Aus Verärgerung über das schlechte Abschneiden ihres Kandidaten Wolfgang Thierse bei der Wahl zum Bundestagsvizepräsidenten erwägen namhafte SPD-Abgeordnete, sich bei der Union zu rächen - bei der Kanzlerwahl von Angela Merkel.

"Den ersten Vizepräsidenten der SPD so abzustrafen, ist eine große Dummheit der Union, besonders direkt vor der Kanzlerwahl", sagte SPD-Fraktionsvize Gernot Erler der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. "Wie sollen wir denn unsere Wut zum Ausdruck bringen, wenn nicht bei der nächsten Wahl im Bundestag, bei der die CDU ein Interesse hat?", fügte er hinzu.

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Der SPD-Politiker Michael Müller, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion, sagte der Zeitung, das schlechte Abschneiden Thierses habe viele Mitglieder der SPD-Fraktion geärgert. Ob der Vorgang sich negativ auf die sozialdemokratische Unterstützung Merkels bei der Kanzlerwahl auswirken werde, bezeichnete Müller als ungewiss. Das hänge auch vom Inhalt der Koalitionsvereinbarung ab.

Nachdem die SPD dem CDU-Politiker Norbert Lammert bei der Wahl zum Bundestagspräsidenten zu einem Ergebnis von 93 Prozent verholfen habe, habe die Union die SPD mit ihrem Wahlverhalten brüskiert, sagte Erler. Thierse hatte bei der Wahl nur 69 Prozent der Stimmen erhalten. "Wir sind über unseren Schatten gesprungen und als Dankeschön kriegen wir 136 Nein-Stimmen für Wolfgang Thierse", sagte Erler. "Die Wut darüber ist sehr groß, auch bei mir", fügte er hinzu.

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(AFP)