 war Wałęsa vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden

Angesichts der neuen Vorwürfe kündigte Wałęsa, der sich derzeit im Ausland aufhält, juristische Konsequenzen an. "Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen", erklärte der 72-Jährige.

Im Jahr 2000 war Wałęsa von einem Gericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden. Bereits aufgetauchte Dokumente hat er wiederholt als Fälschung bezeichnet. Zudem hatte er in der Vergangenheit Dokumente auf seine Homepage gestellt, die eine Operation der Sicherheitsbehörden aus dem Jahr 1987 gegen ihn offenbaren.

Einstige Weggefährten verteidigten ihn noch am Mittwoch gegen die Vorwürfe. "Ich glaube nicht an eine Zusammenarbeit oder Spitzelei Wałęsas. Ich bin überzeugt, es kam zu Kontakten mit dem Sicherheitsdienst und dass Wałęsa so seine Gesundheit, sein Leben und seine Familie schützte", sagte der frühere Solidarność-Gewerkschafter Władysław Frasyniuk im Fernsehsender TVN 24.

Wałęsa war in kommunistischer Zeit Anführer der Gewerkschaft Solidarność. 1983 wurde er als "Exponent der aktiven Sehnsucht nach Frieden und Freiheit" mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Von 1990 bis 1995 war er der erste demokratisch gewählte Präsident Polens.

Das Institut für Nationales Gedenken ist das polnische Pendant der deutschen Stasi-Unterlagen-Behörde. Wałęsa gilt als Kritiker der seit Oktober regierenden neuen nationalkonservativen Regierung und des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński. Im Dezember warnte der Freiheitsheld angesichts der gesellschaftlichen Spannungen vor einem "Bürgerkrieg" in Polen.

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