Wolfgang Clement will unbedingt eine Grundsatzentscheidung über die Meinungsfreiheit in der SPD. Deswegen zieht er Kompromissangebote gar nicht erst in Betracht.
Die Causa Clement war über Monate hinweg ein Art Stellungskrieg ohne ersichtliche Landgewinne, die Streitparteien hatten sich tief in ihren Schützengräben eingebuddelt. Seit Sonntag aber hat sich die Gefechtslage nochmals gewandelt.
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Wolfgang Clement will sich seine Meinung nicht verbieten lassen (© Foto: dpa)
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Fünf der sieben auf Parteiausschluss klagenden SPD-Gliederungen hatten dem Parteivorsitzenden Kurt Beck schriftlich ein Angebot unterbreitet - unter bestimmten Bedingungen und einem Entgegenkommen Clements sei man mit einer Rüge für den früheren Bundesminister einverstanden. Der 68-Jährige wies den Vergleichsvorschlag im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung prompt zurück. Dieser Einigungsvorschlag sei "weltfremd".
War der Brief der Basis nun ein ernstgemeinter Friedensvorschlag, das erste Rückzugsgefecht oder nur ein vergiftetes Angebot?
Auf den ersten Blick wirkt der Brief der Kläger angesichts der heftigen Reaktionen der SPD-Spitze auf einen möglichen Ausschluss wie ein Zurückrudern - Rüge statt Ausschluss, auf diese Art will schließlich auch die Bundes-SPD das Thema abräumen.
Doch so eindimensional ist das Schreiben nicht zu verstehen. Im Gegenzug verlangen die Basis-Genossen von Wolfgang Clement schließlich eine Erklärung, "seine parteischädigenden Aufrufe zur Nichtwahl der SPD in Zukunft zu unterlassen".
Auf einen derartigen Deal will sich Clement nicht einlassen - er fühlt sich auch mit dieser Maßgabe als Sozialdemokrat in seiner Meinungsfreiheit beschnitten. Seine Haltung ist stringent - bereits bei der mündlichen Anhörung vor der nordrhein-westfälischen Schiedskommission am 12. Juli hatte Clement einen gleichlautenden Vorschlag zur Verständigung zurückgewiesen.
So gesehen ist der Vorstoß der Ortsvereine nur eine Neuauflage des gescheiterten Versuchs - aber nun auf größerer Bühne. Hintergrund des Vergleichs dürfte auch der Wunsch der Basisgenossen sein, wieder zum juristischen Kern des Parteiordnungsverfahrens zurückzukehren.
Direkt nach der überraschenden Ausschluss-Entscheidung der NRW-Schiedskommission war eine heftige Richtungsdebatte entflammt, es ging fast ausschließlich um die Agenda 2010, den tiefen Graben zwischen den SPD-Flügeln, um nicht weniger als den Kurs der Partei.
Kläger wie Beklagter hatten diese Debatte mehrfach angefacht, inzwischen hat sich bei den klagenden Gliederungen offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass dieser Streit aus ihrer Sicht im Fall Clement in die Sackgasse führen dürfte. Denn über den vom Schiedsgericht benannten Grund des Parteiausschlusses, eine Kolumne des früheren NRW-Ministerpräsidenten in der Welt am Sonntag eine Woche vor der Hessen-Wahl wurde kaum noch debattiert.
Darin hatte Clement nach einer harschen Kritik an den energiepolitischen Ansichten der hessischen Sozialdemokraten wenig verklausuliert vor der Wahl der hessischen SPD-Spitzenkandidaten Andrea Ypsilanti gewarnt.
Die Kolumne endete mit dem fein ziselierten Satz: "Deshalb wäge und wähle genau, wer Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen kann - und wem nicht." Für Clement war dies eine "zugegeben scharfe und pointierte Kolumne", das NRW-Parteigericht wertete es als "erheblichen Verstoß gegen die parteiinterne Solidarität".
Doch auch die Spitzengenossen, die Clement direkt nach der Kolumne noch scharf kritisierten, teilweise gar einen freiwilligen Parteiaustritt forderten, reihten sich jetzt ein in die Schar derer, die die Meinungsvielfalt in der SPD gewahrt sehen wollen. Mit dem Angebot der Basis gerät nun auch die Bundespartei in Zugzwang, die stets betont hat, eine einvernehmliche Lösung herbeiführen zu wollen.
