sueddeutsche.de: Kann das der Kandidat Steinmeier leisten?

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Güllner: Steinmeier ist auch in einem Dilemma. Er kann die guten Werte des Außenministers Steinmeier nicht übertragen auf den Kanzlerkandidaten Steinmeier. Und er hat anders als Schröder 2005 heute eine Gegnerin, die ungeheuer populär ist. Kanzlerin Merkel hat für sich den "Kümmer-Aspekt" gepachtet. Als sie beim ersten Bankenrettungschirm gesagt hat: 'Wir tun das nicht für die Banken, wir tun das für die Menschen', da hat sie den richtigen Ton getroffen. Ein genialer Satz. Seitdem ist sie diese "Kümmerin".

sueddeutsche.de: Also braucht es einen Wahlkampf à la Schröder. Wie kann Steinmeier ein Wahlkämpfer vom Format Schröders werden?

Güllner: Das kann er nicht. Das darf er auch nicht versuchen. Schröder konnte das - er hatte 1998 schon vier Wahlkämpfe hinter sich und drei davon gewonnen. Er war erfahren, er konnte "Schröder pur" geben. 2005 wusste er, dass er nicht mehr gewinnen konnte. Also versetzte er sich in Trance und füllte noch einmal die Marktplätze. Steinmeier hat keine Wahlkampferfahrung. Er wird von den Menschen als redlich, seriös und zuverlässig wahrgenommen. Also kann er sich auch nur so geben. Er kann nicht versuchen, den Schröder zu spielen. Das muss schiefgehen.

sueddeutsche.de: Also keine Zuspitzung auf die Personen Steinmeier und Merkel?

Güllner: Merkel steht ja für ähnliche Werte - zuzüglich des Kümmer-Aspekts. Geschickt gemacht hat sie auch, dass sie Steinbrück stets an ihrer Seite präsentiert und ihn so zu ihrem Adlatus gemacht hat. Steinbrück hat die Kanzlerin unterstützt und nicht seine Partei. Ein Drittel der SPD-Anhänger weiß nicht mal, dass Steinbrück in der SPD ist. Sie hat einen als kompetent angesehenen SPD-Politiker zu einem Gehilfen gemacht.

sueddeutsche.de: Ist denn im Hinblick auf den härter werdenden Wahlkampf überhaupt noch ein Regieren möglich?

Güllner: Einen langen Wahlkampf, wie ihn die SPD anscheinend plant, halte ich für kontraproduktiv. Er entspricht einfach nicht den Erwartungen der Menschen. Sie erwarten, dass sich die Parteien bis zum Wahltag zusammenraufen. Wenn die CDU schlau ist, dann unterstreicht sie, wie wichtig es ist, in Zeiten der Krise pflichtbewusst ihre Arbeit zu machen. Das ist die einzig richtige Linie. Sich aus dem Wahlkampf raushalten und so den besten Wahlkampf machen.

Manfred Güllner ist Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Forsa.

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  1. "Das muss schiefgehen"
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(sueddeutsche.de/plin)