Für SPD-Chef Gabriel steht fest: Seine Partei ist strikt gegen eine weitere Truppenaufstockung in Afghanistan. Auch bei der Debatte über einen Abzugstermin hat er konkrete Vorstellungen - anders als die Union.
SPD-Chef Sigmar Gabriel will zwar die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte durch die Bundeswehr verstärken, lehnt aber eine Aufstockung des deutschen Kontingents in Afghanistan ab. "Im Bereich Militär gehen wir davon aus, dass innerhalb der bestehenden Mandatsobergrenze von 4500 Soldaten durch Umschichtung mehr und bessere Ausbildung möglich ist", sagte Gabriel am Freitag auf der Afghanistan-Konferenz der SPD in Berlin.
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SPD-Chef Sigmar Gabriel ist für einen konkreten Abzugsplan deutscher Truppen aus Afghanistan. (© Foto: ddp)
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Er bekräftigte auch das Ziel, die deutschen Soldaten in den Jahren 2013 bis 2015 vollständig aus Afghanistan abzuziehen.
In einem von Gabriel gemeinsam mit SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier vorgelegten Positionspapier wird besonders eine Aufstockung deutscher Kampfeinheiten ausgeschlossen. "Zusätzliche Kampftruppen lehnen wir ab", heißt es in dem Text.
Geprüft werden soll zudem, ob die deutschen Tornado-Aufklärungsflugzeuge nicht durch Kräfte anderer Staaten abgelöst werden könnten. Bereits 2011 soll dann parallel zum angekündigten Abzug erster US-Einheiten auch der Rückzug des deutschen Kontingents beginnen. Verdoppelt werden sollen dem SPD-Papier zufolge aber die von Deutschland zur Verfügung gestellten Mittel für den zivilen Wiederaufbau in Afghanistan.
Der scheidende afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta warnte vor den Folgen eines überstürzten Abzugs der internationalen Truppen, da das Land noch nicht so weit sei, die bestehenden Herausforderungen allein zu bewältigen. "Die Frauen in unserem Land wären die Hauptverliererinnen, wenn Sie frühzeitig uns allein lassen", sagte Spanta auf der SPD-Konferenz.
Auch die afghanische Regierung strebe aber an, innerhalb von drei bis fünf Jahren vollständig selbst die Sicherheitsverantwortung für das Land zu übernehmen, "wenn die internationale Gemeinschaft uns hilft". Grundsätzlich sei klar: "Die Verteidigung unseres Landes ist unsere eigene Aufgabe."
"Wir müssen zunächst die Voraussetzungen des Rückzugs schaffen", sagte Spanta weiter. Dazu zähle auch ein nationaler Aussöhnungsprozess unter Einbeziehung aller, "die bereit sind, die afghanische Verfassung anzuerkennen", warb er für Gespräche auch mit bisherigen Aufständischen.
Weiter plädierte auch Spanta für eine Stärkung der zivilen Komponente des internationalen Engagements: "Wir werden diesen Krieg nicht gewinnen, wenn wir nicht die Herzen der Afghanen gewinnen."
In der Debatte über die künftige Afghanistan-Strategie ist Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gegen die Festlegung eines Abzugstermins. Es solle jetzt "nicht leichtsinnig mit Enddaten" hantiert werden, sagte der Minister am Freitag in Berlin. Es müsse vielmehr ein Prozess in Gang gesetzt werden, der "perspektivisch" auch den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan beinhalte.
Kurz vor der Afghanistan-Konferenz am Donnerstag will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag und Mittwoch mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai über das deutsche Engagement beraten.
Merkel werde am Dienstagabend und am Mittwochvormittag mit Karsai zusammenkommen, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin. Für Dienstag sei zudem ein Treffen von Merkel gemeinsam mit den für Afghanistan zuständigen Ministern sowie den Fraktionsvorsitzenden im Bundestag mit dem afghanischen Präsidenten angedacht.
In die Afghanistan-Politik einbezogen sind neben Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP).
Bei dem Gedankenaustausch Merkels mit Karsai soll es auch um die regionalen Beziehungen Afghanistans mit seinen Nachbarländern gehen. Am Mittwoch ist eine Teilnahme Karsais an einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags geplant. Merkel wird am 27. Januar im Bundestag eine Regierungserklärung zu Afghanistan abgeben.
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(dpa/AFP/bica/gba)
Reiseknigge: Türkei
Wieso wird von einigen Foristen moniert, dass sich die politische Position der Sozialdemokraten zu Afghanistan verändert hat?
Und wozu brauchen wir eine Kanzlerin, die keine Meinung hat, sondern sich immer erst einer Meinung anschließt, wenn diese sich in der Öffentlichkeit, bei den Kirchen und in der Opposition gebildet hat?
Ich erlaube mir, zu der Position der SPD die zutreffende Äußerung von Frau Höll (SZ von heute: "Rolle rückwärts") zu zitieren: "Es sind nicht außen- und sicherheitspolitische Überlegungen, die der deutschen Sozialdemokratie diesen Positionswechsel bescheren, der Meinungswandel hat rein parteitaktische Gründe."
Hatte die SPD nicht einer Verlängerung des Mandats erst kürzlich wieder zugerstimmt? Gab es da nicht einen Bundesaußenminister und jetzigen Fraktionsvorsitzenden der SPD namens Steinmeier, der maßgeblich die deutsche Afghanistan-Politik mitgestaltet hat? War es nicht der SPD-Verteidigungsminister und Fraktiondvorsitzene Struck, der die unsägliche Äußerung, wonach die Bundesrepublik am Hindukusch verteidigt wird, unbeschadet (!) zum Besten gab?
So richtig es ist, diesen Krieg anzuprangern, nämlich als einen moralisch, politisch und militärisch sinn- und uferlosen Krieg, so durchsichtig "parteitaktisch" ist das unzureichende Geschwurbel der SPD-Führung in dieser Frage. Das Entlarvendste dabei ist, dass es die gleichen Personen sind, die mal Hü und mal Hot schreien. Glaubwürdig ist das nicht. Bei allen Vorbehalten ist mir die sehr viel konsequentere Ablehnung der Kriegsbeteiligung Deutschlands durch die LINKE jedenfalls in d i e s e r F r a g e allemal lieber.
Dennoch ist in der Sache eine Änderung des bisheigen Kriegskurses natürlich richtig und zu begrüßen - ich vertraue freilich dieser SPD-Führung nicht, weil sie unfähig oder unwillig ist, eigene Fehler einzuräumen.
Raus aus diesem seit Jahrzehnten von Krieg und Bürgerkrieg geschundenen Land, so schnell wie möglich ! Selbst ein "kopfloses" Raus ist dem "kopflosen" Rein und Mehr allemal vorzuziehen. 2015 ist ein weiterer betrügerischer Witz, an den sich die belogene Bevölkerung bis dahin nicht mehr erinnern soll.
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Zitat:"SPD-Chef Sigmar Gabriel ist für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zeitgleich mit den USA. "Wenn US-Präsident Barack Obama sagt, 2011 beginnt der Abzug der US-Armee, ist das auch der Beginn des Abzugs der Bundeswehr", sagte er am Freitag im Deutschlandfunk."
Das halte ich auch für sinnvoll. Schließlich kann die Bundeswehr kaum allein die Taliban in Schach halten.