Nun steht Wolfgang Clement, der sich in den letzten Tagen vieler Solidaritätsbekundungen erfreuen durfte, aus Sicht der Parteispitze plötzlich in der Pflicht, sich ebenfalls kompromissbereit zu zeigen. Doch wie die "Brücke" aussehen soll, welche die SPD-Spitze nach den Worten von Generalsekretär Hubertus Heil den Streitparteien bauen will, ist völlig unklar.
Clement hat seinen festen Willen, eine Grundsatzentscheidung über etwaige Grenzen der Meinungsfreiheit für ein Parteimitglied herbeizuführen, mehrfach ausdrücklich betont. Und dass Clement aus Rücksicht auf eine gefühlte Parteiräson auf diese Klärung verzichtet, kann sich derzeit kaum jemand vorstellen.
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(sueddeutsche.de/odg/bosw)
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Nach seiner Kolumne hat ihn Hermann Scheer Clement zu einer öffentlichen Diskussion zur zukünftigen Energiepolitik eingeladen, was Clement (natürlich!) verweigert hat. Damit hat er praktisch zugegeben, dass er für seine steinzeitlichen Vorstellungen zur zukünftigen Energiepolitik keine Sachargumente hat und sie von reinem Lobbyismus "inspiriert" waren, und dass die Konzepte von Scheer und Ypsilanti daher richtig sind! Hat Clement der SPD also wirklich geschadet im hessischen Wahlkampf, gibt es dazu Analysen? Oder doch eher genutzt?
Jedenfalls haben wir in Deutschland nicht nur Meinungs-, sondern auch Parteifreiheit. Wernn Clement Mitglied/Angestellter in 2 Organisationen mit unvereinbaren Positionen ist (in diesem Fall RWE und SPD), dann sollte er eine dieser Organisationen freiwillig verlassen und dieses Sommertheater selbst beenden.
Die deutsche Sozialdemokratie hat sich unter den Vorsitzenden Schröder und Müntefering bereits "selbst aufgegeben". Seither ist diese Partei keine sozialdemokratische Partei mehr.
Die Grundwerte dieser Partei (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) wurden einfach über Bord geworfen, um eine neoliberale Politik zu betreiben, die den Großen alles und den Kleinen (fast) nichts bringt.
Nicht die Clement-Verfolger sind also die wirklichen Übeltäter, sondern Clement, Schröder, Schily, Müntefering, Steinbrück und andere, die diese Partei an den Rand des Abgrunds geführt haben und immer noch den Eindruck vermitteln, als sei dieser Weg der einzig Richtige. Keinerlei Reue also !
Die SPD hat nur noch eine Überlebens-Chance, wenn sie mit einer geläuterten Grünen-Partei (jenseits von Joschka Fischer) und der Linkspartei Bündnisse eingeht, um das Rechtskartell der CDU-CSU-FDP zu stoppen und Deutschland wieder zu sozial-gerechten Verhältnissen zu führen.
Detlev von Larcher wurde im April 2008 übrigens auch aus der SPD gekickt...
Liebe Linke in der SPD,
einen Herrn Clement und viele andere Steinbrück's und Seeheimers kann man auch aus der Partei entfernen, indem man selbst die Partei verlässt.
Würden alle noch verbliebenden Linken in die wahre SPD - "Die Linke" - wechseln, gäbe es bald keine SPD mehr. Herr Clement und seine Freunde könnten dann vielleicht noch das Licht ausmachen und sich dann eine neue Partei suchen. Anschließend wird "Die Linke" wieder in SPD umgetauft, mit Oskar Lafontaine als neuen (alten) SPD-Vorsitzenden.
Man muß auch mal verschlungene Wege gehen, um seine Ziele zu erreichen ...
Das Schmierentheater ist nicht auszuhalten. Clement einer der Scharfmacher gegen andere Genossen von der Linken SPD macht in Meinungsfreiheit wo war die im Falle von Butterwege und Genossen. Mit ihm gehören Schröder und die Steine ausgeschlossen und am besten der ganze Seeheimer Kreis, damit wir die SPD wieder aufbauen können, und damit dann die Linke Geschichte bleibt. Ohne Agenda 2010 und Hartz IV keine WASG ohne WASG und die mittlere Führungsebene der DGB Gewerkschaften keine Linke aus WASG und PdS. So einfach ist die Rechnung. Das haben uns Clement und Steinbrück, Steinmeier, Schröder und Beck eingebrockt und darum braucht die SPD eine Neue Führung. Wer wie Clement keine Gnade kennt dem sei auch keine gewährt. Schade das man den Herrn nicht auf Hartz IV setzen kann. Dann könnte er die Früchte ernten die er gesät hat.
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