Spekulationen um Oskar Lafontaine Aus der Versenkung

Geht der eine, kommt der andere? Oskar Lafontaine könnte wieder in die Bundespolitik wechseln, seine Partei würde es begrüßen

(Foto: REUTERS)

Was hat Oskar Lafontaine vor? Mit geheimnisvollen Aussagen beflügelt er die Phantasie der Linkspartei, die Genossen hoffen schon auf seine Rückkehr in den Bundestag. Die Partei könnte Lafontaine gut gebrauchen.

Von Daniel Brössler, Berlin

Ende April wählen noch die Delegierten in Hessen und in Sachsen, dann werden in ganz Deutschland die Listenaufstellungen der Linken für die Bundestagswahl abgeschlossen sein. In ganz Deutschland? Tief im Westen der Republik lässt sich ein kleiner Landesverband nicht drängeln.

Erst am 5. Mai wollen die Linken im Saarland ihre Kandidaten für die Bundestagswahl bestimmen. Das lässt Linke im ganzen Land aufhorchen; sie rätseln, was der alte Häuptling von der Saar im Schilde führt. Will er zurück in den Bundestag? "Ich habe mich noch nicht entschieden", hat Oskar Lafontaine vor ein paar Tagen in Saarbrücken verkündet. Es gebe "viele Argumente, die man prüfen muss". Ansonsten gelte: "Vorbereiten muss ich mich nicht großartig."

Mehr will er nun nicht sagen

Die drei Sätze haben vollkommen genügt, um die Phantasie von Freund wie Feind in der Linken zu beflügeln. Lafontaine, der wenige Tage vor der Bundestagswahl im September seinen 70. Geburtstag feiert, hat sein bundespolitisches Comeback in Aussicht gestellt oder, je nach Standpunkt, angedroht. Mehr aber will er nun nicht mehr sagen.

Nicht zum ersten Mal darf die Partei mit Spannung warten, wie sich Lafontaine entscheidet. So war es auch vergangenes Jahr gewesen, als Lafontaine monatelang eine Rückkehr an die Parteispitze erwogen hatte. Er hatte dann mehrere Bedingungen genannt, mit denen er sich nicht hatte durchsetzen können. Im Mai 2012 zog Lafontaine schließlich seine Bereitschaft zur Kandidatur zurück, weil sie "nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Auseinandersetzung geführt" habe.

Damit schien die bundespolitische Laufbahn Lafontaines, der sich nach der Bundestagswahl 2009 aus gesundheitlichen Gründen an die Saar zurückgezogen hatte, endgültig beendet. Seit dem Parteitag im Juni ist die Partei ein wenig zur Ruhe gekommen. Es schwelt aber der West-Ost-Konflikt und der Machtkampf um die Rolle von Vize-Parteichefin Sahra Wagenknecht, Lafontaines Partnerin.

Wenn Gysi geht, könnte Lafontaine kommen

Für eine mögliche Rückkehr Lafontaines kann es nun mehrere Auslöser geben. Einer hat mit Lafontaines zeitweiligem Weggefährten Gregor Gysi zu tun. Der Fraktionschef der Linken im Bundestag und Frontmann für den Wahlkampf steht durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hamburg unter Druck. Sie prüft aufgrund einer Anzeige, ob Gysi 2011 in einer eidesstattlichen Versicherung gelogen hat, als er bestritt, über Mandanten oder sonst jemanden an die Stasi berichtet zu haben.

Sollte die Staatsanwaltschaft Anklage erheben und das auch noch vor der Bundestagswahl, wäre das für die Linke eine Katastrophe. Zwar beteuern führende Linke wie die Fraktions-Geschäftsführerin Dagmar Enkelmann, die Frage stelle sich nicht. Der Rückzugsdruck auf Gysi, der an diesem Samstag zum Berliner Spitzenkandidaten gewählt wird, wäre nach einer Anklage aber enorm. Verlöre die Linke so ihr prominentestes Gesicht, dürften zumindest im westlichen Teil der Partei die Rufe nach Lafontaine unüberhörbar werden.

Lafontaine stünde im Mittelpunkt

Zwar hat Parteichef Bernd Riexinger bereits klargestellt, dass das achtköpfige Spitzenteam für den Wahlkampf komplett ist. Doch darum müsste sich Lafontaine keine Sorgen machen. Das Team gilt aufgrund seiner Größe parteiintern als irrelevant. Der Ex-Vorsitzende Lothar Bisky spottete in der Zeit, "sie hätten elf nehmen sollen, dann könnten sie wenigstens Fußball spielen". Sicher ist: Auch ohne einen formellen Status als Spitzenkandidat stünde Lafontaine im Mittelpunkt.

Unabhängig vom Fortgang der Hamburger Ermittlungen könnte genau das Lafontaines Argument sein. Sollte sich ein durch die Stärke im Osten nicht auszugleichender Absturz im Westen abzeichnen, könnte der Saarländer versucht sein, als Retter in letzter Minute aufzutreten. Im kleinen Saarland selbst gilt das sowieso. Nur der frühere Ministerpräsident würde dort wohl erneut genug Stimmen sammeln können, damit es wieder für zwei Mandate reicht.